BKA-Chef: Weiter Gefahr durch IS-Miliz trotz militärischer Niederlagen

BKA-Chef: Weiter Gefahr durch IS-Miliz trotz militärischer Niederlagen

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, sieht die Gefahr durch den Islamischen Staat (IS) auch nach einer Reihe militärischer Niederlagen der Dschihadistenmiliz nicht gebannt. Das vom IS ausgerufene Kalifat im Irak und in Syrien habe zwar quasi aufgehört zu existieren, sagte Münch dem Deutschlandfunk. Es hätten sich aber dschihadistische Netzwerke im Internet gebildet, die für Sicherheitsbehörden schwer zu kontrollieren seien.

Die IS-Miliz verlor in den vergangenen Wochen im Irak und Syrien die letzten Städte unter ihrer Kontrolle. Der IS habe sich aber auf die "nächste Phase" vorbereitet, sagte der BKA-Präsident.

Am Anfang stand demnach der Aufruf, sich in den Kampfgebieten am Dschihad zu beteiligen. "Dann, als die Allianz sich auch formiert hatte, hörte das schon auf und es begann eher der Aufruf zu Straftaten beziehungsweise Anschlägen, egal wo man sich aufhält, gerade bei den Mitgliedern der Anti-IS Koalition", sagte Münch.

"Wir haben beobachten können, wie dann Schritt für Schritt sich das noch weiter entwickelt hat." Nun sei viel weniger klassische Propaganda zu beobachten.

"Dafür haben sich die Dschihadistenstrukturen in den sozialen Medien etabliert, unterhalten dort Chat-Foren und tauschen dort Informationen aus, eben unbeobachteter für Sicherheitsbehörden und haben so etwas wie virtuelle Netzwerke gebildet", erläuterte der BKA-Chef. "Und das ist auch das große Risiko."

Die Sicherheitsbehörden erwarten demnach, dass es neben diesen virtuellen Netzwerken einen Trend zum "individuellen Dschihad" gebe, "was für uns bedeutet, dass wir eben solche Verbindungen sehr, sehr schnell erkennen müssen", sagte Münch. Das sei eine weitere Anforderung an die nationale und internationale Zusammenarbeit, "sehr schnell Informationen auszutauschen".