Die bizarre Trump-Show am Kabinettstisch


Donald Trump hat sein Kabinett um sich geschart. Es ist die letzte Sitzung des Jahres. Der US-Präsident erteilt seinem Vize das Wort, lehnt sich zurück, verschränkt die Arme und genießt. Denn Mike Pence enttäuscht ihn nicht und liefert das, was seinem Boss gefällt: Eine Jubelarie auf ein Jahr Donald Trump.

„Das ist ein Schlüsselmoment für das Land. Die Reform ist ein Wunder für die Mittelklasse“, schwärmt Pence über die US-Steuerreform. Am Kabinettstisch legt er nach. Hier einige Aussagen:


  • „Glückwunsch und Danke. Danke dafür, dass Sie im Laufe des Jahres nach einer Agenda gesucht haben, die dieses Land wirklich wieder herstellt.“
  • „Sie haben Amerikas Glaubwürdigkeit in der Welt wieder hergestellt. Wir stehen zu unseren Verbündeten – und wir stehen gegen unsere Feinde.“
  • „Sie haben in diesem Land einen Optimismus ausgelöst, der Maßstäbe setzt.“
  • „Ich bin zutiefst demütig als ihr Vizepräsident hier sein zu können.“
  • „Ich möchte Ihnen danken, Mr. President. Ich möchte Ihnen danken, dass Sie jeden Tag im Namen der vergessenen Männer und Frauen von Amerika sprechen und für sie kämpfen.“




Es ist ein Auftritt nach Trumps Geschmack. Den ganzen Tag über genießt er es, seine Steuerreform noch pünktlich vor Weihnachten auf den Weg gebracht zu haben. Das Repräsentantenhaus lässt das Gesetz mit klarer Mehrheit passieren. 224 Republikaner stimmen dafür, alle 189 Demokraten sowie zwölf Konservative dagegen. Am frühen Mittwochmorgen hat bereits der Senat den Entwurf verabschiedet.

Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Republikanern nach der Verabschiedung der Reform vor dem Weißen Haus sagt Trump: „Wir haben jeden Rekord gebrochen.“ Es handele sich um die größte Steuersenkung in der Geschichte des Landes. Anschließend ruft der Präsident einige Abgeordnete und Senatoren einzeln auf, um sich bei ihnen zu bedanken.


Dass Trump derlei Auftritte liebt, ist nicht neu. Auch, dass er eine Kabinettssitzung als Showbühne nutzt, ist keine Premiere. Bereits im Juni, als erstmals alle Minister und Beauftragten der neuen Regierung beisammensaßen, bat der US-Präsident jeden einzelnen um ein paar Worte. Die folgende Lobhudelei, die öffentlich übertragen wurde, erinnerte verdächtig an die Inszenierungen diktatorischer Machthaber.

Auch bei jener Vorstellungsrunde huldige Vize Pence seinem Chef überschwänglich – und erklärte, es sei „das größte Privileg seines Lebens, als Vizepräsident dem Präsidenten zu dienen, der seine Versprechen dem Volk gegenüber einlöst“.