Bizarre Tierwelt am Mekong: Forscher entdecken 115 Arten

Der Euroscaptor orlovi gehört zur Familie der Maulwürfe. Foto: Thomas Ziegler/WWF

Gerade entdeckt, schon gefährdet: Am Mekong haben Forscher im vorigen Jahr 115 neue Arten entdeckt - darunter Amphibien, Reptilien und Säugetiere. Experten fordern, die dortige Natur stärker zu schützen.

Berlin (dpa) - Echsen, Schildkröten, Fische, Maulwürfe und eine Fledermaus: Am Mekong haben Forscher im vergangenen Jahr 115 bislang unbekannte Tier- und Pflanzenarten entdeckt.

Darunter waren - neben 88 Pflanzen - 11 Amphibien, 11 Reptilien, 2 Fische und drei Säugetiere, wie die Umweltorganisation WWF mitteilt. «Im Schnitt wurden am Mekong im letzten Jahr jede Woche zwei neue Arten entdeckt und rund 2500 in den letzten 20 Jahren», sagte Arnulf Köhncke, Artenschutzexperte beim WWF Deutschland. «Das lässt erahnen, mit was für einem unglaublichen Artenreichtum wir es in der Region zu tun haben.»

Der WWF stellte am Dienstag den Bericht «Stranger Species» (etwa: kuriose Arten) vor, in dem die Entdeckungen von hunderten Wissenschaftlern aus aller Welt versammelt sind. Zu den spektakulärsten Funden des Jahres 2016 gehören eine Krokodilschwanzechse (Shinisaurus crocodilus vietnamensis), eine skurril aussehende Hufeisennasen-Fledermaus (Rhinolophus monticolus), eine Schneckenfresser-Schildkröte (Malayemys isan) und zwei Maulwürfe (Euroscaptor orlovi und E. kuznetsovi).

Die Schildkröte entdeckte der Zoologe Montri Sumontha nicht in der Natur, sondern auf einem Markt in Udon Thaniim Norden von Thailand. Das Tier stammte aus einem benachbarten Kanal. «Ich verglich die Schildkröte mit einer eng verwandten Art, und viele Teile beider Schildkröten unterschieden sich, etwa Muster, Farbe und Form von Panzer, Kopf und Schuppen», erzählt Sumontha.

Viele der neuen Spezies seien schon bedroht, weitere Arten könnten noch vor ihrer Entdeckung aussterben, heißt es in dem Bericht. So lebt etwa die Fledermaus nur an wenigen Orten in Thailand und Laos. Vor allem die Abholzung der Wälder, der Bau von Straßen und Wasserkraftwerken sowie Wilderei zerstörten die Natur in Vietnam, Thailand, Kambodscha, Laos und Myanmar.

«Leider haben wir es am Mekong mit einem fürchterlichen Raubbau an der Natur zu tun», beklagt Köhncke. «Seit den 70er Jahren werden hier jährlich etwa 1,3 Millionen Hektar Wald durch illegalen Holzeinschlag zerstört. Gleichzeitig sind aktuell rund 150 Wasserkraftwerke geplant, die den Lebensraum zahlloser Wasserlebewesen zu zerstören oder zerschneiden drohen.»