Rasender Stillstand: Auf der Suche nach der Kindheit auf Berlins Volksfesten

Ekstase auf der Wasserrutsche

Hier oben, so nah unter dem knallblauen Himmel, denke ich, wirkt nicht nur alles unter mir unfassbar klein. Auch ich selbst fühle mich plötzlich ziemlich winzig so mitten in der Luft, meterhoch über dem Boden. Irgendwie befreit und gleichermaßen ausgeliefert. Vor allem dem Typen unten im Glashäuschen, der den Knopf vor wenigen Sekunden gedrückt hat und mich in diesem Wagen gerade nach oben fahren lässt. Ins Nirgendwo. Und gleich in drei, zwei, eins – oh mein Gott!

Ich kann nicht anders und schreie mir die Seele aus dem Leib. In meinem Gesicht muss sich irgendetwas zwischen Panik und totaler Freude breitmachen, während ich mit gefühlt 100 Stundenkilometern, nur mit einem Metallbügel um die Hüfte gesichert, fast senkrecht in die Tiefe rase. Ich stütze mich vorn ab, die Wucht der Schwerkraft ist kaum auszuhalten. Meine Finger krallen sich um die Halterung. Unten stehen Menschen, schauen mich an, lachen.

Bild Nr. 1:
Ganz oben auf der Achterbahn Reto Klar

Die Schienen der Achterbahn sind ohrenbetäubend laut, mein Gebrüll noch lauter. Es rattert, es knarrt, es ist windig. Mein Kopf, die Haare, Oberkörper – alles wirbelt völlig haltlos hin und her. Nie wieder, denke ich, um nur wenige Minuten später, wieder unten angelangt, etwas auszusprechen, was ich kurz zuvor noch für unmöglich gehalten hätte: Ich glaube, ich muss noch eine Runde drehen, sage ich, und bleibe einfach sitzen.

Ich bin auf dem Berliner Volksfestsommer am Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm, dem ehemaligen Deutsch-Französischen Volksfest. Zuletzt da gewesen bin ...

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