Die bittere Geschichte eines heimlichen BVB-Transfers

Martin Hoffmann
·Lesedauer: 3 Min.

Die Schlagzeilen, die ihn begleiteten, waren verheißungsvoll.

"Klammheimlich schnappt sich der BVB das nächste Talent", hieß es etwa in der Welt: "Der Mittelfeldspieler ist der nächste Hoffnungsträger, der Pep Guardiola verlässt."

Denzeil Boadu hieß der junge Mann, der im Sommer 2017 von Manchester City zu Borussia Dortmund wechselte, zusammen mit Jadon Sancho. 20 Jahre alt, ehemaliger Juniorennationalspieler, einst als offensives Top-Talent gefeiert.

Auf den ersten Blick verwunderte da, warum der BVB diesen Deal still einfädeln konnte und auch nach dem Vollzug kein Aufhebens darum machte.

Bei näherer Betrachtung aber hatten sie in Dortmund gute Gründe für ihre Zurückhaltung: Der vermeintliche Hoffnungsträger hatte bei seiner Ankunft die Last einer dramatischen Vorgeschichte im Gepäck. Eine Geschichte, die kein Happy End nehmen sollte.

Denzeil Boadu war Hoffnungsträger bei Manchester City

Der heute 23 Jahre alte Boadu - geboren am 20. Februar 1997 in London - schien einst auf gutem Weg, eine große Karriere hinzulegen: Er durchlief die Jugendteams von Tottenham Hotspur, dem FC Arsenal, ManCity, spielte in der englischen U16- und U17-Nationalelf, schoss für letztere vier Tore in vier Länderspielen.

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Dann jedoch erlebte der ghanaischstämmige Youngster auf schmerzhafte Weise, wie brüchig die Hoffnung auf eine erfolgreiche Sportlerlaufbahn sein kann.

Eine scheinbar harmlose Allerweltsverletzung am Mittelfuß, die er sich im Herbst 2014 bei einem U18-Spiel gegen die Bolton Wanderers zuzog, wurde für Boadu zu einem Martyrium.

20 Monate Pause nach OP-Komplikation

Boadu brach sich den fünften Mittelfußknochen und entschied sich zunächst gegen eine Operation, die konservative Behandlung schlug jedoch nicht an, eine OP wurde dennoch nötig - und machte alles noch schlimmer.

Die Schraube, mit der Boadus Fuß stabilisiert wurde, sorgte für eine langwierige Entzündung, die erst nach sieben Auswaschungen und monatelanger Antibiotika-Therapie behoben war. Boadu verlor letztendlich 20 Monate seines jungen Fußballerlebens. Nicht nur der körperliche Schaden war enorm, auch der seelische.

"Ich war am Boden", berichtete er später den Manchester Evening News: "Ich war an einem Punkt, an dem ich dachte, nie mehr Fußball spielen zu können. Und ich war auch an einem Punkt, an dem ich dachte, nie mehr laufen zu können. Ich hatte Angst, denn ich konnte acht Monate lang nicht laufen."

Im November 2016 kehrte Boadu auf den Platz zurück, der Wechsel nach Dortmund war ein Versuch, in neuer Umgebung aufzuholen, was die Verletzung ihn gekostet hatte.

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BVB wollte Boadu behutsam aufbauen

Der BVB schirmte Boadu nach seinem Wechsel vor der öffentlichen Aufmerksamkeit ab. Der Klub vermeldete den Transfer nicht einmal, Boadus Profil tauchte eines Tages schlicht kommentarlos auf der Homepage der 2. Mannschaft auf.

Mit einem behutsamen Aufbau in der Regionalliga West versuchte der BVB Boadu "wieder auf das Niveau zu bekommen, auf dem er schon einmal war", kommentierte Reserve-Teammanager Ingo Preuß damals, als der Wechsel publik wurde. Angeblich spielte bei dem Transfer aber auch Boadus Freundschaft zu Sancho eine Rolle.

Boadu bestritt letztlich 29 Spiele für den BVB II, schoss ein Tor. Für größere Aufgaben konnte er sich unter den Trainern Daniel Farke, Jan Siewert und Alen Terzic nicht empfehlen. Im Sommer 2019 verließ er den BVB wieder, ähnlich geräuschlos, wie er gekommen war.

Er ging zu Crawley Town, einem Londoner Vorortklub - in die vierte englische Liga.

Auch in Englands vierter Liga gescheitert

Boadu bestritt dort zwei Pokalspiele, in der Liga kam er nie zum Einsatz. Im Januar vergangenen Jahres verließ er auch diesen Klub unter leicht mysteriösen Umständen.

Erdem Konyar, Crawleys Technischer Direktor, erklärte in einem Statement, dass Boadu um seine Vertragsauflösung gebeten hätte. Der Klub hätte ihn eigentlich trotz allem halten wollen, "aber sein Wunsch, in einer ersten Mannschaft zu spielen, hat uns dazu bewogen, seiner Bitte zu entsprechen".

Boadu hat bis heute kein Team gefunden, das ihm seinen Wunsch erfüllt hat.