Warum sich die Bitcoin-Zukunft in Argentinien entscheiden könnte


Die Talfahrt des Bitcoins geht weiter. Die Cyper-Devise verbilligte sich am Freitag um rund 13 Prozent auf 8.513 Dollar. Damit summiert sich das Minus seit Wochenbeginn auf rund 25 Prozent. Auch andere Kryptowährungen gaben deutlich nach.

Laut Daten des Analysehauses Coinmarketcap, das die Kurse auf zahlreichen Börsen vergleicht, notierte die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum am Freitagmittag über 13 Prozent im Minus, für Ripple ging es über zwölf Prozent abwärts, für Bitcoin Cash knapp 14 Prozent und für Litecoin knapp zwölf Prozent. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Bitcoin-Kursverfalls brachen auch die Aktien der Bitcoin Group, des Betreibers der einzigen deutschen Bitcoin-Börse, zwischenzeitlich um gut zehn Prozent ein.

Für Krypto-Anleger kommt der Kursverfall auf breiter Front zur Unzeit: Gerade erst hatte sich der Bitcoin-Kurs bei 10.000 Dollar stabilisiert, nachdem er Anfang Februar auf seinen bisherigen Jahrestiefstwert von 6.227 Dollar gefallen war. Mitte Dezember hatte der Kurs das Rekordhoch von 20.000 Dollar erreicht, war dann aufgrund des Vorgehens der Aufseher in zahlreichen Ländern aber kontinuierlich gesunken.


Aktuell droht erneut eine konzertierte Aktion der Regulierer. Der wachsende Druck der Börsenaufsicht in Japan und den USA verunsichere Anleger, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. „Bislang ist nicht ersichtlich, inwieweit die Regulierungsbehörden durchgreifen und womöglich noch weitere ‚schwarze Schafe‘ aus dem Verkehr ziehen werden.“

Japanische Finanzaufseher wiesen am Donnerstag zwei Handelsplätze an, für einen Monat den Betrieb einzustellen. Weitere Börsen belegten sie mit Strafen. Bei fünf Börsen ordneten sie eine Aufrüstung der Computersysteme an, um Kunden besser zu schützen. Zudem forderten sie die große Kryptobörse Coincheck auf, ihr Vorgehen gegen Geldwäsche zu verschärfen.

Außerdem nimmt die US-Börsenaufsicht SEC Kryptobörsen an die kurze Leine. Diese „potenziell unrechtmäßigen“ Handelsplattformen suggerierten ihren Kunden ein falsches Gefühl der Sicherheit. Um Investoren zu schützen und Betrug sowie Manipulationen zu vermeiden, müssten Kryptobörsen künftig unter bestimmten Umständen eine Registrierung bei der SEC oder eine Ausnahmegenehmigung einholen, hieß es am Mittwoch. Vor allem „Initial Coin Offerings“ (ICOs) dürften darunter fallen. Bei diesen sogenannten digitalen Börsengängen sammeln Firmen Geld bei Investoren ein, die meist in Kryptowährungen zahlen.

Ferner musste die Hongkonger Handelsplattform Binance wegen eines Hackerangriffs zeitweise den Handel einstellen. Am Freitag warnte Chinas Notenbankchef Zhou Xiaochuan vor Gefahren durch Spekulationen mit Kryptowährungen. Man prüfe aber, inwieweit man selbst die dahinter stehende Technologie nutzen könne.



Sorgen bereitet Anlegern auch das in zehn Tagen stattfindende Treffen der G20-Finanzminister und -Notenbankgouverneure in Buenos Aires. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire und sein geschäftsführender deutscher Amtskollege Peter Altmaier (CDU) hatten sich bereits im Januar darauf verständigt, dort Regulierungsvorschläge unterbreiten zu wollen.

In einem gemeinsamen Schreiben an die argentinische G20-Präsidentschaft haben die beiden Minister vier zentrale Diskussionspunkte auf die Tagesordnung gesetzt: Demnach sollen die im Rahmen von ICOs ausgegeben Token definiert und die Folgen der virtuellen Börsengänge für die Finanzmarktstabilität untersucht werden. Außerdem sollen im G20-Rahmen ein besserer Schutz privater Investoren durchgesetzt und der Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung mittels virtueller Währungen verstärkt werden.

Je nachdem, wie die Diskussion konkret ausgeht, könnte sie die Kryptobranche empfindlich treffen, was einen weiteren Kursverfall zur Folge hätte. Im Rahmen der G20-Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer wäre erstmals ein global konzertiertes Vorgehen gegen die Eintrittspunkte des Krypto-Netzwerks – also die Börsen und Mining-Pools – möglich. Vertreten sind in Buenos Aires alle wichtigen Standorte der Branche: neben der Europäischen Union vor allem die USA, China, Japan, Südkorea, aber auch Russland, Kanada und andere Staaten.

Sollten sich die G20-Mitglieder am 19. und 20. März hingegen auf ein moderates Vorgehen einigen, könnten die Kurse auch wieder stark anziehen.

Mit Material von Reuters und dpa.