Die Bitcoin-Verfolger


Der nächste Meilenstein für den Bitcoin steht bevor. In der Nacht zum Montag startet die CME, die weltgrößte Börse für Terminkontrakte, mit dem Handel von Bitcoin-Futures. Ab Montag erlaubt der Online-Broker TD Ameritrade dann seinen Kunden den Handel mit diesen Produkten, wie das kanadische Unternehmen am Freitag ankündigte. Das ist ein großer Schritt, weil die Futures-Plattform von TD Ameritrade deutlich größer ist als die vieler anderer Online-Broker. Bereits seit einer Woche werden diese Derivate bereits an der kleineren Börse CBOE angeboten.

Doch während der Bitcoin Kurs auf die 20.000-Dollar-Marke nimmt, erleben kleinere Kryptowährungen gerade einen regelrechten Höhenflug. „Alt-Coins“ werden die digitalen Währungen genannt, die nach dem Bitcoin entstanden sind und auf ähnlichen Blockchain-Technologien basieren. Sie profitieren von dem allgemeinen Krypto-Boom, der immer mehr Investoren anlockt.



Diversifizierung sei an sich eine gute Strategie, sagt Ronnie Moas vom Analysehaus Standpoint Research. „Investoren sollten nicht ihr ganzes Geld in Bitcoin stecken. Es gibt keine Garantie, dass das in ein paar Jahren noch die dominierende Kryptowährung sein wird. Denken Sie nur daran, was Facebook mit Myspace und das iPhone mit dem Blackberry gemacht hat.“

Wer früh eingestiegen ist konnte zum Teil noch höhere Renditen erzielen als mit dem Bitcoin, der weltweit größten digitalen Währung, die in diesem Jahr um rund 1800 Prozent zugelegt hat.

Doch nicht alle Alt-Coins sind automatisch gute Investments. „Es gibt mittlerweile ein Dutzend Kryptowährungen, die einen Marktwert von mehr als vier Milliarden Dollar haben. Bei manchen sieht es sehr nach Blase aus“, warnt Moas.


Ether und Ripple


Hier ein Überblick über die wichtigsten digitalen Währungen abseits des Bitcoin:

Ether – die Währung für digitale Verträge

Ether ist die Kryptowährung der Ethereum-Blockchain. Sie wurde 2012 von dem damals 18-jährigen Programmierer Vitalik Buterin erfunden. Der Kanadier mit russischen Wurzeln wollte ein Netzwerk schaffen, das über den Nutzen von Bitcoin als Zahlungsmittel hinausgeht. Ethereum ermöglicht es, sogenannte Smart Contracts zu programmieren. Dort können Vertragsparteien Bedingungen festhalten, die bei Erfüllung automatisch ausgelöst werden. Zum Beispiel kann ein Händler automatisch eine Zahlung an seinen Lieferanten veranlassen, wenn die vereinbarte Ware fristgemäß geliefert wurde.
Um diese digitalen Verträge ausführen zu können, werden Transaktionsgebühren in Ether fällig.

Zu den Mitgründern von Ethereum gehört auch der kanadische Unternehmer Joseph Lubin, der mit einem Start-up Consensys Unternehmen berät und die Anwendungen für die Ethereum-Blockchain mit eigenen Programmierern maßgeblich vorantreibt. Beobachter gehen davon aus, dass diese Technologie viele verschiedene Branchen umkrempeln könnte – von der Logistik, über Finanzen, Immobilien bis hin zu Versicherungen.

Ein Ether kostet derzeit rund 700 Dollar und ist mit einem Marktwert von 68 Milliarden Dollar die zweitgrößte Kryptowährung hinter Bitcoin. Ether hat in diesem Jahr rund 8500 Prozent zugelegt.



Ripple – der Freund der Banken

Die Ripple-Party begann am Dienstag. Damals kostete eine digitale Münze noch 30 Cent. Seit dem hat sich der Preis für einen Ripple mehr als verdoppelt. Die Kryptowährung ist nun die viertgrößte mit einem Marktwert von knapp 30 Miliarden Dollar. Anfang der Woche lag sie noch auf Platz fünf.

Anders als Bitcoin ist Ripple eine Kryptowährung, die mit Banken überall auf der Welt zusammenarbeitet. Santander, Unicredit, UBS und die Frankfurter Reisebank gehörten zu den Partnern, insgesamt zählt Ripple über 100 Kunden aus der Finanzindustrie.

Die Ripple-Blockchain vereinfacht internationale Geld-Transfers. Das System ist schnell und stabil.1500 Transaktionen pro Sekunde kann Ripple verarbeiten. Zum Vergleich: Das Bitcoin-System schafft gerade einmal sieben. Beim Kreditkartenkonzern Visa sind es rund 3700 pro Sekunde. Zudem hat Ripple im Dezember wie angekündigt ein umfassendes technisches Update vollzogen, das die Verfügbarkeit der digitalen Währung sicherstellen soll.



In diesem Jahr hat Ripple satte 12.800 Prozent zugelegt. Grund für den rapiden Kursanstieg der vergangenen Tage sind Ankündigungen von Banken in Japan und Südkorea, Ripple bis Ende Januar zu testen. Danach wollen wie, wenn alles nach Plan läuft, die Technologie für Geldtransfers nutzen. Einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ zufolge rechnen die Finanzinstitute damit, ihre Kosten mit Ripple um bis zu 30 Prozent zu reduzieren.

„In einem Umfeld, in dem es viel Hype gibt, ist Rippe ein Akteur, der eine reale Fortschritte liefert“, sagte Ripple-Chef Brad Garlinghouse dem US-Börsensender CNBC. Das 2012 gegründete Start-up aus San Francisco zählt unter anderem die renommierten Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz und Google Ventures zu seinen Geldgebern. Der Börsenbetreiber CME Group sowie der Venture-Arm der spanischen Bank Santander gehören ebenfalls zu den Investoren.


Litecoin und IOTA

Litecoin – der kleine Bruder des Bitcoin

Die Kurssprünge der vergangenen Tage waren so rasant, dass Litecoin-Gründer Charlie Lee höchst persönlich Alarm schlug. „Tut mir leid, dass ich euch die Party vermiese, aber ich muss hier einschreiten. Litecoins zu kaufen ist extrem riskant. Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden Jahren einen Bärenmarkt haben werden“, schreibt er auf Twitter. Der Kurs der Kryptowährung könne schnell um 90 Prozent einbrechen. „Wer das nicht aushalten kann, sollte nicht kaufen.“

Vor einer Woche kostete ein Litecoin noch 137 Dollar, Samstagabend notierte der Kurs bei 302 Dollar. Seit Anfang des Jahres hat die Währung rund 6700 Prozent zugelegt.



Lee hat die digitale Währung im Jahr 2011 erschaffen, indem er den Computercode des Bitcoins als Basis nahm und diesen veränderte. „Die Idee war, dass der Litecoin eine Ergänzung zum Bitcoin werden soll“, erklärte er einmal auf einer Branchenkonferenz im März 2017. Litecoin ist damit so etwas wie der kleine Bruder des Bitcoins: Eine Transaktion abzuschließen geht schneller, verbraucht weniger Energie, und die Münzen kosten selbst nach dem deutlichen Anstieg immer noch weniger als ein Bitcoin. Auch wird es mehr Litecoins als Bitcoins geben.

Lee, ein früherer Google-Ingenieur, der 2013 zur Kryptobörse Coinbase wechselte, hat das System so programmiert, dass insgesamt 84 Millionen Litecoins geschürft werden können – viermal so viele, wie es Bitcoins geben wird. Lees Währung wird mittlerweile auch auf Coinbase, Amerikas größtem Handelsplatz für digitales Geld, gehandelt und ist nach Marktwert die viertgrößte Kryptowährung – hinter Bitcoin, Ether und der Bitcoin-Abspaltung Bitcoin-Cash.

Wenn Bitcoin das digitale Gold ist, soll Litecoin digitales Silber sein. „Bitcoins kann man nutzen, um Dollar in Millionenhöhe zu bewegen, Häuser und Autos zu kaufen“, sagt Lee. „Litecoin dagegen ist für alles, was billiger ist.“ Mit einer Marktkapitalisierung von 16 Milliarden Dollar ist Litecoin die fünftgrößte Kryptowährung.



IOTA – Innovation aus Berlin

IOTA ist ein Berliner Start-up, dessen System nicht auf einer Blockchain basiert, sondern auf einer verwandten Technologie, die schneller und effizienter sein soll und Transaktionen für das Internet der Dinge möglich macht - wenn also der Kühlschrank eigenständig einkaufen geht oder das selbstfahrende Auto mit der Maut-Station kommuniziert.

Der IOTA-Kurs ist in den vergangenen Wochen Achterbahn gefahren. Zunächst ging es steil nach oben, von 1,30 Dollar Anfang Dezember bis zu einem Allzeithoch von 5,36 Dollar. Am Samstag kostete ein IOTA 3,50 Dollar. Grund für den Einbruch war offenbar eine widersprüchliche Angabe über einen Kunden. IOTA hatte einen neuen Marktplatz für Daten angekündigt und Microsoft und Fujitsu als Partner dargestellt. Nun stellte sich jedoch heraus, dass Microsoft keine formelle Partnerschaft mit IOTA eingegangen ist. Immerhin: IOTA ist nun die sechstgrößte Kryptowährung mit einem Marktwert von knapp zehn Milliarden Dollar.

KONTEXT

Hackerangriffe auf Bitcoin & Co

Bereits knapp eine Million Bitcoin gestohlen

Börsen, an denen Bitcoin & Co. gehandelt werden, sind ein beliebtes Ziel von Hackern. Bei ihren Überfällen erbeuten sie manchmal Millionen und stürzen die Betreiber der Handelsplattformen oft in die Insolvenz. Bislang wurden insgesamt knapp eine Million Bitcoin gestohlen - zum aktuellen Kurs ist das eine Beute von 8,2 Milliarden Dollar.

Einer Studie von Tyler Moore zufolge, einem Professor für Cyber-Sicherheit an der Universität von Tulsa, wurden seit der Erfindung von Bitcoin 2009 ein Drittel aller Handelsplattformen für Krypto-Währungen gehackt. Nach Angaben der Datenschutz-Organisation Privacy Rights Clearinghouse lag die Quote bei US-Banken im gleichen Zeitraum bei einem Prozent.

Mt.Gox

Am bekanntesten ist die Attacke auf die damals weltgrößte Bitcoin-Börse Mt.Gox aus Japan. Etwa 25.000 Kunden verloren rund 650.000 Bitcoin - aktueller Wert: 5,3 Milliarden Dollar. Die Bitcoin-Börse über die seinerzeit 90 Prozent des weltweiten Handels abgewickelt wurde, schlitterte daraufhin Anfang 2014 in die Pleite. Der Insolvenz-Verwalter der Börse hat Ansprüche von Geschädigten im Volumen von 400 Millionen Dollar anerkannt.

Tether

Das jüngste Hacking-Opfer ist Tether. Das Startup teilte am 21. November 2017 mit, "externe Angreifer" hätten die gleichnamige Kryptowährung im Volumen von 31 Millionen Dollar gestohlen. Dem Branchendienst CoinMarketCap.com zufolge ist Tether mit einem Börsenwert von insgesamt 674 Millionen Dollar die Nummer 19 der insgesamt etwa 1300 Internet-Währungen.

Bitfinex

Im August 2016 erbeuteten Hacker bei einem Angriff auf die Hongkonger Handelsplattform Bitfinex 120.000 Bitcoins im damaligen Wert von etwa 70 Millionen Dollar. Gemessen am aktuellen Kurs beläuft sich der Schaden auf 982 Millionen Dollar.

Cryptsy

Im Juli 2017 wurde der Betreiber der kollabierten Börse Cryptsy dazu verurteilt, 8,2 Millionen Dollar an seine Kunden zu zahlen. Der Richter sah es als erwiesen an, dass 11.325 Bitcoin (heutiger Wert: rund 92 Millionen Dollar) gestohlen wurden. Allerdings blieb unklar, von wem.

Kraken

Am 7. Mai 2017 verloren Kunden der Handelsplattform Kraken einer Klageschrift zufolge fünf Millionen Dollar, weil sie während eines Hacker-Angriffs nicht auf ihre Konten zugreifen konnten. In dieser Zeit stürzte der Kurs der Internet-Währung Ether auf der Handelsplattform um 70 Prozent ab. Die Ether-Bestände derjenigen Anleger, die auf Pump spekuliert hatten, wurden daher zwangsverkauft.

Quelle: Reuters

KONTEXT

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat - vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum - der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen - allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins "schürfen". Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird es, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird. Handelsplattformen beziffern die aktuelle Zahl an Bitcoins Mitte November 2017 bei 16,7 Millionen Münzen.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox rutschte der Kurs Anfang 2014 in die Hunderter, es wurde still um die Kryptowährung. Doch 2017 explodierte der Kurs: Von 1000 Dollar im Januar ging es bis Mitte November rauf auf mehr als 8000 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte "Mining" - die Schöpfung von Bitcoins - ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder