Bitcoin-Milliardär Michael Novogratz erklärt, warum es für Kleinanleger schwer ist, mit Bitcoins reich zu werden

·Lesedauer: 4 Min.
Mike Novogratz
Mike Novogratz

In einem Interview mit dem "Manager Magazin" teilte Bitcoin-Milliardär Mike Novogratz einige Weisheiten über den Krypto-Markt, die er als einer der erfolgreichsten Wertpapierhändler bisher gelernt hat.

Novogratz arbeitete als Wertpapierhändler bei der Investment-Bank Goldman Sachs, und leitete die Makro-Hedgefonds des Investmenthauses Fortress. Seit 2015 baut der 56-Jährige ein Finanzunternehmen für Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether auf. Sein Konzern Galaxy Digital gehört zu den größten Akteuren am Kryptomarkt.

Im Gespräch mit dem Manager Magazin, sagte Novogratz, dass die Digitalwährung Bitcoin ihn wieder zum Milliardär gemacht habe, nachdem er aufgrund einer Fehlinvestition im Jahr 2015 mehrere hundert Millionen US-Dollar verloren hatte und anschließend von der Finanzkrise getroffen wurde.

Berlin sei als Knotenpunkt Europas ein wichtiger Absatz des Krypto-Markts

Der Großteil seines Vermögens stecke in seinem Unternehmen und sei in Kryptowährungen angelegt. Besonders die Corona-Krise habe laut Novogratz vieles für Bitcoin und Co. verändert. Derzeit dominiere die Denkweise, dass Banken noch sehr lange unbegrenzt Geld drucken werden. Besonders bereits wohlhabende Menschen würden dadurch momentan einfach und schnell Geld verdienen und auch die Preise der meisten Investments steigen, so Novogratz.

Vor allem in Berlin sieht Novogratz für die Kryptowelt großes Potenzial. Denn die Stadt sei ein Knotenpunkt für Europa und Europa sei derzeit auf dem Vormarsch. Laut des Milliardärs ist es aber wichtig, dass es in Berlin bereits jetzt eine Kerngruppe von Entwicklern und Unternehmen gibt, die an einer sicheren Blockchain arbeiten.

Auch wenn die USA im Bitcoin-Markt nach wie vor dominiere und als Basis gelte, würden Länder wie Deutschland, Israel, Korea und China zunehmend wichtiger.

Mit Bitcoins reich zu werden ist laut Novogratz schwierig

Die Möglichkeit durch Bitcoins reich zu werden, betrachtet Novogratz kritisch. Auch wenn es Einzelpersonen gibt, die durch Bitcoins tatsächlich vermögend geworden sind, sind viele der Bitcoin-Milliardäre schon vorher wohlhabend gewesen. Bitcoins helfen laut Novogratz nicht soziale Ungleichheiten zu reduzieren: sie würden als neue Währung keine Gleichheit schaffende oder soziale Revolution herbeiführen, sondern lediglich Vermögen umverteilen.

Trotzdem gelten Bitcoins laut Novogratz nun als dauerhafte Wertanlage, die nicht einfach wieder verschwinden werde. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die größten Finanzinstitutionen Teil der Kryptowelt werden. Denn Institutionen und Unternehmen, die nicht mitmachen könnten laut Novogratz in Zukunft einen Nachteil erfahren. Große Techkonzerne oder Investmentunternehmen wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder die Deutsche Bank werden laut Novogratz deshalb bald in den Kryptomarkt einsteigen.

Novogratz sagte im Gespräch mit dem "Manager Magazin", dass Bitcoins als neue Währung theoretisch die Macht besitzen, die soziale Ordnung neu zu justieren. Personen, die beispielsweise gerade 30.000 Bitcoin besitzen, hätten umgerechnet 1,5 Milliarden US-Dollar. Falls sich ihr Bitcoin-Guthaben in Zukunft verzehnfacht, dann hätten die besagten Personen 15 Milliarden US-Dollar und würden plötzlich zu den reichsten Menschen der Welt gehören.

Der größte Schwachpunkt des Bitcoin-Markts sind Kryptobörsen

Deshalb wird es laut Novogratz in absehbarer Zeit komplizierte, technische Transitionen von klassischen Kontosystemen der Banken zu sogenannten "Wallet"-Systemen geben. "Wallets" sind Adressen mit Kryptopasswörtern.

Dazu müssen zunächst dezentrale Finanzdienstleister geschaffen werden, um schneller autonome Banken und autonome Versicherer sowie autonome Broker zu etablieren. So würden Unternehmen ohne Angestellte entstehen und der Bitcoin-Handel könnte komplett anonym bleiben. Allerdings müsse es dazu auch eine Kontrollinstanz geben, die sicherstellt, dass sich an beiden Enden des Geschäfts tatsächlich existierende Personen befinden.

Denn der größte Schwachpunkt des Bitcoin-Handels seien momentan Krypto-Börsen. Ein Großteil des Handels läuft über diese Börsen, allerdings weiß niemand, wer sie beaufsichtigt. Deshalb wurden bereits viele Menschen zu Opfern von Hackern oder Betrügern. Novogratz sieht die Lösung dieses Problems in vernünftig regulierten und institutionalisierten Krypto-Börsen, die es innerhalb der kommenden Jahre geben werde.

Der Bitcoin-Markt ist nach wie vor von großer Unsicherheit geprägt

Ein weiterer Nachteil des Bitcoin-Markts ist, dass das Bitcoin-Netz aufgrund seines aufwendigen Sicherheitssystems und seinem weltweiten Wertspeicher enorm viel Energie verbraucht. Laut Novogratz liegt das daran, dass das Netzwerk umso sicherer ist, desto mehr Energie es verbraucht. Allerdings entspräche der Energieverbrauch der Stromproduktion des Drei-Schluchten-Staudamms in China. Doch Novogratz ist zuversichtlich, dass sich künftig derzeitige Bitcoin-Mining-Projekte mit 100 Prozent erneuerbarer Energie durchsetzen werden.

Ein weiteres großes Problem des Bitcoin-Markts sieht Nobokov, in dem Verlust großer Geldmengen von Bitcoin-Anlegern. Denn es wird nach wie vor größten Teils mit geliehenem Geld gehandelt. Novogratz sagte im Interview mit dem "Manager Magazin", dass die US-amerikanische Finanzaufsicht dies nicht hätte zulassen sollen. Darüber hinaus würden ebenfalls viele Bitcoin-Anleger Geld verlieren, wenn die derzeitigen Ermittlungen der US-Behörden gegen den Betreiber der Kryptowährung Tether, ergeben, dass der Betreiber nicht wie behauptet 28 Milliarden US-Dollar auf seinen Bankkonten hat.

Im Gespräch mit dem "Manager Magazin" erklärt Novogratz auch, dass der Handel mit Bitcoin vor allem aufgrund des sogenannten "Black Pools" funktioniere. Dieser besteht aus 26 Börsen, die Liquidität erzeugen, indem sie vor allem stark an den US-Dollar gebundene Kryptowährungen nutzen. Falls die US-Behörden bei Tether also tatsächlich einen Betrug aufdecken, könnte Tether laut Novogratz schnell durch andere ebenfalls an den US-Dollar gebundene "Stablecoins" ersetzt werden.

Dieser Artikel erschien bei Business Insider bereits im März 2021. Er wurde nun erneut geprüft und aktualisiert.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.