Dieser Bitcoin-Meilenstein führt auf die falsche Fährte

Motley Fool Investmentanalyst

Der Kryptowährungsmarkt stand 2017 wirklich im Mittelpunkt. Zu Beginn des Jahres betrug die gesamte Marktkapitalisierung 17,7 Milliarden Dollar, dann stieg der Gesamtwert aller virtuellen Währungen im Laufe des Jahres um fast 600 Milliarden Dollar, was zu einer Wertsteigerung von mehr als 3.300 Prozent führte. Wahrscheinlich wurde noch nie in so kurzer Zeit ein solcher Wertzuwachs verzeichnet.

Obwohl Bitcoin, die größte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung, im vergangenen Jahr nicht prozentual der beste Performer war – man gewann „nur“ knapp über 1.360 % hinzu -, war sie seit dem Debüt als handelbare virtuelle Währung im Jahr 2010 mit Abstand der beständigste Performer. Zwischen März 2010 und seinem Höhepunkt im Dezember 2017 stieg Bitcoin von 0,003 Dollar pro Einheit auf 20.000 Dollar. Eine Investition von lediglich 1.000 Dollar im März 2010 wäre im Dezember 2017 Milliarden wert sein.

Natürlich sind der Preis von Bitcoin und die Marktkapitalisierung von über 300 Milliarden Dollar nicht die einzigen Meilensteine, die 2017 gesetzt wurden. Bitcoin wurde nämlich in Japan zu einem offiziellen Zahlungsmittel und wurde offiziell auf den Futures-Handelsplattformen der CME Group und CBOE Global Markets gelistet, was institutionellen Investoren erstmals die Möglichkeit eröffnete, ihre Wetten auf Krypto zu platzieren.

Bitcoin setzt einen weiteren Meilenstein

Letzte Woche wurde ein weiterer Meilenstein – wenn auch nur ein psychologischer – erreicht. Wie von CoinTelegraph berichtet, erreichte die Zahl der abgebauten („mined“) Bitcoins am Donnerstag, den 26. April, 17 Millionen. Das bedeutet, dass nur noch 4 Millionen Bitcoins abgebaut werden können, bevor die protokollbasierte virtuelle Obergrenze von 21 Millionen erreicht wird.

Also: Bitcoins Blockchain funktioniert über das Proof-of-Work (PoW)-Modell. Mit PoW konkurrieren Krypto-Miner, um Transaktionen vor Hackern zu schützen. Diese Miner sind nichts anderes  als Menschen mit leistungsstarken Computern und Servern, um komplexe mathematische Gleichungen zu lösen, die Teil des Verschlüsselungsprozesses sind. Diese Gleichungslösung ist es, die letztlich die Bitcoin-Transaktionen validiert und sicherstellt, dass die gleiche Münze nicht zweimal ausgegeben wird.

Als Gegenleistung dafür, dass sie die ersten sind, die Gleichungen für eine Gruppe von Transaktionen (bekannt als „Block“) lösen und diesen Block in die Kette der zuvor gelösten Gleichungen einfügen (und so die „Blockchain“ bilden), erhalten Krypto-Miner eine so genannte „Block-Belohnung“. Für Bitcoin entspricht diese Belohnung derzeit 12,5 Bitcoin-Token pro Block, wobei etwa alle 10 Minuten ein neuer Block generiert wird. Bei einem Bitcoin-Wert von etwa 9.000 Dollar pro Token bedeutet eine Block-Prämie derzeit rund 112.500 Dollar. Klar, dass man bei diesem Wert die Mühe in Kauf nimmt.

Interessanterweise verlangsamt sich jedoch die Produktionsgeschwindigkeit der Münzen im Laufe der Zeit. Nach allen 210.000 Blöcken halbiert das Netzwerk die Block-Prämie. Bei einer durchschnittlichen Block-Validierungszeit von 10 Minuten wird die letzte Bitcoin voraussichtlich erst in 122 Jahren abgebaut.

Dieser Meilenstein gibt einen falschen Eindruck

Das Token-Limit von Bitcoin hat eine große Rolle dabei gespielt, den Preis der weltweit beliebtesten Krypto-Währung in die Höhe zu treiben. Tatsächlich hat es einige Investoren veranlasst, Bitcoin als die nächste Generation von Gold zu erachten.

Physisches Gold ist seit langem eine gute Investition in Zeiten erhöhter Volatilität, Unsicherheit und Angst. Es gibt zwar einige praktische Anwendungen, wie z.B. in der Elektronik und Zahnmedizin, wird aber vor allem wegen seiner Knappheit geschätzt. Das einzige Gold, das wir je haben werden, ist das, was noch in der Erde vergraben ist oder bereits abgebaut wurde. Nicht mehr und nicht weniger. Diese physische Versorgungsgrenze macht Gold knapp und ist ein wichtiger Grund, warum derzeit ein Preis pro Unze von 1.300 Dollar veranschlagt wird.

Einige nehmen Bitcoin ähnlich wahr. Mit einem Limit von 21 Millionen Token wird auch Bitcoin als knapp und interessant empfunden.

Aber es gibt ein Problem mit dieser Annahme. Die stimmt nämlich nicht. Auch wenn Bitcoin kürzlich einen weiteren Meilenstein in der „Knappheit“ erreicht hat, ist diese Kappe eigentlich nur eine künstliche.

Nur bestimmte Protokolle halten Bitcoin davon ab, die 21-Millionen-Coin-Marke zu überschreiten – und diese Protokolle können neu geschrieben werden. Da es sich hier um virtuelle Token handelt und nicht um ein physisches Produkt wie Gold, genügt ein neuer Computercode, um die Obergrenze von Bitcoin zu ändern. Auch wenn die Idee, das Angebot von Bitcoin zu erhöhen, in der Vergangenheit wenig Anklang gefunden hat, ist so ein Vorschlag nie ganz aus der Welt.

Das andere Problem ist, dass Bitcoin eine Reihe von „hard forks“, also Gabelungen, durchlaufen hat, die zur Gründung von Bitcoin Cash, Bitcoin Gold und Bitcoin Private geführt haben. Eine „hard fork“ ist bloß ein Euphemismus dafür, dass sich die Community nicht auf den zukünftigen wirtschaftlichen und/oder entwicklungspolitischen Pfad des Blockchain-Netzwerks einigen konnte, wodurch sich Bitcoin in zwei getrennte Krypto-Währungen aufspaltete. In diesem Fall wurde eine Handvoll neuer virtueller Währungen geschaffen. Diese neuen Krypto-Währungen zeigen, wie wenig Knappheit es bei Bitcoin tatsächlich gibt.

In Wirklichkeit ist das Argument der Knappheit wenig stichhaltig, und das sollten potenzielle Investoren im Hinterkopf behalten.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von CME Group und besitzt keine der erwähnten Kryptos.

Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 30.4.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2018