„Der Bitcoin könnte schnell verschwinden“

Bitcoin gehört nicht ins Portfolio, Robo-Advising ist ungenügend, Multi-Asset eine Teamaufgabe und Emerging Markets zu risikobehaftet - FundResearch sprach mit Nick Edwardson, Produktspezialist bei Kames Capital.

Nic (NasdaqGS: EGOV - Nachrichten) k Edwardson ist Produktspezialist im Multi-Asset-Team (Frankfurt: 865796 - Nachrichten) von Kames Capital. Bevor er 2016 zu Kames Capital kam, war er Geschäftsführer eines erfolgreichen Kleinunternehmens aerhalb des Finanzdienstleistungssektors. Zuvor verantwortete er bei Matrix Group im Pan-Euro Equity Sales Team den Vertrieb, Marketing und das Account Management für schottische institutionelle Kunden.

FundResearch: Ein deutscher Fondsmanager, Hendrik Leber, hat vor kurzem bekannt gegeben, 20 % Bitcoin im Portfolio seines Fonds zu halten. Wird Kames Capital sich am Bitcoin Run beteiligen?

Edwardson: Ich denke, die kurze Antwort darauf ist: Nein. Und die lange Antwort darauf ist: ebenfalls Nein (lacht). Wir verfolgen bei Kames zwei Strategien. Zuerst die Income Strategie. Nicht jedes Asset darin muss zwingend die Zielvorgabe von mindestens 5 % Rendite erfüllen. Aber wir halten im Portfolio keine Assets, die gar kein Einkommen erwirtschaften. Wir halten daher weder Gold noch Bitcoin. Wir haben für die Multi-Asset eine sehr große Auswahl an Investmentvehikeln.

Auch wenn Bitcoin derzeit ein heißes Thema ist, sind wir nicht darauf angewiesen.

FR: Bitcoin ist seinem Ruf als hoch volatiles Spekulationsobjekt zuletzt gerecht geworden. Der Kurs brach gegen Jahresende um rund 30 % ein. Was meinen Sie, wo wird die Währung Ende 2018 dotieren?

E: Das (Shenzhen: 002421.SZ - Nachrichten) lässt sich nicht voraussagen. Ich selbst habe nicht in Bitcoin investiert, weil mir die Anlage zu risikoreich ist. Ein Freund von mir ist purer Bitcoin Evangelist, der sagt, Bitcoin gehöre die Zukunft und wäre ein Must-have für das Portfolio. Aber der macht viele Dinge, die ich nicht mache.

FR: Der Theorie des Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff zufolge werden die Zentralbanken früher oder später die Blockchain-Technologie adaptieren und alle anderen Krypto-Währungen verdrängen. Was meinen Sie dazu?

E: Wenn sich die Krypto-Währungen weiter durchsetzen, sie der breitere Markt akzeptiert und annimmt, werden sich die Zentralbanken und die Regierungen dem Thema widmen. Das könnte zu einer Form von Krypto-Euro oder Krypto-Dollar führen. Aber wann das passieren könnte und ob es überhaupt jemals passiert, darüber lässt sich nur sehr schwer spekulieren.

Vielleicht wird der Bitcoin auch genauso schnell verschwinden, wie er aufgekommen ist. In der Vergangenheit wurden viele Technologien als zukunftsweisend gepusht – und sind dann blitzschnell wieder in der Versenkung verschwunden, weil eine noch bessere Innovation sie verdrängt hat.

FR: Stichwort neue Technologien. Was halten Sie von Robo-Advising?

E: Wir sind aktive Investoren. In unseren Multi-Assets-Teams in den Niederlanden und in Großbritannien arbeiten 17 Fondsmanager. Zudem können wir auf die Unterstützung eines, was weitere Assetklassen angeht, noch breiteren Teams innerhalb von Kames Capital und Aegon Asset Management NL zählen. Robo-Advising spielt in unserem Auswahlprozess keine Rolle. Wie bei allen Dingen hat es einen Platz für diejenigen, die einen solchen Weg (Sao Paolo: R2:WEGE3S.SA - Nachrichten) gehen wollen. Allerdings nicht bei uns als aktive Fondsmanager.

FR: Einige Mitbewerber setzen Robo-Advisor ein, um einen Teil der Kundenadministration zu vereinfachen, bspw. die Risikoevaluierung…

E: Risikomanagement ist bei uns stark in den Investmentprozess eingebettet, insbesondere in den Asset-Allokationsprozess, der bei uns der Hauptantreiber der Ertragsgewinnung ist. Wir berücksichtigen es ebenfalls sehr stark bei der Aktien-Selektion. Wir sind uns sehr bewusst, dass ein Multi-Asset-Portfolio ein besonderes Maß an Risikomanagement verlangt. Es ist eine der beiden Zielvorstellungen der Income-Strategie, und eine von zwei Zielvorgaben der Growth-Strategie. Wir fokussieren das sehr stark. Wir verwenden alle Methoden, die uns dabei helfen können, dieses Ziel zu erreichen.

Teil II des Interviews veröffentlichen wir am Nachmittag.