Bitcoin-Hype verpasst? Diese zwei Zahlen zeigen, was noch möglich ist

Stefan Naerger, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Gefühlte Ewigkeiten ist sie her, die Bitcoin-Rallye des Jahres 2017. Zwischen Mitte November und Mitte Dezember 2017 explodierte der Wert der Kryptowährung um über 267 %. Danach folgte die langsame, von vielen Seiten nicht ganz unerwartete Abkühlung. Beinahe 70 % an Wert wurden seit dem Allzeithoch wieder abgebaut (Stand: 10.07.2018).

Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich seinerzeit mit Bitcoin experimentieren wollte. Da war ein Coin noch kaum 100 US-Dollar wert. Für meinen Geschmack war das schon verdächtig teuer, auch wenn ich den Wert noch nicht genau greifen konnte. Da waren die Zeiten längst vorbei, wo sich Bitcoin-Enthusiasten der frühen Stunde eine Pizza samt Getränk für insgesamt drei Bitcoin hatten liefern lassen.

Seit dem eklatanten Preisverfall scheint sich eine Art bipolare Stimmung in der Kryptoszene zu etablieren. Manch einer zieht sich enttäuscht aus dem Markt zurück. Viele andere wiederum prognostizieren weiterhin Preise zwischen 50.000 US-Dollar und unendlich.

Welche Seite recht behalten wird, ist schwer zu sagen. Allerdings gibt es zwei wichtige Zahlen, die meiner Ansicht nach jeder potenzielle Bitcoin-Käufer kennen sollte.

Zwei Traumziele für den nächsten Hype

Wer Bitcoin als die Währung der Zukunft betrachtet, denkt definitiv nicht zu klein. Denn die weltweite Geldmenge in Form von Münzen und Banknoten summiert sich insgesamt auf einen Wert von etwa 31 Billionen US-Dollar. Bisher wurden etwa 17 Millionen Bitcoins geschürft (Stand: Juni 2018). Würde nun der Bitcoin alle aktuellen Währungen ersetzen wollen, dann müsste ein Bitcoin 1.823.529 US-Dollar wert sein. Eine stolze Zahl, die noch einige Lichtjahre vom aktuellen Preis entfernt ist (Stand: 10.07.2018).

Gerne wird der Bitcoin auch mit Gold verglichen. Kein Wunder, schließlich ist der Goldvorrat auf der Erde ebenso festen Grenzen unterworfen wie die maximal mögliche Anzahl Bitcoins. Nach Schätzungen der Industriehandelsgruppe The World Gold Council wurden bisher etwa 190.000 Tonnen Gold abgebaut. Bei einem Preis von 40.324,75 US-Dollar pro Kilogramm Gold ergibt sich eine Goldmarktkapitalisierung von etwa 7,7 Billionen US-Dollar. Hätte die Kryptowährung das Potenzial zum Goldersatz, so müsste ein Bitcoin für 452.941 US-Dollar über den digitalen Tisch gehen.

Der wahre Kern des Geschäfts

Ja, genau. Du hast richtig gelesen. Den beiden einfachen Berechnungen nach zu urteilen, könnte der Bitcoin demnächst ein Vielfaches des aktuellen Preises wert sein. Warum ich trotzdem nicht empfehle, jetzt sofort Bitcoin zu kaufen?

Ganz einfach: Die haarsträubenden Zahlen haben eine Gemeinsamkeit – in beiden Fällen wird eine totale Disruption vorausgesetzt. Käufer, die Preissteigerungen in den genannten Größenordnungen im Sinn haben, spekulieren also darauf, dass der Bitcoin bestimmte Werteklassen in Zukunft vollständig ersetzen wird.

Eine heiße Wette, bei der heute niemand wissen kann, ob es tatsächlich so weit kommen wird. Gold mag unhandlich und teuer zu lagern sein. Dafür wird es schon seit Tausenden von Jahren gehandelt. Wie sehr die Menschen an Währungen hängen, kann ich seit der Einführung des Euro beobachten. Seit etwa 16 Jahren ist dieser nun in Form von Bargeld im Einsatz. Trotzdem höre ich mindestens einmal die Woche jemanden in D-Mark rechnen. Ich schätze, beim Bitcoin wird es letztendlich nicht viel anders sein als bei anderen Wertanlagen auch – wahrscheinlich braucht es Zeit, viel Zeit. Ob genug Bitcoin-Fans die notwendige Geduld haben werden, ist schwer zu prognostizieren.

Du musst dich entscheiden

Es ist egal, ob du glaubst, dass der Bitcoin demnächst über eine Million US-Dollar wert sein wird, oder ob du glaubst, dass der Bitcoin wieder nur auf den Wert einer Pizza samt Getränk zurückfallen wird – entscheide zuerst, ob du spekulieren oder investieren möchtest.

Meine Entscheidung steht fest: Ich bin lieber Investor. Meine hellseherischen Fähigkeiten sind einfach nicht sonderlich gut ausgeprägt. Daher kaufe ich lieber etablierte Unternehmen zu fairen oder außergewöhnlich günstigen Preisen. Am liebsten solche Unternehmen, deren Management so einzigartig ist wie deren Produkte.

Andererseits kann auch ich nicht leugnen, dass mit der Spekulation enorme Chancen verbunden sind. Wenn Studenten aus ihrem WG-Zimmer direkt in eine geräumige Villa umziehen, hatte das meiner Beobachtung nach nicht selten etwas mit dem Verkauf einiger Bitcoin zu tun. Ohne Neid muss ich eingestehen, dass ich eine solche Wertsteigerungsrate bei meinen Aktien sicher nicht so schnell sehen werde.

Auch wenn ich mich nicht im Bitcoin-Markt engagieren mag, bin ich trotzdem ziemlich zufrieden mit der Tatsache, dass ein paar „Verrückte“ für ihre Experimentierfreudigkeit belohnt wurden. Ob ein Bitcoin-Kauf heute ebenso verrückt ist wie zur Gründerzeit, wird die Zukunft zeigen.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Kryptowährungen. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Kryptowährungen.

Motley Fool Deutschland 2018