„Bei einem Bitcoin-Crash verlieren die privaten Anleger – nicht die Banken“: Das sagen Experten zum Krypto-Kauf

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Der Bitcoin-Kurs ist in den vergangenen drei Monaten um mehr als 40 Prozent gefallen
Der Bitcoin-Kurs ist in den vergangenen drei Monaten um mehr als 40 Prozent gefallen

Soll ich Bitcoins im meinem Portfolio haben oder nicht? Diese Frage stellen sich vermutlich alle, die sich überlegen, wie sie ihr Geld anlegen sollen. Ein Problem der Kryptowährung: Ihr Kurs schwankt wie ein Betrunkener nach zehn Flaschen Bier. Das seht ihr, wenn ihr euch allein den Kursverlauf der vergangenen Woche anschaut. Am Mittwoch war ein Bitcoin rund 30.000 Euro wert, am Donnerstag dann 29.000, am Freitag knapp unter 28.000, am Sonntag wieder 29.000, am Montag 30.000 und am Dienstag 28.500. Zwischenzeitlich hatte der Bitcoin im April auch schonmal die 50.000-Euro-Marke geknackt. Ihr merkt: Auf vieles könnt ihr euch verlassen, auf den Bitcoin-Kurs aber nicht.

„Der Kurs ist hochvolatil und hochspekulativ, weil der Markt so unreguliert ist“, sagt auch Martin Braml, Forscher am renommierten Ifo-Institut (Leibniz-Insitut für Wirtschaftsforschung an der Universität München) im Gespräch mit Business Insider: „Man weiß nicht genau, wer da gerade im großen Maße kauft, um die Kurse zu treiben.“ Dabei gebe es auch Formen der Marktmanipulation, als Beispiel nennt Braml ganz klar den Tesla-Chef: „Elon Musk hat mit seinen Tweets den Bitcoin-Markt manipuliert.“ Musks Handeln hätte die Bitcoin-Community „sehr verärgert“.

Denn es genügt nur ein Tweet von Elon Musk und der Bitcoin-Kurs erleidet einen Schock. Als der Tesla-Chef Mitte Juni ankündigte, dass sein Autokonzern bald wieder Zahlungen mit Kryptowährungen erlauben wird, stieg der Kurs um fast zehn Prozent auf rund 33.000 Euro. Zuvor hatte Musk Mitte Mai Bitcoin als Zahlungsmittel für einen Tesla-Kauf entzogen – der Kurs ist eingebrochen.

„Bitcoins werden unser Geld nicht ersetzen“

Ein Problem beim Bitcoin sei, dass die Kryptowährung sich jeglicher Regulierung entzieht und verweigert, so Braml: „Deswegen kann auch keine Börsenaufsicht einschreiten, wenn Leute versuchen, diesen Kurs zu manipulieren.“ Um sich von solchen „manipulativen Attacken“ zu verteidigen, empfiehlt der Ökonom, dass sich die Kryptowährung einer Börsenaufsicht unterwerfen solle. Solch eine Entwicklung hält Braml für nicht ausgeschlossen.

Was er aber für nahezu ausgeschlossen hält, ist, dass Bitcoin sich als Geldmittel durchsetzen wird. Braml sagt ganz klar: „Bitcoins werden unser Geld nicht ersetzen.“ Denn eine Währung hat an sich drei Eigenschaften, so der Experte: Es ist erstens ein anerkanntes Transaktionsmedium, welches von vielen Leuten für Zahlungen akzeptiert wird. Da sei der Bitcoin aktuell „noch weit" davon entfernt. Zweitens: Eine Währung muss als Recheneinheit fungieren. Das heißt, dass man bestimmen kann, wie viel Bitcoin eine Ware wert ist. „Das macht aber noch kein Mensch, weil der Wert einfach nicht stabil genug ist“, sagt Braml.

Drittens muss eine Währung ein Wertaufbewahrungsmedium sein. Das sehe der Top-Ökonom auch nicht, weil die Wertstabilität nicht gegeben ist: „Der Bitcoin ist meiner Meinung nach ein spekulatives Asset. Man glaubt eben, dass andere Leute es für werthaltig erachten und deswegen parkt man hier sein Geld.“ Braml vergleicht den Bitcoin mit alten Weinen, Sneakern oder Oldtimern – Dinge, für die manche Menschen enorme Summen ausgeben, da dies in deren Augen sehr wertvoll ist.

Zudem wäre der alttägliche Gebrauch für viele Transaktion „zu teuer und zu langwierig.“ Braml kritisiert die durchschnittliche Bestätigungsdauer für eine Bitcoin-Transaktion, die zehn Stunden dauert: „Ich kann doch nicht in einen Laden gehen, mir was kaufen, eine Bitcoin-Transaktion starten, um in zehn Stunden wiederzukommen, um es mir dann zu kaufen.“ Darüber hinaus sei der Preis von sieben Dollar pro Transaktion „zu teuer“. Das mache den Bitcoin „uninteressant“ als Währung, aber besser als gängige Anlageklasse, also ein Asset. Denn Braml ist sich sicher, dass Bitcoin die Position vom „digitalen Gold“ annehmen wird.

„Ein Bitcoin ist nicht für jeden etwas“

Ein wenig anders sieht es Finanz-Experte und Bestseller-Autor Marc Friedrich. Für ihn sei ein Bitcoin beides: Eine Anlage und auch eine Währung: „Ab dem 7. September ist Bitcoin offizielles Zahlungsmittel in El Salvador und damit ist Bitcoin eine Währung“, sagt Friedrich zu Business Insider. Er ist sich sicher: „Andere Länder werden folgen. Dann wird der Markt entscheiden.“

Zudem nehmen sich immer mehr Anleger Bitcoin als Investment ins Portfolio mit auf, so der Geld-Profi – „zum Inflationsschutz und als dezentrales, digitales Gegengewicht zum zentralen Notenbanksystem.“

Fragt man Friedrich, ob er zum Kauf des Bitcoins raten würde, sagt er ganz klar: Ja! „Wir sehen, die Staaten machen unlimitiert Schulden, die Notenbanken drucken unlimitiert Geld, aus dem Grund braucht man ein Gegengewicht, eine Art Lebensversicherung für seine Kaufkraft.“ Denn im Unterschied zum Geld gibt es nur 21 Millionen Bitcoins. Die Kryptowährung sei zusätzlich unabhängig von Staaten und Notenbanken unveränderbar und nicht manipulierbar, sagt Friedrich.

Dagegen würde der bekannte Börsen-Experte und Investor Lars Erichsen keine allgemeine Anlage-Empfehlung aussprechen. Er hält es vernünftiger, langfristig in Aktien oder ETFs zu investieren: „Ein Bitcoin ist nicht für jeden etwas, man muss die enorme Volatilität mental verkraften“, sagt Erichsen zu Business Insider. In der Theorie hält er aber einen Anteil an Krypto-Assets in einer Größenordnung zwischen zwei und fünfzehn Prozent, je nach Risikobereitschaft, aber „durchaus sinnvoll“. „Ich habe nichts gegen Spekulationen, solange man sich der Tatsache bewusst ist, dass kein Erfolg sicher oder vorprogrammiert ist.“ Denn Risiko und Ertrag würde immer in Relation zueinanderstehen.

Ein Bitcoin-Crash führt nicht automatisch zum Börsen-Crash

Dass eine Investition in Bitcoins riskant ist, weiß auch der Ifo-Ökonom Braml: „Ich würde nicht ausschließen, dass der Bitcoin-Kurs zusammenbricht, genauso gut kann er wieder stark steigen.“ Dass ein Bitcoin-Fall aber auch einen Börsen-Crash auslöst, glaubt er nicht. Denn die Akteure, die am Kryptomarkt aktiv sind, seien nicht die „typischen Akteure“, die am Finanzmarkt aktiv sind. Das bedeutet, dass diese Märkte nicht so stark miteinander verwoben sind. Somit würde die Börse nicht automatisch mitgerissen werden und die Aktien-Kurse werden auch nicht davon beeinflusst, sagt Braml: „Bei einem Bitcoin-Crash verlieren die privaten Anleger – nicht die Banken.“

Aber der Experte würde Kryptowährung auch nicht totsagen. Der Bitcoin sei immerhin sehr liquide: Man könnte ihn jederzeit kaufen, überall mitnehmen und ist nicht auf irgendeine Börse angewiesen. Braml: „Wenn morgen ein Krieg ausbricht, dann muss ich schauen, wie ich mit meinem Gold im Rucksack über die Grenze komme und den Bitcoin-Wallet hast du in deiner Hosentasche. Das ist schon ein enormer Vorteil.“

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