Bitcoin in China: Regierung verschärft den Ton

Nikolas Kessler
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Bitcoin & Co im Korrekturmodus - EOS mit Startschwierigkeiten

Dass die Regierung in China nicht viel von Kryptowährungen hält, ist spätestens seit dem Verbot der heimischen Kryptobörsen im letzten Jahr bekannt. Nun hat ein Sprecher mit einer neuen Verbalattacke nachgelegt. Zudem gibt es Gerüchte, dass das Land Bitcoin-Minern die Stromversorgung drosseln will.

Ein Sprecher der Kommunistischen Regierungspartei bezeichnete den Bitcoin als eine Blase und zog Parallelen zur Tulpen-Manie des 17. Jahrhunderts. Die angeblichen Vorteile wie Knappheit, Transparenz und Dezentralität seien nur ein Deckmantel für Spekulation und könnten den volatilen Preis nicht rechtfertigen, heißt es in der Volkszeitung People’s Daily. Grund dafür sei eher eine Mischung aus Hype und Insider-Geschäften, denn es wird dort spekuliert, dass eine kleine Gruppe Bitcoin-Besitzer die Masse der Inverstoren gezielt manipuliert.

Gerücht: Stromsperren für Miner

Darüber hinaus berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise, dass die Regierung in Peking den hohen Stromverbrauch durch das Schürfen von Kryptowährungen drosseln will. Ungeachtet des Handelsverbots ist China nämlich eine weltweite Hochburg des Minings – auch deshalb, weil auf diesem Weg Kapitalkontrollen umgangen werden können.

Das Schürfen von Bitcoins und anderen Digitalwährungen erfolgt mithilfe von leistungsstarken PCs und Grafikkarten, die komplexe mathematische Berechnungen durchführen. Um wirtschaftlich zu minen, sind inzwischen große Rechenzentren nötig, die Unmengen an Energie verbrauchen. Wegen der vergleichsweise niedrigen Stromkosten in manchen Regionen Chinas stehen dort einige der weltgrößten Krypto-Minen.

Aus Sorge um die reguläre Stromversorgung würde die chinesische Regierung dem Verbrauch durch die Server-Farmen am liebsten einen Riegel vorschieben. Erst Ende Dezember hatte die chinesische Zentralbank allerdings erklärt, keine direkte Handhabe gegen das Mining zu haben und für die Drosselung der Leistung auf örtliche Behörden angewiesen zu sein.

Erfolgsaussichten umstritten

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Regierung den heimischen Kryptobörsen den Weiterbetrieb verboten, nach dem es nicht gelungen war, den ICO-Hype zu regulieren. Auf den Bitcoin-Kurs hatte das Verbot allerdings kaum Auswirkungen, denn auf bisher unregulierten Peer-to-Peer-Plattformen geht der Handel munter weiter. Zudem ist mit dem Aus für die chinesischen Börsen das Handelsaufkommen an den Kryptobörsen in den Nachbarländern Japan und Südkorea angestiegen.

Bobby Lee, Gründer und CEO der Kryptobörse BTCC, kann sich vorstellen, dass China das Bitcoin-Verbot irgendwann wieder aufhebt und den Handel in regulierten Bahnen zulässt. Er verweist im Gespräch mit CNBC aber auch darauf, dass sich der Bitcoin trotz Verboten und Regulierungsmaßnahmen auf der ganzen Welt erstaunlich robust gezeigt und kräftig an Wert gewonnen hat.

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