Eine Bitcoin-Börse im Kampf mit der venezolanischen Regierung – Interview mit dem Gründer & CEO

Alex Roos

Vor fast zwei Monaten traf ich Alejandro V. Betancourt im Room 77 in Berlin. Als ich ihn fragte woher er käme, und er mit „Venezuela“ antwortete, war ich direkt gespannt was er zu berichten hätte. Die Einschätzung aus erster Hand erachte ich als sehr wertvoll. Alejandro erzählte mir, dass er Gründer und CEO von Mango Markets ist, einer der drei Krypto-Börsen in Venezuela. Da musste ich ihn einfach interviewen.

Was kann man sich unter Mango Markets vorstellen?

Wir sind eine Börse für digitale Währungen in Venezuela. Momentan kann man bei uns Bitcoin, Ether und die Nationalwährung (Bolivar) handeln. Unser Ziel ist es eine solide Grundlage für Venezolaner zu schaffen, um Zugriff auf die Blockchain-Technologie zu erhalten und wieder die Kontrolle über die eigenen Finanzen zu erlangen.

Was war die größte Herausforderung im Aufbau des Geschäfts?

Die größte Herausforderung war die rechtliche Unsicherheit. In einem Land wo die Regierung absolute Kontrolle hat, kann jede Lösung als umstürzlerisch verdammt werden. Jede reale Lösung hat einen Doppeleffekt. Es beweist, dass es ein tatsächliches Problem gibt. Darüberhinaus beweist es, dass der Machthaber nicht seiner Verantwortung nachkommt es zu lösen. Ob es darum geht Inkompetenz oder Korruption zu vertuschen – beides wuchert im Land – würde die Regierung lieber die Innovation stoppen, die das Problem lösen könnte, als schlecht da zustehen.

Es ist sehr schwierig zu vereinbaren, dass die Regierung auf der einen Seite eine starke Haltung gegen den Austausch von Fiat-Währungen hat (Bolviar gegen US-Dollar), auf der anderen Seite aber Kryptowährungen mit offenen Armen empfängt. Prinzipiell ist es nämlich das gleiche.

Diese Grauzonen und sich schnell entwickelnden Ökosysteme stellen große Herausforderungen dar, wenn es darum geht funktionierende Beziehungen zu Banken zu etablieren. Man hat Schwierigkeiten Investoren zu finden. Denn für viele ist die Priorität nicht in etwas zu investieren, das gegen die lokale Regulation verstößt. Auch das Erklären der Technologie entpuppt sich als Herausforderung, weil es gewisse Bereiche gibt, in denen das System einfach keinen Sinn ergibt. Aber so funktionieren die Dinge nun mal.

Wie sind die Interaktionen mit der Regierung?

Unsere Interaktionen mit dem Ministerum für Technologie und Superintendanz für Kryptowährungen waren höflich und produktiv, weil wir unseren Fokus auf die Technologie anstatt auf Politik legen. So wollen wir einen Paradigma-Wechsel für die Nutzung von Blockchain-Lösungen herbeiführen.

Allerdings wird immer mehr deutlich, dass das Ministerium für Technologie und Superintendanz nur dafür da ist den Leuten den Eindruck zu geben, dass die Dinge „in der richten Art“ behandelt werden. Die wirklichen Entscheidungen werden aus politischen Gründen und hinter den Kulissen getroffen.

Man hat uns komplett ausgegrenzt. Nach sechs Monaten Meetings und einem formellen Antrag für eine Börsen-Lizenz (die immer noch nicht vergeben wurde) – vergab die Regierung plötzlich über Nacht 16 Lizenzen an Exchanges die noch nicht einmal existieren. Unsere Quellen sagen, dass die Hälfte dieser Börsen hochrangigen Politikern und Militärs gehören. Die andere Hälfte gehöre zweifelhaften Geschäftsmännern, die satte Bestechungsgelder gezahlt haben.

Gegeben der Tatsache, dass kein einziger der existierenden lokalen Börsen eine Lizenz erhalten hat, haben wir Grund zu glauben, dass die eigentliche Absicht der Regierung ist alle Innovation zu ersticken. Niemand darf Innovation vorantreiben und wir werden unser Geschäft aufgeben müssen, wenn wir kein Lizenz erhalten. Die Vergabe der Lizenz wirkt eher wie eine politische Wette als als auf Technologie, Geschäft oder legislatorischer Fügsamkeit gestützt.

Was sind eure Pläne für 2018?

Wir fangen an, indem wir fragen „Was können wir zusammen erreichen, dass wir nicht alleine schaffen?“. Die Regierung hat versucht den freien Informationsfluss zu hindern, die Meinungsfreiheit einzuschränken und Hass unter den Venezolaner zu schüren. Abtrünnigkeit heißt entweder das Land zu verlassen oder im Gefängnis zu landen. Heute sind über vier Millionen Venezolaner auf der ganzen Welt verteilt. Ich arbeite an mehreren Projekten – alle mit dem Fokus auf Blockchain-Technologie und die venezolanische Gemeinschaft. Ich fungiere vor allem als Brücke zwischen den Innovations-Hubs mit Kapital und Venezuela als Land wo diese Lösungen implementiert werden können.

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Source: BTC-ECHO

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