Ist Bitcoin wie eine Aktie?

Michael Firbach, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Was unterscheidet eine Investition in Bitcoins von einer Investition in Aktien? Ist es vielleicht eher vergleichbar mit einer Anlage in anderen Währungen, oder in Gold? Da Bitcoins zur Zeit in aller Munde sind, habe ich dir hier mal die wesentlichen Unterschiede zu anderen Anlageformen zusammengetragen.

Alle Anlagen die ich im Folgenden mit dir betrachten möchte, haben zunächst mal die Eigenschaft, dass mehrmals täglich der Preis festgestellt wird. Der kann mitunter dramatisch schwanken, vor allem natürlich bei Bitcoins. Du kannst alle diese Anlagen an einer Börse handeln und der Preis kann sich sekündlich ändern. Mit ein paar Mausklicks kannst du jederzeit ein- und wieder aussteigen.

Im vergangenen Jahr war der Bitcoin (und andere Kryptowährungen) jedoch der einsame Gewinner bei der Wertentwicklung. Obwohl es durchaus auch ein gutes Jahr für Aktien war, kommen sie in ihrer Gesamtheit nicht einmal in die Nähe der Rendite von über 1400%.

Was unterscheidet Bitcoins von Aktien?

Wenn du dir Aktien kaufst, kaufst du dir ein Stück der weltweiten Wirtschaftsleistung. Ein Getränkehersteller produziert Getränke, eine Baufirma errichtet Gebäude und ein Friseur schneidet deine Haare. Du kannst dich an vielen dieser wunderbaren Unternehmen beteiligen, indem du deren Aktien kaufst. Der Wirtschaft geht es mal besser und mal schlechter, aber auf lange Sicht hat die Menschheit und die weltweite Wirtschaftsleistung immer Fortschritte gemacht. Vielleicht mühst du dich gerade in deinem Job ab, um dein Einkommen zu verdienen. Wenn du dein Geld jedoch nicht verschwendest und fleißig in Aktien investierst, arbeiten diese Unternehmen für dich und könnten eines Tages deinen Lebensunterhalt verdienen. Es wird dir jedenfalls nicht schaden, an erfolgreichen Unternehmen beteiligt zu sein!

Wenn du dir Bitcoins kaufst, werden in einer globalen Blockchain Einträge vorgenommen die bestätigen, dass deine Adresse über eine bestimmte Anzahl an Bitcoins verfügt. Es steckt zunächst mal keine Wirtschaftsleistung dahinter, man könnte aber sagen, dass es einen gewissen Aufwand (und Stromkosten) bedeutet, sie zu „schürfen“. Du bezahlst praktisch dafür, dass andere diesen Aufwand für dich betrieben haben. Nach dem Kauf arbeiten die Bitcoins jedoch nicht für dich und werfen keinen Ertrag ab. Um damit Gewinn zu machen, musst du jemanden finden, der bereit ist dir die Bitcoins zu einem höheren Betrag wieder abzukaufen.

Was unterscheidet Bitcoins von Währungen?

Diese Frage mag zunächst etwas seltsam klingen, da Bitcoin ja selber als „digitale Währung“ oder „Kryptowährung“ gilt. Eine Währung dient in erster Linie als Tauschmittel, so dass du keinen direkten Tauschhandel machen musst. Du kannst dein verdientes Geld für einige Zeit aufbewahren und später damit Güter und Dienstleistungen bezahlen. Dies ist mit Bitcoins nicht ganz einfach: Eine Überweisung dauert einige Stunden und kostet zur Zeit um die 20 €, Tendenz stark steigend. Es ist also nicht absehbar, dass du irgendwann deinen Coffee to Go mit Bitcoins bezahlen können wirst.

Eine Währung wird meistens im Laufe der Zeit inflationiert, indem weiteres Geld gedruckt oder anderweitig geschaffen wird. Dies macht deinen persönlichen Vorrat mit der Zeit wertlos. Insbesondere wenn Staaten stark verschuldet sind, schaffen sie gerne neues Geld, um ihre Schulden wieder einfacher bezahlen zu können. Dies kann so weit gehen, dass niemand mehr Vertrauen in die Währung hat und ein Schwarzmarkt entsteht. Mit Bitcoins kann dir das in dieser Form nicht passieren, da es weltweit nie mehr als 21 Mio. davon geben wird.

Was unterscheidet Bitcoins von Gold?

Wie schon besprochen, ist die Anzahl der Bitcoins global limitiert. Die verbleibenden Bitcoins zu „finden“, wird immer aufwändiger. Damit haben die Bitcoins gewisse Ähnlichkeiten zu Gold als Wertanlage. Gold produziert ebenfalls nichts, ist nur begrenzt vorhanden und der Wert hängt in erster Linie davon ab, was andere Leute bereit sind, dafür zu zahlen.

Allerdings hat Gold ein paar praktische Anwendungen in der Elektronik und ein schöner Goldschmuck ist sicherlich begehrenswerter für Menschen, als eine Folge von Bytes, die bestimmte Kriterien erfüllt.

Nicht zuletzt hat Gold sich über Jahrtausende in der Menschheitsgeschichte als Wertanlage bewährt, was man von Bitcoins nicht behaupten kann. Es gibt jetzt schon technisch bessere Alternativen zu Bitcoin und es ist keineswegs ausgemachte Sache, dass ausgerechnet Bitcoin die Kryptowährung der Zukunft sein wird.

Und jetzt?

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Überblick darüber geben, was Bitcoins von anderen Geldanlagen unterscheidet. Es kursieren immer noch viele Missverständnisse darüber, was Bitcoins eigentlich sind und können. Insbesondere ist Bitcoin eben nicht das Zahlmittel der Zukunft, und es steckt keine Wirtschaftsleistung oder Schaffenskraft dahinter. Ein richtig guter Anwendungsfall ist meines Wissens nach noch nicht gefunden. Es ist also an dir, zu entscheiden, warum Bitcoins eigentlich wertvoll sein sollten. Falls du nicht eine gute Erklärung dafür hast, empfehle ich dir jedenfalls, deine Aktienpositionen noch nicht aufzulösen.

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Michael Firbach besitzt keine Bitcoins oder andere Kryptowährungen.

Motley Fool Deutschland 2017