Bitcoin 10.000 US-Dollar: 5 Treiber, die zu diesem Preis geführt haben

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Historisch hat der Aktienmarkt im Jahr durchschnittlich 7 % Gewinn verzeichnet, wenn man die Dividenden reinvestiert und die Inflation herausrechnet. Dies bedeutet, dass sich das eingesetzte Geld alle zehn Jahre verdoppeln würde. Auf das ganze Leben hochgerechnet hättest du damit die Chance, dein Vermögen zu verfünf- oder versechsfachen.

Für Investoren in Kryptowährungen kam dieser Zuwachs in weniger als elf Monaten. Der Gesamtwert der mehr als 1.300 Kryptowährungen, die Investoren nun kaufen können, belief sich am 28. November auf 314 Milliarden US-Dollar. Am Jahresanfang lag die Summe bei 17,7 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Gewinn von 1.675 % in weniger als 11 Monaten. Und allein in den letzten acht Wochen hat sich die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen verdoppelt.

Bitcoin übersteiget 10.000 US-Dollar

Die Parade wird von Bitcoin angeführt. Dies ist die bekannteste und wertvollste virtuelle Währung der Welt. Die Marktkapitalisierung stand vor Kurzem bei 166 Milliarden US-Dollar und übersteigt damit Börsengrößen wie General Electric und Walt Disney. Wichtiger ist aber, dass der Preis pro Coin die psychologisch wichtige Marke von 10.000 US-Dollar übersprungen hat – jedenfalls auf manchen Börsen. Am Jahresanfang lag der Preis pro Coin bei unter 967 US-Dollar. Damit hat sie in dieser Zeit mehr als 930 % hinzugewonnen.

Du fragst dich, was hinter dieser Rally steckt? Es scheint ein Zusammenspiel aus fünf Katalysatoren zu sein, welches Bitcoin so in die Höhe treibt.

1. Begeisterung über die Blockchain

Im Moment herrscht große Begeisterung über die Blockchain. Dies ist das digitale und verteilte Hauptbuch, welches den meisten virtuellen Währungen zugrunde liegt; unter anderem auch Bitcoin. Die Blockchain enthält alle Transaktionen, ohne einen Finanzintermediär wie eine Bank zu benötigen. Trotzdem ist die Aufzeichnung sicher. Da diese Netzwerke Open Source sind, ist das Verändern der gespeicherten Daten praktisch unmöglich. So wird die Blockchain für die Finanzbranche besonders interessant.

Vor vier Monaten wurde ein Upgrade für das Bitcoinprotokoll veröffentlicht. Damit wurden die Kapazität erhöht und die Gebühren und Bearbeitungszeiten für Transaktionen verringert. Ein Hauptgrund für diese Aktualisierung war die Überzeugung, dass die Bitcoingemeinschaft auch größere Unternehmen anvisieren sollte. Das Upgrade wurde nicht von jedem angenommen, daher spaltete sich Bitcoin in zwei verschiedene Währungen auf. Es bleibt abzuwarten, ob die Bitconblockchain wirklich Unternehmen anlockt. Aber für Investoren ist es definitiv aufregend.

2. Der schwache US-Dollar

Der zweite große Faktor ist der schwache US-Dollar. Ein schwacher US-Dollar ist gut für US-Präsident Trump, da er die amerikanischen Exporte unterstützt. Allerdings sind Investoren nicht so gut beraten, Bargeld zu halten. Wenn der Dollar fällt, steigen viele Investoren bei Gold ein, da es eine endliche Ressource ist, die seit Jahrhunderten als Wertspeicher genutzt wird. Anders ausgedrückt, die Menge an Gold auf dem Planeten ist begrenzt, es sei denn, wir bauen es auf anderen Planeten oder Asteroiden ab.

Aber Investoren haben Bitcoin nun als Wertspeicher ausgemacht. Das Protokoll von Bitcoin begrenzt die Zahl der verfügbaren Coins auf 21 Millionen. Damit ist es ebenfalls eine endliche Ressource. Und da die Wertsteigerung deutlich über der von Gold lag, haben sich einige Investoren dafür und gegen das glänzende Edelmetall entschieden.

3. Akzeptanz von Einzelhändlern

Bitcoin profitiert auch von der wachsenden Akzeptanz als Zahlungsmittel. 2014 begannen verschiedene bekannte Unternehmen Bitcoin anzunehmen. Darunter ist auch Overstock.com (WKN:645086). Dieses Unternehmen führt wahrscheinlich die Kryptowährungswelle an. Overstock akzeptiert auch Ethereum, Bitcoin Cash, Litecoin, Monero und Dash. Es behält zudem einen Teil seiner Kryptowährungseinnahmen, anstatt diese in Dollar zurückzutauschen. Der Grund? Es sieht die wachsenden Bewertungen der Kryptowährungen. 2017 hat sich dieses Vorgehen definitiv gelohnt.

Und auch der Zahlungsdienstleister Square (WKN:A143D6) sprang kürzlich auf den Zug auf. Square erlaubt nun manchen Cash-App-Nutzern, testweise Bitcoin zum Kauf und Verkauf mit einem einzigen Fingerwisch zu benutzen.

Kurz gesagt, je mehr Händler Bitcoin akzeptieren, desto weiter verbreitet es sich.

4. Regulierung und Glaubwürdigkeit

Die Regulierung ist ein etwas zweischneidiges Schwert für Kryptowährungen. Einerseits könnte dadurch der Zugang zu hochpreiseigen Märkten verwehrt werden. China hatte im September Initial Coin Offerings und einheimische Kryptowährungsbörsen verboten. Dies waren besorgniserregende Nachrichten für Bitcoin und Co. Aber zur gleichen Zeit hat Japan Bitcoin als legales Tauschmittel zugelassen. Damit gewinnt die beliebteste Kryptowährung der Welt an Glaubwürdigkeit.

Zudem gab die CME Group (WKN:A0MW32) kürzlich bekannt, dass sie vor Jahresende Bitcoin-Futures anbieten will. Der Handel mit den Futures wird für institutionelle Investoren die Tür öffnen, die bisher einen Bogen um virtuelle Währungen gemacht haben. Dies hilft auch, Bitcoin Glaubwürdigkeit als eine eigene Anlageklasse zu verschaffen.

5. Die Angst, etwas zu verpassen

Der letzte Grund, ist die Angst, etwas zu verpassen. Investoren können einfach nicht tatenlos daneben stehen, wenn sie Gewinne von 1.000 % oder 2.000 % sehen oder sogar 10.000 % seit Jahresbeginn. Diese Investoren wollen ebenfalls mitverdienen, während jeder um sie herum reich wird.

Man sollte auch erwähnen, dass nicht institutionelle Investoren die treibende Kraft hinter dem Preisanstieg von Bitcoin stehen. Die meisten institutionellen Investoren dürfen nicht mitmachen. Und so übernehmen die emotionaleren privaten Investoren das Ruder bei der Preisbildung

Eine Blase?

Die große Frage ist: Wird die sogenannte Blase platzen? Ich gehe davon aus, dass irgendwann ein großer Preissturz eintritt. Aber ich bin mir unsicher, wann.

Zwei konkrete Sorgen treiben mich bei Bitcoin um. Erstens habe ich Bedenken, dass die Blockchain von großen Unternehmen akzeptiert wird. Es gibt noch weitere 1.300 Kryptowährungen. Und die Hürde, eine neue Währung einzuführen, ist niedrig. Es gibt auch wenig Sicherheit außer seiner Größe und Marktakzeptanz. Aber es gibt keine Garantie, dass diese anhält.

Die andere Sorge ist, dass die Investoren neue Technologien in der Regel überschätzen. Es ist unstrittig, dass die Blockchain wertvoll und gut für Unternehmensanwendungen ist. Allerdings haben wir bisher nur Pilotanwendungen und kleine Projekte gesehen. Es könnte noch Jahre dauern, bevor wir bedeutende Entwicklungen verzeichnen. Aber scheint, als ob die Investoren von einer baldigen Akzeptanz ausgehen.

Da die Gefühle gerade kochen, denke ich, dass es nicht viel bedarf, um Bitcoin wieder auf Talfahrt zu schicken.

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The Motley Fool hält und empfiehlt Aktien von Walt Disney. The Motley Fool hält Aktien von Square. The Motley Fool empfiehlt CME Group.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 01.12.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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