Biowetter und gefühlte Temperaturen: Das müssen Sie wissen

Wetter ist Gefühlssache. (Bild: Getty Images)

Fakten und Gefühl liegen beim Wetter oft weit auseinander. Da mag das Thermometer gemäßigte Werte anzeigen und doch fließt der Schweiß in Strömen. Manch einer spürt ein Ziehen im Knie und weißt sofort: Da zieht ein Schauer auf! Was es mit damit auf sich hat, verrät das sogenannte Biowetter.

Wettervorhersage vs. gefühlte Temperatur

Wie wir das Wetter empfinden, hängt neben der Lufttemperatur von diversen Faktoren ab. Deren Zusammenspiel soll bei der gefühlten Temperatur besser berücksichtigt werden. Das kann für empfindliche, ältere oder kranke Menschen sehr wichtig sein. Das Temperaturempfinden entspricht nur in einer sehr speziellen Situation der tatsächlichen Temperatur. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) beschreibt das Szenario folgendermaßen: „Wenn man sich mit der Temperatur angemessener Kleidung bei mittlerer Luftfeuchtigkeit und Windstille langsam im Schatten bewegt.“ Da ist es kaum verwunderlich, dass die gefühlte Temperatur häufig von der Wettervorhersage abweicht.

Neben direktem Sonnenschein sorgt auch eine hohe Luftfeuchtigkeit dafür, dass die Temperatur als höher empfunden wird. Deshalb setzt uns schwüle Witterung stärker zu als „trockene“ Hitze. Im Sommer steigt die gefühlte Temperatur laut DWD viel schneller als die Lufttemperatur. Im Gegenzug sorgt Wind dafür, dass Temperaturen als kälter empfunden werden. Dieser sogenannte Windchill-Effekt ist vor allem im Winter zu beobachten. Aber auch im Sommer kann schwacher bis mäßiger Wind bei kühlen Temperaturen dafür sorgen, dass die gefühlten Werte niedriger ausfallen.


So empfindet der Modellmensch:

Die Meteorologen vom DWD berechnen die gefühlte Temperatur mithilfe eines Modellmenschen. Dieser „Klima-Michel“ ist männlich, 35 Jahre alt, 1,75 Meter groß und wiegt 75 Kilogramm. „Seine Bekleidung passt er zwischen leichter Sommer- und dicker Winterbekleidung so an, dass er nach Möglichkeit Behaglichkeit empfindet“, beschreibt der Wetterdienst das Szenario. Gefühlte Temperaturen zwischen 0 und 20 °C gelten als „behaglich“. Gefühlte Temperaturen unter 0 °C erzeugen ein Kaltgefühl, Werte über 20 °C ein Warmgefühl und sind damit weniger behaglich.

Biowetter ist noch komplexer. Hier werden alle Einflüsse berücksichtigt, die sich auf Gesundheit und Befinden von Menschen auswirken. Dazu gehören unter anderem UV-Strahlung (Sonnenbrandgefahr) und Pollenflug.

Gesundheitsfaktor Wetterfühligkeit

Ein weiterer Aspekt beim subjektiven Wetter ist Wetterfühligkeit. Hier geht es darum, dass kranke und geschwächte Menschen sensibler auf Stress durch Wetter reagieren. Bei Wetterfühligkeit gibt es spezielle Wettervorhersagen für Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, rheumatischen Beschwerden, asthmatischen Erkrankungen sowie allgemeinen Beeinträchtigungen des Wohlbefindens.

„Je stärker und schneller sich das Wetter ändert, desto größer ist der Einfluss auf empfindliche Personen“, erklärt auch Dr. Christina Koppe, Medizin-Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst gegenüber der „Apotheken Umschau“.

Generell wirken sich Tiefdruckgebiete eher negativ auf den Körper aus. Bei Menschen mit niedrigem Blutdruck kann bei bestimmten Wetterlagen der Kreislauf schlapp machen. Menschen mit Gelenkerkrankungen wie Rheuma oder auch Asthmapatienten gelten als besonders wetterfühlig. Fallen die Temperaturen ab, können sich Symptome wie Atembeschwerden oder Gelenkschmerzen verstärken, man spricht hier von einer „Wetterempfindlichkeit“.

Selbst wer nicht durch eine Vorerkrankung belastet ist, kann wetterfühlig sein. Die körperlichen Reaktionen auf Hitze, Kälte, Schwüle oder Wind wirken sich bei vielen direkt auf das Wohlbefinden aus, man fühlt sich müde, reizbar, unkonzentriert oder deprimiert – möglicherweise ohne daran zu denken, dass dies am Wetter liegen könnte. Ein stabiles Hoch hingegen kann die Laune nachweislich verbessern. Dienste wie „Wetteronline“ geben neben der Standard-Vorhersage auch an, welche Auswirkungen das Wetter an bestimmten Tagen auf den Körper haben kann.


Wer sich Symptome bisweilen nicht erklären kann, für den könnte ein Blick auf das „Vital-Wetter“ also nützlich sein. Bei ernsten Beschwerden sollte man aber natürlich einen Arzt aufsuchen und nicht alles einfach auf das Wetter schieben.