BioNTech-Milliardäre investieren in deutsches Bahn-Startup

Richard Weiss
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Ein Software-Startup aus München möchte die Bahn pünktlicher machen. Dafür bekommt es frisches Geld - auch von den Brüdern Strüngmann, den größten Anteilseignern der BioNTech SE.

Konux GmbH hat in einer Finanzierungsrunde 80 Millionen Dollar eingesammelt - nach eigenen Angaben 30 Millionen Dollar mehr als zunächst geplant - und dabei Athos als Anteilseigner dazugewonnen, das Family Office von Andreas und Thomas Struengmann. Die Brüder waren seinerzeit reich geworden mit der Gründung des Generikaherstellers Hexal, den später Novartis AG gekauft hat. Inzwischen halten sie 47% an BioNTech. Zu den Konux-Investoren gehören außderdem Sanno Capital, New Enterprise Associates, Dick Kramlich und die Deutsche Invest Capital Partners.

Konux entwickelt Überwachungssysteme für Eisenbahnweichen. Störungen an Weichen sind europaweit für ein Fünftel der infrastrukturbedingten Verspätungen verantwortlich, so Vorstandschef Andreas Kunze im Interview. Die Bauteile halten zwar Jahrzehnte, sind aber durch die darüberrollenden Züge hohen Kräften und entsprechendem Verschleiß ausgesetzt. Inspektion und Wartung sind aufwändig und teuer, ersteres will Konux automatisieren und digitalisieren.

“In Japan ist die Pünktlichkeit der Züge deshalb so hoch, weil der Bahnbetreiber massive Inspektions- und Wartungsanstrengungen unternimmt mit Arbeitern draußen in den Gleisbetten Nacht für Nacht,” so Unternehmensgründer Kunze. “Mit unseren Lösungen können die Züge in Europa genauso zuverlässig werden, aber zu viel geringeren Kosten.”

Die Algorithmen von Konux verwenden Messdaten wie Schwingungen und Temperatur an der Weiche und errechnen daraus Bewegung und Deformation der Bauteile um vorauszusagen, wann welche Komponenten gewartet oder ausgetauscht werden sollten. Bahnbetreiber in Europa geben pro Jahr gut 8 Milliarden Euro für Inspektion, Wartung und Anschaffung neuer Weichen aus, so Kunze. Seine Lösung ist in der Lage, die laufenden Kosten für Weichen um mehr als ein Viertel zu senken sowie die Lebensdauer wichtiger Bauteile um bis zu ein Fünftel zu verlängern. Verspätungen könnten dadurch halbiert werden, so der Manager.

Konux erwartet durch den Green Deal der Europäischen Union massiv steigende Investitionen in die Infrastruktur der Bahnen, da ein Umlenken von Verkehren vom Flugzeug auf die Schiene dramatische Einsparungen an Emissionen verspricht. Letzten Monat erhielten Konux und ein Wettbewerber einen Auftrag der Deutschen Bahn AG zur digitalen Überwachung von 1.300 Weichen. Kunden des Unternehmens sind mittlerweile insgesamt zehn Bahnbetreiber von Frankreich bis China. Einen Börsengang hält Konux für 2024 für denkbar.

(Wiederholung vom Donnerstag)

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