Die BioNTech-Aktie – ein Blick hinter das Offensichtliche

Thomas Brantl, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
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Es gibt Punkte bezüglich BioNTech (WKN: A2PSR2), die sind völlig offensichtlich. Als einer der aussichtsreichen Corona-Impfstoffhersteller könnten der BioNTech-Aktie lukrative Monate bevorstehen. Immerhin könnte das Unternehmen eines unserer weltweit größten Probleme lösen. Keine Frage, das bietet natürlich enormes Potenzial.

Auf der anderen Seite ist allerdings auch klar, dass viel Hoffnung bereits in der BioNTech-Aktie eingepreist ist. Auf Sicht der letzten zwölf Monate legte sie um über 400 % zu. Die Marktkapitalisierung beträgt mittlerweile stolze 25 Mrd. US-Dollar (!!!).

Doch wer oder was steckt eigentlich hinter der BioNTech-Aktie? Was verbirgt sich hinter diesen offensichtlichen Tatsachen?

Das ist das Management hinter der BioNTech-Aktie

Vorstandsvorsitzender von BioNTech ist Professor Doktor Ugur Sahin. Er ist Mitbegründer von BioNTech und bereits seit 2008 CEO – dem Jahr der Gründung dieses Healthcare-Unternehmens. Übrigens ist auch seine Frau im Vorstand von BioNTech, sie ist Chief Medical Officer.

BioNTech-Aktie
BioNTech-Aktie

Quelle: Getty Images

Was die Besetzung des Top-Managements betrifft, kann man bei BioNTech also von einem waschechten Familienunternehmen sprechen! Für mich ein absolut positiver Aspekt, denn solche Unternehmen sind meist langfristig orientiert. Ihr Management will eine dauerhafte positive Entwicklung für das eigene Unternehmen, immerhin ist es ihr „Baby“.

Typische Manager von Großkonzernen hingegen neigen gerne einmal dazu, die Unternehmensstrategie an kurzfristigen Zielboni auszurichten, was nicht immer im Sinne der langfristigen Entwicklung ist. Verfolgt ein Manager doch einmal langfristige Ziele, so muss er um seinen Posten fürchten, sobald für diese Ziele ein paar schlechtere Quartale in Kauf genommen werden müssen.

All diese Probleme haben familiengeführte Unternehmen in aller Regel nicht, weshalb mir die Konstellation bei BioNTech gut gefällt und meiner Investmentphilosophie entspricht. Doch hat Ugur Sahin wirklich das Sagen bei BioNTech? Oder wirken im Hintergrund noch andere Kräfte, die auf die BioNTech-Aktie einwirken?

Die Eigentümerverhältnisse der BioNTech-Aktie

Meist ist es so, dass bei gründer- oder familiengeführten Unternehmen die Gründerfamilie auch über die Mehrheit der Aktien verfügt. Oder zumindest über ein relevantes Aktienpaket. So können sie Einmischungen von außen – beispielsweise durch kurzfristig orientierte Hedgefonds – unterbinden, da die Gründerfamilie durch ihr Aktienpaket über die Mehrheit der Stimmrechte verfügt.

Alle Entscheidung, die auf einer Hauptversammlung zur Abstimmung kommen, können so im Sinne der Gründerfamilie getroffen werden. Und die denkt in aller Regel sehr langfristig, weshalb ich in solch eine Konstellation als langfristig orientierter Anleger besonders gerne investiere!

Auf BioNTech trifft dies nicht zu. Laut t-online besitzt CEO Sahin rund 18 % aller BioNTech-Aktien. Das macht ihn zwar zu einem der reichsten Deutschen, die Stimmmehrheit hat er allerdings nicht. Der größte Anteilseigner von BioNTech sind die Zwillingsbrüder Strüngmann, sie besitzen laut t3n rund die Hälfte aller Aktien des Biotech-Konzerns.

Die beiden Brüder sind im Pharmabereich unterwegs – der eine als Arzt, der andere als Unternehmer. Ob sie mit ihrem BioNTech-Engagement irgendwelche strategischen Ziele verfolgen ist mir nicht bekannt. Für mich sieht es eher nach einem klassischen Investment aus.

Eine Bewertung dieses Ankerinvestors ist schwierig, tendenziell sehe ich in den Strüngmanns eher keine Bedrohung für die langfristige Zukunft von BioNTech. Denn wie ein klassischer Hedgefonds oder ein aktivistischer Investor sehen sie für mich nicht aus.

Die letzten drei Absätze wurden am 17.11.2020 kurz nach der Veröffentlichung aktualisiert.

Mein Fazit – wie viel Substanz steckt in dieser Aktie?

Ich finde es großartig, dass bei BioNTech noch immer die Gründer an der Spitze ihres Unternehmens sind. So stehen die Chancen nicht schlecht, dass die entscheidenden Personen im Unternehmen mit Herzblut bei der Sache sind und langfristig nur das Beste für ihr Unternehmen wollen.

Lieber wäre es mir allerdings, wenn sie ihre „Entscheidungsfreiheit“ mit der Mehrheit der BioNTech-Aktie absichern könnten. Das ist Stand heute nicht Fall, weshalb mein Fazit gemischt ausfällt: Das Management von BioNTech sieht vertrauenswürdig aus, könnte allerdings von außen unter Druck gesetzt werden.

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Thomas Brantl besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2020