Biogen: Mit Buffet auf den Burggraben und die Erholung in 2021 setzen

Florian Hainzl, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
Biogen
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Vor Kurzem habe ich in dem Artikel über den VanEck Vectors Morningstar Global Wide Moat ETF (WKN: A2P6EP) das spannende Research-Verfahren von Morningstar vorgestellt. Im Stil von Warren Buffett sucht das Analysehaus dabei nach Unternehmen mit einem Wettbewerbsvorteil, der sie vor der Konkurrenz schützt. In dem ETF sind nur Konzerne mit einem breiten Burggraben enthalten, der nach Ansicht von Morningstar für die nächsten 20 Jahre bestehen sollte.

Heute möchte ich mich mit der Aktie von Biogen (WKN: 789617) beschäftigen. Das Papier hat auf Jahressicht 24 % verloren (Stand: 30.12.2020). Laut Morningstar bestand im November eine faire Bewertung von 346 US-Dollar. Die Unterbewertung beträgt damit beim aktuellen Aktienkurs von 245 US-Dollar ca. 30 %. In meinen Augen ein sehr guter Grund, um einen genaueren Blick auf den amerikanischen Biotechnologiekonzern zu werfen. Schauen wir uns zunächst genauer an, was das Unternehmen eigentlich macht.

Was macht das Unternehmen, Entwicklung und Burggraben

Biogen erforscht und entwickelt Therapien für Menschen mit schweren neurologischen und neurodegenerativen Erkrankungen. Führend ist das Unternehmen vor allem bei der Behandlung von Multipler Sklerose. In den nächsten Jahren möchte der Gesundheitskonzern sein Angebot in den Bereichen Neuroimmunologie, Alzheimer und Demenz, neuromuskuläre Störungen, Bewegungsstörungen, Augenheilkunde, Immunologie, neurokognitive Störungen, akute Neurologie und Schmerz erweitern.

Es gibt mehrere Gründe, weshalb Biogen so stark unter die Räder gekommen ist. Zum einen gibt es Probleme mit dem Patentschutz des oralen Multiple-Sklerose-Medikaments Tecfidera. Zudem ist die Zulassung des Alzheimer-Medikaments Aducanumab äußerst fraglich. Das liegt an dem Urteil des Expertengremiums, das für die Genehmigung des Medikaments durch die US-Arzneimittelbehörde FDA befragt wurde. Die FDA hatte die Arznei zuvor noch in einem Gutachten positiv bewertet.

Im dritten Quartal hat man allerdings vor allem die zunehmende Konkurrenz durch Novartis und Roche beim Medikament Sprinraza gegen spinalen Muskelschwund gespürt. Der Umsatz ist dadurch um 6 % im Quartal gefallen. Das operative Ergebnis wurde dagegen hauptsächlich durch eine Meilensteinzahlung an einen Forschungspartner belastet. Auf Sicht der ersten neun Monate 2020 ist der Umsatz- und Ergebnisrückgang allerdings überschaubar.

Einschätzungen zu Biogen

Die Analysten von Morningstar sind von dem spezialisierten Produktportfolio und der Entwicklungspipeline von Biogen trotzdem überzeugt. Sie bewerten die Marktposition des Unternehmens mit einem breiten Burggraben. Aufgrund der hohen Unsicherheiten bei Aducanumab berücksichtigt Morningstar das Medikament nicht im Bewertungsmodell. Die Gefahr durch Biosimilars für Tecfidera schätzen die Analysten aufgrund von hohen Entwicklungs- und Herstellungskosten nicht so hoch ein.

Biogen weist eine überschaubare Nettoverschuldung auf. Sie sollte im nächsten Jahr komplett abgebaut werden. Die operative Marge des Unternehmens liegt bei über 50 % und soll trotz vermuteten Margenrückgangs in den nächsten beiden Jahren bei um die 40 % liegen. Das größte Problem sind die rückläufigen Umsätze in diesem und wohl in den nächsten Jahren. Die Bewertung ist dafür mit einer erwarteten Free-Cashflow-Rendite von über 10 % äußerst günstig.

Vor einem Investment solltet ihr euch aber sehr genau mit der Produktpipeline beschäftigen. Hier wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit der Erfolg und damit die Kursentwicklung von Biogen entscheiden. Wenn ihr euch für eine Investition entscheidet, sitzt ihr mit Warren Buffett in einem Boot, der über seine Holding Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) Aktien von Biogen hält. Für mich ein guter Grund, um die Aktie auf jedem Fall auf dem Zettel zu haben.

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Florian Hainzl besitzt Aktien von Berkshire Hathaway und Anteile am VanEck Vectors Morningstar Global Wide Moat ETF. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway (B-Aktien) und empfiehlt die folgenden Optionen: Long January 2021 $200 Call auf Berkshire Hathaway (B-Aktien) und Short January 2021 $200 Put auf Berkshire Hathaway (B-Aktien).

Motley Fool Deutschland 2021