Billy-Mangel bei Ikea: Warum das Kult-Regal in vielen Filialen nicht verfügbar ist

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Begehrtes Ausstellungsstück: Billy-Regal in Ikea-Filiale
Begehrtes Ausstellungsstück: Billy-Regal in Ikea-Filiale

Ikea und das Billy-Regal sind eine jahrelange Erfolgsgeschichte. Der Möbelriese verdankt seine Bekanntheit zu einem großen Teil dem populären Regal-Klassiker. Auf der Webseite des Unternehmens heißt es: „Es war einmal ein kleines Bücherregal, das quasi über Nacht weltweit zu einem Klassiker der Aufbewahrung wurde.“ Schamlose Übertreibung in eigener Sache? Natürlich. Aber im Kern stimmt es: Der 1979 designte und entwickelte Einrichtungsgegenstand wird rund 4,5 Millionen mal pro Jahr im schwedischen Dorf Kättilstorp produziert und in zahlreiche Ecken der Welt verschickt. Aus dem Ikea-Sortiment ist er nicht mehr wegzudenken.

Ein Check der „Warenverfügbarkeit“ auf der Webseite von Ikea zeigt jedoch: In den Filialen ist Billy vielerorts nur noch vereinzelt oder gar nicht verfügbar. Im Gegensatz zum weiterhin möglichen Online-Erwerb hinterlässt die physische Lücke vor Ort im Möbelhaus einen bleibenden Eindruck. Wie kann es zu der Knappheit kommen? Die Spurensuche beginnt, natürlich, bei der Konzernpressestelle.

Diese teilt schriftlich mit: „Während der Pandemie im vergangenen Jahr haben die weltweiten Seetransportkapazitäten alle Unternehmen, die vom Seetransport abhängig sind, vor Herausforderungen gestellt – so natürlich auch Ikea.“ Anhaltende Störungen, überlastete Häfen und eine historisch hohe Nachfrage im vergangenen Jahr hätten zu einem Ungleichgewicht auf dem globalen Seefrachtmarkt und zu Einschränkungen im Betrieb geführt.

Die Spuren führen nach China und in die USA

Die Billy-Knappheiten in Augsburg, Mannheim oder Sindelfingen haben also globale Ursachen. Und diese lassen sich mit zwei Schlagwörtern zusammenfassen: Rohstoffknappheit und Materialmangel. Für die europäische und auch die deutsche Industrie entwickelt sich das zu einem immer größer werdenden Problem. Unsere Recherche führt zu einer aktuellen Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Dort ist zu lesen, dass knapp die Hälfte der befragten Betriebe von Lieferengpässen oder Preissteigerungen bei Stahl betroffen ist, rund ein Viertel bei Aluminium, fast jedes fünfte deutsche Unternehmen bei Kupfer. Ein Viertel der Befragten kann Holz nicht in ausreichender Menge oder nur zu deutlich höheren Preisen beziehen.

Im vergangenen Jahr konnte Deutschland von der Holzknappheit noch profitieren: So exportierte die Bundesrepublik laut dem Statistischen Bundesamt die Rekordmenge von 12,7 Millionen Kubikmetern Rohholz. Über die Hälfte davon ging in die Volksrepublik China, wo der Bauboom nach der Corona-Krise angezogen hat. Auch in den USA herrscht eine erhöhte Nachfrage, weil der Nachschub aus Kanada nach Bränden und den Strafzöllen der im Januar zu Ende gegangenen Trump-Präsidentschaft stockt.

Das für Holz zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium verwies auf dem Höhepunkt der Krise im Mai auf mehrere Effekte, die zu einer besonders hohen Nachfrage führten, darunter eine Sonderkonjunktur im Holzbau und ein „Do-It-Yourself-Boom“ in Corona-Zeiten. Diese Effekte hätten „insgesamt bei allen Baustoffen zu Preissteigerungen und teilweise Lieferengpässen“ geführt.

Für Ikea hat dieser Umstand zwangsläufig Folgen. Das zeigt die Billy-Knappheit in den einzelnen Filialen. Die Pressestelle teilt dazu mit, dass das Unternehmen das Sortiment online und in den Einrichtungshäusern „priorisiere“, um den Wünschen der Kunden und Kundinnen nachzukommen. Gleichzeitig arbeite der Konzern daran, die Warenverfügbarkeit sicherzustellen, beispielsweise durch den Kauf eigener Container oder das Chartern zusätzlicher Schiffe. „Dadurch hat sich die Situation bereits verbessert, wir arbeiten jedoch an weiteren Maßnahmen, um die Kapazitätsengpässe im Seetransport auszugleichen", so das Unternehmen.

Das Ende unserer Spurensuche hat einen kleinen Trost für alle Billy-Fans parat: Da das Regal in Schweden produziert wird, ist es laut Ikea nicht direkt von den Turbulenzen im Ozean-Transport betroffen. Fast schon Markt-philosophisch teilt die Pressestelle mit: „Dieses Beispiel zeigt allerdings, dass in einer globalisierten Wirtschaft auch indirekte Einflüsse reale Auswirkungen haben können.“

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