„Bild“-Redaktion wurde offenbar von „Titanic“ hereingelegt

Die „Bild“ soll gefälschte E-Mails für echt befunden haben. (Bild: Getty Images)

Vermeintliche Mails an Juso-Chef Kevin Kühnert haben die „Bild“ am vergangenen Freitag zur Schlagzeile „Neue Schmutzkampagne bei der SPD!“ verleitet. Nun erklärt das Satiremagazin „Titanic“, den Schriftverkehr fingiert zu haben.

In dem offenbar gefälschten Mailverkehr ging es darum, den bevorstehenden Mitgliederentscheid der SPD über eine Große Koalition mit Bots zu beeinflussen. Ein russischer Troll namens Juri soll Kevin Kühnert angeboten haben, die Abstimmung zugunsten der „NoGroKo“-Kampagne zu manipulieren. Der Juso-Chef soll sich offen für die Vorschläge gezeigt haben.

Nun behauptet das Satire-Magazin „Titanic“ auf seiner Internetseite, die „Bild“ sei einem Fake aufgesessen. Hinter dem Schriftverkehr zwischen Juri und Kühnert stehe in Wahrheit „Titanic“-Redakteur Moritz Hürtgen. In der Erklärung heißt es unter anderem: „Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe – und Bild druckt alles, was ihnen in die Agenda passt.“


Die „Bild“ berichtet seit Wochen, wie viele andere Medien auch, kritisch über die Geschehnisse innerhalb der SPD. Doch mit dem Bericht über die „Schmutzkampagne“ scheint die zum Axel Springer Verlag gehörende Zeitung nun übers Ziel hinausgeschossen zu sein.

Scheinbar war man in der „Bild“-Redaktion übers Wochenende bereits skeptisch geworden, was die Authentizität des Mail-Austauschs betrifft. Am Montag ließ „Bild“ nämlich einen Cyber-Experten zu Wort kommen, der die Echtheit der Mails bestätigte. Security-Professor Timo Kob: „Die Server-Daten kreisen den Verfasser mit hoher Wahrscheinlichkeit auf jemanden mit Zugang zu Systemen der SPD ein – berechtigt oder unberechtigt.“

Der Autor der „Bild“-Geschichte beteuerte zudem, dass es sich nicht um eine „plumpe Fälschung“ handle.


Dabei hätte man den Fake schon frühzeitig erkennen können. Die E-Mail-Adresse von Kühnert endete in dem Schriftverkehr nämlich auf jusos.de. In Wirklichkeit nutzt der Juso-Chef aber eine Adresse, die auf spd.de endet.

Viele Leute fragen sich nun: Könnte nicht vielmehr die Behauptung der „Titanic“, hinter der Aktion zu stecken, der eigentliche Scherz sein? „Titanic“-Mann Hürtgen stellt klar, dass dem nicht so ist.



Auf Twitter amüsieren sich zudem viele User über das Schelmenstück. So erwähnte etwa der Comedian Jan Böhmermann den „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt. Denn der dürfte nun richtig sauer über die schlechte Arbeit seiner Redakteure sein.


Die Aktivistin und Autorin Jutta Ditfurth meldete sich ebenfalls zu Wort.


„Bild”-Chef Reichelt selbst hat sich inzwischen auch zu dem Vorfall geäußert. In mehreren Twitter-Beiträgen verteidigte er das Vorgehen seiner Zeitung.


Reichelt schreibt: „Natürlich darf Satire so etwas, aber sie versucht sich hier zu profilieren, indem sie journalistische Arbeit bewusst zu diskreditieren versucht.“ Man habe der SPD alle gewünschten Infos zur Verfügung gestellt und sich erst zur Berichterstattung entschlossen, nachdem die SPD eine Anzeige geprüft hat. Man habe von Anfang an geschrieben, dass die Behauptung der SPD, die Mails seien eine Fälschung, plausibel sei.