Bieterverfahren für Air Berlin wird offenbar breiter aufgestellt

Nach einem geplanten Verkauf von Air Berlin wird die Aufarbeitung der Insolvenz die Gläubiger der Fluggesellschaft voraussichtlich noch jahrelang beschäftigen. Das sagte Lucas Flöther, der vorläufige Sachwalter des Unternehmens, der "Wirtschaftswoche"

Das Bieterverfahren um eine Aufteilung oder einen Verkauf der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin wird offensichtlich breiter aufgestellt. Die Intro GmbH des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl teilte am Donnerstag mit, sie sei für kommende Woche zu einem Sondierungsgespräch eingeladen worden. Auch Ryanair bekräftigte sein Interesse an einer möglichen Komplettübernahme der hochverschuldeten Airline.

Vertreter der Bundesregierung hatten sich wiederholt dafür ausgesprochen, bei der Aufteilung von Air Berlin vor allem den nationalen Marktführer Lufthansa zu stärken. Dagegen gibt es allerdings kartellrechtliche Bedenken. Erwartet wurde, dass auch Easyjet Anteile übernehmen könnte.

Wöhrl sprach in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung von einer "Trendwende". Die Intro GmbH werde jetzt für die Fluggesellschaft "eine Fortführungsprognose erstellen, um auf dieser Basis ein qualifiziertes Angebot unterbreiten zu können", kündigte er an.

Auch Ryanair wolle für die gesamte Air Berlin bieten, benötige allerdings zunächst weitere Informationen über deren wirtschaftliche Lage, bestätigte Unternehmenssprecher Robin Kiely. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Stefan Schulte, mahnte im Magazin "Fokus" zu einem "transparenten Verfahren".

Der Generalbevollmächtigte in dem Insolvenzverfahren, Frank Kebekus, sagte der "Wirtschaftswoche": "Vor September wird es höchstwahrscheinlich keine großen Deals geben." Zuvor hatte der Gläubigerausschuss eine rasche Aufteilung von Air Berlin abgelehnt, an der vor allem die Lufthansa interessiert war. Diese bestätigte ihr "Interesse am Erwerb von Teilen" des insolventen Unternehmens.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bekräftigte die politische Präferenz für die Lufthansa. "Es muss darum gehen, dass wir einen großen verlässlichen Partner haben", sagte er dem rbb-Inforadio. Die Lufthansa sei "ein verlässlicher Partner", gerade auch am Luftverkehrsstandort Berlin.

Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sieht die Übernahmeangebote von Wöhrl und Ryanair weiter kritisch: "Fest steht, dass Air Berlin mit seinem Geschäftsmodell seit vielen Jahren Verluste schreibt", sagte sie dem "Tagesspiegel" (Freitagsausgabe). Auch habe die Bundesregierung ein Interesse, "mit der Lufthansa ein starkes deutsches Unternehmen zu haben".

"Wir bewerten es positiv, dass der Gläubigerausschuss zunächst alle Angebote für Air Berlin sichten will", erklärte Christine Behle, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi. Ihr vorrangiges Interesse liege "beim Erhalt der Arbeitsplätze und bei den zukünftigen Arbeitsbedingungen der Beschäftigten". Verdi habe den Eindruck gewonnen, dass dies auch die Ziele von Gläubigerausschuss und Insolvenzverwalter seien.

Die Gewerkschaft machte ungerechte Wettbewerbsbedingungen für die Pleite von Air Berlin mitverantwortlich. So sei es unfair, wenn europäische Airlines "in Asien Crews anheuern und sie zu asiatischen Bedingungen auf Lohndumping-Basis in Europa fliegen lassen", kritisierte Verdi.

Schlecht sieht es in dem Insolvenzverfahren für die Ansprüche von Kunden und Aktionären von Air Berlin aus. "Die Aktionäre gehen leer aus", äußerte sich Kebekus in der "Wirtschaftswoche" überzeugt. Auch für die separate Gesellschaft, die sich um die Bonusmeilen von Air Berlin kümmert, zeichne sich eine Insolvenz ab. Ebenso könne die Fluggesellschaft derzeit Entschädigungen für Flugverspätungen oder -ausfälle "leider nicht auszahlen".