Überraschend hat Comcast ein Angebot für Sky vorgelegt und könnte so Medienmogul Rupert Murdoch düpieren. Die Börse jubelt.


Für den Medienmogul Rupert Murdoch ist es wohl ein Schlag ins Gesicht: Über Nacht hat sich der US-Medienkonzern Comcast in die seit Monaten laufende Übernahme des britischen TV-Senders Sky eingemischt. Überraschend legte der US-Konzern ebenfalls ein Gebot für Sky auf den Tisch. Zu dem Unternehmen gehört auch der gleichnamige deutsche Pay-TV-Sender.

Comcast will 12,50 britische Pfund je Sky-Aktie zahlen. Das seien rund 16 Prozent mehr, als Murdochs Fox-Konzern geboten habe und 13 Prozent mehr, als eine Aktie am Vortag gekostet habe, teilte der Konzern am Dienstag mit. Würde Comcast alle Aktien einsammeln, müsste der US-Konzern 22,1 Milliarden britische Pfund (rund 25 Milliarden Euro) auf den Tisch legen.

Das Angebot zeigte Wirkung, die Investoren reagierten begeistert. Am Londoner Aktienmarkt schoss der Kurs von Sky um rund 20 Prozent in die Höhe. Das Papier notierte damit im frühen Handel bei 13,07 Pfund.


Comcast-Chef Brian Roberts warb für sein Gebot – und teilte dabei direkt gegen seinen Kontrahenten Murdoch aus: „Wir sind zuversichtlich, dass wir die notwendigen Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden erhalten werden”, erklärte Roberts bei Vorlage der Offerte – und verkniff sich damit wohl nur mit Mühe den Zusatz: „im Gegensatz zu Murdoch”.

Denn dieser hatte über das von ihm kontrollierte US-Unternehmen 21st Century Fox bereits vor über einem Jahr ein Gebot für Sky gemacht, seitdem aber Schwierigkeiten mit den britischen Wettbewerbsbehörden, die den Deal nicht ohne Weiteres genehmigen wollen.

Ursprünglich hatte Murdoch die Übernahme schon längst abschließen wollen. Aber derzeit läuft noch eine Überprüfung durch die britische Aufsicht. Für die kommenden Monate war mit einem Urteil gerechnet worden.

Doch ohne die Zustimmung von Murdoch muss Comcast sehr viele der anderen Investoren überzeugen, das Angebot anzunehmen. Comcast will Sky gern vollständig schlucken, mindestens aber 50 Prozent der Aktien kaufen. 39 Prozent hält jedoch bereits Murdochs 21st Century Fox.


Die Schlacht um Sky ist somit komplizierter, als es zunächst den Anschein hatte. Zumal 21st Century auch bereits einen Milliardendeal mit Walt Disney vereinbart hat. Nach dessen Abschluss sollte das Sky-Paket eigentlich Walt Disney zufallen.

Warum Sky so begehrt ist, erklärt Comcast-CEO Roberts mit der „herausragenden Stellung“ von Sky in europäischen Märkten, das sei „vergleichbar“ mit Comcast in den USA. Sky soll Comcast als Sprungbrett für die Expansion nach Europa dienen. So gehört auch die deutsche Tochter Sky Deutschland seit einigen Jahren komplett zum Sky-Konzern.

Zwar ist auch Comcast bereits in London vertreten, aber durch einen Zusammenschluss mit dem britischen Sender würde der Auslandsumsatz von zuletzt neun auf 25 Prozent steigen. Man wolle auch nach einer Übernahme nicht das Unternehmen abbauen, beteuerte Roberts.

Das dürfte bei den Sky-Mitarbeitern für Erleichterung sorgen – angesichts der schleppenden Übernahme durch 21st Century hatten einige von ihnen schon um ihren Job gefürchtet, sollte Murdoch durch eine Umstrukturierung versuchen, grünes Licht von den Regulierungsbehörden zu erhalten. Die Reaktion von 21st Century steht aber noch aus.