Die Biennale in Lyon reist durch die Zeit

Die Biennale für zeitgenössische Kunst in Lyon ist zu einem festen Termin im Kulturkalender Europas geworden. 88 Künstler aus 39 Ländern zeigen bis zum Ende des Jahres ihre Werke in verschiedenen Museen oder einer alten Fabrik.

Alle Stile und Epochen

Die aktuelle Ausgabe bezieht unterschiedliche Orte der Stadt ein, von römischen Ruinen bis zu Industriebrachen, vom Museum für Religion bis zum Naturkundemuseum. Die Kultureinrichtungen zeigen alle Stilrichtungen und Epochen.

"Wir haben in Lyon das Glück, dass die Geschichte in der Architektur und in den Museen sichtbar ist", so Ko-Direktorin Isabelle Bertolotti. "Es gab eine großartige Zusammenarbeit, die es uns ermöglicht hat, diese Verbindung zwischen zeitgenössischer Kunst, wie man sie sich heute vorstellt, aber auch alter Kunst herzustellen und alle Bezüge zu zeigen, die zwischen diesen Zeiträumen und ihren Künstlern geknüpft werden können."

Die ehemalige Fagor-Fabrik ist der größte Ausstellungsraum der Biennale. Dort sind alle künstlerischen Formen vertreten, von der Malerei über Multimedia bis hin zu Skulptur und Fotografie. Die diesjährige Biennale mit dem Titel "Manifest der Zerbrechlichkeit" verantworten zwei weltbekannte Kuratoren.

"Viele der Künstler hier kommen aus dem Libanon oder aus anderen Teilen der Welt. das war unser roter Faden: Sich mit Künstlern zu beschäftigen, die mit dem Thema Zerbrechlichkeit arbeiten, das Material, das sie verwenden, die Geschichten, die sie aufgreifen, die Themen, die sie aufwerfen, und die Fragen, die sie stellen", so Ko-Kurator Sam Bardaouil.

Sein Kollege Till Fellrath fügt an: "Es sind Künstler aus der ganzen Welt, die bestimmte Dinge ansprechen. Aber wir halten es für ebenso wichtig, einen vertikalen Zugang zur Zeit zu haben, um deutlich zu machen, dass die Dinge zurückkommen, dass wir heute gar nicht so anders sind wie vor 2000 Jahren, dass sich die Technologie vielleicht verändert hat, aber dass wir im Grunde immer noch dieselben Menschen sind, und dass wir in vielerlei Hinsicht eine sehr wichtige Lektion zu verstehen haben, dass wir eine Menschheit sind."

Abstraktion von Zeit und Raum

Eine der eindrucksvollsten Installationen stammt vom belgischen Künstler Hans Op de Beeck: Mit "We Were the Last to Stay" wird eine ganze Stadt als postapokalyptische Vision rekonstruiert.

"Indem man die Farbe wegnimmt und man als hindurchlaufender Betrachter das einzige farbige Element ist, fallen wir, wenn wir uns in dieser grauen Umgebung ansehen, sehr seltsam auf, weil wir farbig sind", erklärt der Künstler. "So unterscheidet man zwischen dem wirklichen Leben, wie es ist, in voller Farbe, und einer Art "Nachbild" oder einer Art Abstraktion von der Realität. Wie beispielsweise die Schwarz-Weiß-Fotografie ist auch diese Installation eine Abstraktion von Zeit und Raum."

Ein weiterer Ausstellungsort ist das ehemalige Guimet-Museum für Naturgeschichte: Dort zeigt der Franzose Ugo Schiavi die Monumentalausstellung "Grafted Memory System": "Dieses Naturkundemuseum hat sich in ein Datenzentrum verwandelt, aber ein Datenzentrum, das bereits aufgegeben ist, also eine Zukunft, die bereits vergangen ist, wo die Kabel wie Wurzeln wirken, die Pflanzen haben schließlich alle Daten ersetzt, die durch all diese Kabel laufen", so der Künstler.

Das Museum für zeitgenössische Kunst zeigt eine große Ausstellung über "Beirut and The Golden Sixties".

Werke von zeitgenössischen libanesischen Künstlern, darunter das Filmemacher-Duo Joana Hadjithomas & Khalil Joreige, das eine Multimedia-Installation zur Explosion im Hafen von Beirut vom 4. August 2020 geschaffen hat:

"Unser Studio in Beirut wurde mit vielen unserer Werke zerstört, das brachte uns dazu, viel über die Fragilität von Kunst und die Zerbrechlichkeit von Institutionen, die Kunst schützen müssen, nachzudenken", erzählt Joana Hadjithomas. "Wir arbeiteten mit diesem Thema, es ist ein bisschen wie ein Symbol für die Gewalt der Explosion."

Die Biennale "Manifest der Zerbrechlichkeit" kann bis zum 31. Dezember in Lyon entdeckt werden.