USA vereiteln nach eigenen Angaben weiteren Anschlag auf Flughafen Kabul

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Die USA haben nach eigenen Angaben einen weiteren Anschlag auf den Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul vereitelt.

Taliban-Kämpfer in Kabul (AFP/Aamir QURESHI)
Taliban-Kämpfer in Kabul (AFP/Aamir QURESHI)

Dem Pentagon zufolge führte die US-Armee am Sonntag einen Drohnenangriff auf ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug aus, um eine "akute Gefahr" für den Kabuler Flughafen durch den Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Afghanistan (IS-K) zu beseitigen. Von dem Flughafen starten derzeit die letzten US-Evakuierungsflüge.

Der Drohnenangriff auf das Fahrzeug löste nach Angaben des US-Zentralkommandos (Centcom) Explosionsgeräusche aus. Dies belege, dass in dem Fahrzeug eine "große Menge an Sprengstoff" gewesen sei, sagte Centcom-Sprecher Bill Urban. Seinen Angaben zufolge gab es zunächst keine Hinweise auf zivile Opfer durch den Drohnenangriff.

Der US-Drohnenangriff erfolgte nur einen Tag nach einem Vergeltungsangriff der US-Armee auf IS-K in der ostafghanischen Provinz Nangarhar, bei dem nach Pentagon-Angaben zwei Logistikexperten der islamistischen Splittergruppe getötet wurden. IS-K hatte sich zu dem verheerenden Selbstmordanschlag am Flughafen von Kabul am Donnerstag bekannt, bei dem mehr als hundert Menschen getötet wurden, darunter 13 US-Armeeangehörige.

Biden hatte vor weiterem Anschlag gewarnt

US-Präsident Biden sprach am Samstag von einer weiterhin hochgefährlichen Sicherheitslage in Kabul. Nach Einschätzung der US-Armeeführung sei ein weiterer Anschlag "in den nächsten 24 bis 36 Stunden sehr wahrscheinlich". Biden kündigte weitere Vergeltungsangriffe gegen IS-K an. Am Sonntag reiste der US-Präsident auf den Armeestützpunkt Dover im US-Bundesstaat Delaware, um an einer Zeremonie zum Eintreffen der Särge der bei dem Selbstmordanschlag getöteten US-Soldaten teilzunehmen.

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Der afghanisch-pakistanische IS-Ableger wird für eine Reihe schwerer Anschläge in der Region in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht. Unter anderem töteten Kämpfer der Splittergruppe Zivilisten in Moscheen, Schulen, auf öffentlichen Plätzen und sogar in Krankenhäusern. IS-K und die Taliban, die seit zwei Wochen wieder die Macht in Afghanistan haben, folgen beide einer extremistischen sunnitischen Auslegung des Islam. Dennoch sind die beiden Gruppierungen aufs Bitterste verfeindet.

USA wollen am Dienstag alle Soldaten abziehen 

Die USA wollen bis Dienstag alle Soldaten aus Afghanistan abziehen. Die Bundeswehr hatte ihre Rettungsmission bereits am Donnerstag beendet, auch die anderen westlichen US-Verbündeten haben ihre Evakuierungsflüge aus Kabul größtenteils eingestellt.

Afghans hoping to leave Taliban-controlled Afghanistan queue at the main entrance gate of Kabul airport (AFP/WAKIL KOHSAR)
Rettungsmissionen und Evakuierungen findet aktuell vorerst nicht statt (AFP/WAKIL KOHSAR)

Um auch in Zukunft humanitäre Einsätze in Afghanistan zu ermöglichen, wollen sich Großbritannien und Frankreich nach Angaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei den Vereinten Nationen für die Schaffung einer "sicheren Zone" in Kabul einsetzen. Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats - Frankreich, Großbritannien, die USA, Russland und China - beraten am Montag in einer Krisensitzung über die Lage in Afghanistan.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) startete am Sonntag zu einer mehrtägigen Reise in die Türkei, nach Katar sowie in mehrere Nachbarstaaten Afghanistans, um dort über künftige Ausreisemöglichkeiten für Deutsche und schutzbedürftige Afghanen zu beraten. "Deutschlands Engagement endet nicht mit dem Abschluss der militärischen Evakuierungsmission", betonte er vor seinem Abflug.

Nach Angaben der USA haben mehr als 114.000 Menschen über die von den USA koordinierte Luftbrücke Kabul verlassen. Zahlreiche im Land zurückbliebene Afghanen fürchten eine neue Schreckensherrschaft der Taliban wie zwischen 1996 und 2001. Die Vereinten Nationen rechnen mit bis zu einer halben Million weiteren afghanischen Flüchtlingen bis Jahresende.

 isd/gt

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