G7-Gipfel bereitet Gesundheitspakt gegen künftige Pandemien vor

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Gruppenfoto der Teilnehmer zum Auftakt des Gipfels

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Länder bereiten bei ihrem Treffen in Cornwall einen Gesundheitspakt zur Vermeidung künftiger Pandemien vor. "Zum ersten Mal sind heute die führenden Demokratien der Welt zusammengekommen, um sicherzustellen, dass wir nie wieder unvorbereitet getroffen werden", erklärte der britische Premierminister Boris Johnson nach dem ersten Gipfeltag am Freitag. "Das bedeutet, Lehren aus den vergangenen 18 Monaten zu ziehen und Dinge beim nächsten Mal anders zu machen."

Zu den Schritten, welche die G7-Staaten laut Johnson gemeinsam unternehmen wollen, gehört etwa die schnellere Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen, Behandlungs- und Diganosemethoden. Bei neuen ansteckenden Krankheiten soll dies demnach künftig nicht länger als 100 Tage dauern. Außerdem sollen die globalen Überwachungsnetzwerke gestärkt werden.

Die Staatsoberhäupter wollen sich laut britischen Angaben dazu verpflichten, ihre Kapazität der Genomsequenzierung zu erhöhen, um gefährliche Virusvarianten schneller zu identifizieren. Mit Reformen soll außerdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestärkt werden. Großbritannien drängt zudem wie die USA auf weitere Untersuchungen zum Ursprung des Coronavirus in China.

Die Debatte am Samstag könnte auch die heikle Frage der Aussetzung von Patenten auf Impfstoffe beinhalten. Die USA und Frankreich etwa unterstützen dies, um die Produktion zu beschleunigen. Deutschland ist dagegen. Die Ergebnisse der Beratungen werden am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung veröffentlicht.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, der in manchen Kreisen für sein zu großes Entgegenkommen gegenüber China kritisiert wird, begrüßte den geplanten Gesundheitspakt. Seine Organisation werde sich den britischen Vorschlag für einen "globalen Pandemie-Radar" zu Herzen nehmen. "Die Welt braucht ein stärkeres globales Überwachungssystem, um neue Epidemie- und Pandemierisiken zu erkennen."

Das Treffen der Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Japan, Kanada und den USA hatte am Freitag mit einem Bekenntnis zur verbesserten Zusammenarbeit begonnen. Die noch nicht offizielle Ankündigung einer Spende von einer Milliarde Impfstoffdosen an ärmere Staaten traf allerdings bereits auf Kritik. Hilfsorganisationen bezeichneten die Pläne als unzureichend.

Zuletzt war der Druck auf die reichen Staaten gestiegen, ihre Corona-Vakzine mit ärmeren Ländern zu teilen. Der WHO-Experte David Nabarro nannte das Vorgehen der G7 bei der globalen Impfstoffverteilung "zu langsam". Auch die Chefin der Europäischen Arzneimittel-Agenur, Emer Cooke, forderte weltweiten Zugang zu Corona-Impfstoffen.

Der Gipfel markiert das erste persönliche Zusammentreffen der G7-Chefs seit dem Beginn der Pandemie. Für Merkel dürfte es der letzte G7-Gipfel sein; er ist zugleich die Bühne für ihr erstes persönliches Treffen mit Joe Biden in seiner Funktion als US-Präsident. Wie kurz vor Beginn des Gipfels bekannt wurde, trifft Merkel Biden erneut am 15. Juli im Weißen Haus.

Neben Zusagen für Impfstoffspenden an arme Länder wird erwartet, dass die G7 mehr Infrastrukturhilfen für Entwicklungsländer bereitstellen, um sich dem wachsenden Einfluss Chinas in Afrika, Asien und Lateinamerika entgegenzustellen. Geplant sei eine Initiative mit "hohen Standards, transparenten, klimafreundlichen und nicht-korrupten Mechanismen", sagte ein US-Vertreter.

Die wirtschaftliche Erholung von der Corona-Pandemie bildete den Schwerpunkt der Gespräche der Staats- und Regierungschefs am Freitag. Am Samstag dominieren dann die Themen Wirtschaft und Außenpolitik den Gipfel. An den Gesprächen nehmen zeitweise auch Australien, Südkorea, Südafrika und Indien teil. Am Sonntag liegt ein Schwerpunkt auf dem Klimawandel.

pe

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