Biathleten fühlen sich betrogen: "Jury hat keine Eier gezeigt"

Jonas Nohe, Sportinformationsdienst (SID)
Dominik Windisch setzt sich im Zielsprint gegen Arnd Peiffer durch

Als der Protest der deutschen Biathleten nach einer halben Stunde bangen Wartens abgeschmettert wurde, verwandelte sich die Enttäuschung in blanke Wut. "Das war ein ganz klarer Regelverstoß, der eine Disqualifikation nach sich ziehen muss! Leider hat die IBU keine Eier gezeigt", ereiferte sich Erik Lesser über den Weltverband. Nach einem Drama um Schlussläufer Arnd Peiffer fühlte sich die Mixed-Staffel mit Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier um Bronze betrogen.

Nachdem er Gold beim letzten Schießen vergeben hatte, warf Unglücksrabe Peiffer im packenden Zielsprint um Platz drei dem Italiener Dominik Windisch Behinderung vor. "Das lief nicht fair ab", schimpfte Peiffer, der als Ersatzmann erst kurzfristig für Simon Schempp (Halsschmerzen) in das deutsche Quartett gerückt war. Ohne seine Fahrkarten hätte der Sprint-Olympiasieger die deutsche Staffel zu diesem Zeitpunkt allerdings schon längst zum großen Triumph gelaufen (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).

Peiffer wütend über "Scheiß-Strategie"

Auslöser der großen Aufregung war ein Bahnwechsel von Windisch auf den letzten Metern - für die IBU war er allerdings regelkonform, da Peiffer laut der Jury seine Geschwindigkeit nicht habe verringern müssen. Peiffer redete im Ziel dennoch vehement auf Windisch ein und warf im Absicht vor. "Dominik hat mir gesagt, dass das seine Strategie gewesen war. Ich meinte, dass es eine Scheiß-Strategie ist", sagte Peiffer. Die IBU-Argumentation konnte er nicht nachvollziehen: "Ich habe sehr wohl Tempo verloren."

Dahlmeier, die gemeinsam mit Vanessa Hinz und Lesser einen Vorsprung von 32,6 Sekunden für Peiffer herausgearbeitet hatte, verstand angesichts der Begründung die Welt nicht mehr. "Regeln müssen eingehalten werden. Wir Deutschen versuchen uns ja auch immer korrekt zu verhalten", sagte die 24-Jährige, für die das Urteil zumindest "einen faden Beigeschmack" besaß.

Jury-Entscheidung fiel einstimmig

Dass es innerhalb der Rennjury offenbar keinerlei Unstimmigkeiten gab, verwunderte umso mehr. Laut Renndirektor Borat Nunar hatten die Verantwortlichen "einstimmig" entschieden - Lesser brachte das nur noch mehr in Rage. "Es ist sehr schade, dass die IBU so lasch mit ihren Regeln umgeht. Irgendwie sind die Entscheidungen sehr fahrig, das muss hinterfragt werden", sagte der 29-Jährige, der Peiffer im Ziel tröstend in den Arm nahm. Der Sprint-Olympiasieger hätte mit einem soliden Rennen gar keine Diskussionen aufkommen lassen müssen.


Die spätere Gold-Staffel Frankreich um Superstar Martin Fourcade lag beim letzten Wechsel sogar 50 Sekunden zurück. Weil Peiffer aber am Schießstand patzte und sich sogar eine Strafrunde einhandelte, öffnete er den Konkurrenten die Tür. Silber ging an Norwegen vor Italien (Medaillenspiegel der Olympischen Spiele).

Keine Vorwürfe gegen Peiffer

"Ich hatte alle Trümpfe in der Hand und habe nichts daraus gemacht. Das ärgert mich am meisten. Ich habe es versaut. Das tut mir für die anderen drei, die einen wahnsinnigen Job geleistet haben, unheimlich leid", sagte Peiffer.

Vorhaltungen machte ihm aber niemand. "Es wäre meine erste Medaille gewesen. Aber ich würde Arnd nie einen Vorwurf machen. Ich habe auch schon oft genug eine Strafrunde geschossen und weiß, dass es nicht einfach ist, an letzter Stelle in die Staffel zu gehen und das Podest vor Augen zu haben", sagte Startläuferin Vanessa Hinz.

Ähnlich dachte auch Laura Dahlmeier: "Wir gewinnen und verlieren zusammen. Und für den Arnd war das eben ein Scheiß-Tag."