Beyerdynamic DT 240 PRO Review

Sascha Koesch
(engadget)


Ich gestehe mal vorweg, ich bin ein Bass-Junkie. Nicht im Sinne von gib mir Gewummer und ich bin glücklich, nein, ganz im Gegenteil, Bass muss präzise und wuchtig sein, wie ein Gefühl, aber auch rund und harmonisch. Für Menschen die diesen Vergleich verstehen, auf einer Skala von 808 bis 909 tendiere ich definitiv weit in Richtung ersteres. Ich erwähne das nur, weil ich beim Test für den Beyerdynamic DT 240 PRO stundenlang Bassdrums geschraubt habe. Mit ein paar wechselnden Kopfhörern und Lautsprechern. Mit dem Blick auf Frequenzspektren, den Fingern an den diversesten Reglern und dem Klang ganz im Kopf versunken. Tatsächlich habe ich mir wohl nebenbei auch noch einen kleinen Hörtest verordnet. 10Hz - knapp 18Khz machen meine Ohren noch mit. Letzteres aber eher unter Schmerzen.

Die Idee hinter dem DT 240 PRO ist: ein Monitor-Kopfhörer für verschiedenste Einsatzbereiche zu sein. Im Idealfall funktioniert er also im Studio genau so zuverlässig wie am Rechner oder eben am iPhone. Es ist ein sogenannter "Compact Over Ear"-Kopfhörer. Offen also, aber dennoch gut abschließend. Das kommt bei meinen Ohren (nicht die kleinsten) gut hin. Er holt einen nicht komplett aus der Umgebung heraus, aber lässt auch nicht allzu viel durch. Ein Kompromiss vielleicht, aber kein schlechter. So ist der Tragekomfort für endlos lange Stunden gesichert, aber er hat dennoch einen sanften Druck.

Es soll ein Referenz-Kopfhörer sein, dabei überraschend billig (99€), ein Studio-Kopfhörer für universellen Einsatz, der auch bei mobilen Arbeits-Umgebungen und am Smartphone noch alles rausholt und dabei doch tragbar genug bleibt. Das ist grundlegend ein guter Gedanke und ich würde sagen: ja, das kann er auch alles. Ein massiver Frequenzgang (5 – 35.000 Hz), sehr ausgeglichen verteilt, ein hoher maximaler Pegel (119 dB SPL), ein unauffälliges Gewicht (196 g).



(engadget)

Egal an welchem Gerät man ihn benutzt, man wird nie enttäuscht sein, sofern das Gerät selber gut klingt. Aus meinem MacBook Air holt er überraschend viel Klang (und auch Lautstärke) raus, auch am Smartphone bleibt er stabil, am Mixer und an anderen DJ-Tools ebenso wie an der Soundkarte. Eine Referenz zu haben, d.h. immer den gleichen Kopfhörer für alles zu nutzen, halte ich, genau so wie wer auch immer diesen Kopfhörer konzeptioniert hat, eh für essentiell. Jegliches Wechseln mag da für ein gelegentliches Klangerlebnis anderer Art gut sein, aber es zerstört auch im nu Vergleichswerte. Also die Fähigkeit, nahezu instinktiv zu wissen wie etwas wo klingen mag.

Jetzt zurück zum Bass-Junkie und warum ich das überhaupt erwähnt habe. Wer wie ich Musik vor allem für den Club macht, hört und dann auch noch auflegt, für den dürfte der DT 240 PRO etwas zu wenig Druck im Bass haben. Man fühlt den Bass hier nicht so, wie man ihn in so einer Umgebung erwarten würde oder muss. Dabei ist der Kopfhörer aber alles andere als schwächelnd in den Bässen. Sie sind sehr präzise bis in tiefe Tiefen, aber eben doch nicht ganz so physisch wie es beispielsweise mein Standard-DJ-Kopfhörer (Zinken) rüberbringt. Der allerdings drückt notwendigerweise auch nach einigen Stunden und nimmt man ihn dann ab, hat man das Gefühl, die Welt ist in Watte getunkt worden.



Kurzer Exkurs ins Design: es ist unauffällig, aber klassisch. Ledrig warm gepolsterte Muscheln und Bügel (darunter Metall), mattschwarz und angenehm die Ohrhörer, die halb zur Seite einfaltbar sind, so dass man sie z.B. gut in einen Koffer oben auf packen kann. Er hat ein relativ langes Spiralkabel (1,5m), das unterwegs vermutlich etwas lang sein könnte, aber im Studio gute Bewegungsfreiheit bedeutet. Nein, ein Mikrofon ist da nicht drin. Verständlich, aber eigentlich auch schade. Das Kabel wird im Kopfhörer selbst mit einer Microklinke (lange nicht gesehen) eingesteckt, am anderen Ende ist eine Miniklinke mit einem ganz guten Trick. Sie hat ein kleines herausstehendes Gewinde über dass der 6,35mm Adapter angesteckt werden kann und dass die Länge des Microklinkensteckers etwas verlängert, was vor allem bei Smartphones oder Tablets in Cases schon mal Gold wert sein kann, auch wenn es in anderen Fällen irgendwie komisch aussieht. Funktionalität geht hier vor und obendrein ist die große Klinkenverbindung so sehr stabil.

Ich muss sagen, ich habe den Klang dann auch wirklich an allen möglichen Endgeräten getestet und war diverse Male positiv überrascht. Perfekt (und überraschend laut) für iPads, iPhones, Rechner etc. war er dann wieder unerwartet leiser an Mischpulten. Er verträgt einiges an Lautstärke, ohne zu zerren, oder das Klangbild arg zu verändern. Und das Klangbild ist wirklich sehr ausgeglichen. Nichts wird hier überbetont, nichts verliert groß an Balance im Mix. Relativ breit und geräumig wirkt es obendrein, ohne sich hier groß einzumischen, so dass man sich auch nach langer Zeit noch sehr gut in den Klang hineinhören kann, ohne die Ohren zu ermüden. Für diesen Preis ist das schon eher überraschend. Klar, es gibt immer Kopfhörer die in manchen Punkten mehr können, aber als Allrounder trifft er oft genug genau den Nerv, selbst wenn ein wirklicher Referenzkopfhörer für alle Lagen (s.o.) für mich wohl weiter ein Traum bleiben dürfte, der DT 240 PRO kommt schon recht nah ran, speziell wenn man häufiger mit der Produktion von Sound unterwegs arbeitet.

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