"Eine bewohnte Fußgängerzone"

Martin Esch gehörte zu den Initiatoren der Autofreien Siedlung - Vor zehn Jahren...

Am Samstag, 2. September, lädt der Anwohnerverein "Nachbarn 60" zum "Sommerfest im Stellwerk 60", der Autofreien Siedlung von Nippes, ein. Gefeiert wird der zehnte Geburtstag des Viertels: Damals zogen die ersten Bewohner aufs Areal. Heute wohnen rund 1550 Menschen auf dem vier Hektar großen Teil des ehemaligen Bahn-Werkstattgeländes. Los geht es ab 15 Uhr, Ende offen. Vereinsmitglied Martin Esch gehörte zu den damaligen Initiatoren der Siedlung. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" sprach mit ihm.

Herr Esch, Sie waren von Beginn an bei den Planungen für die Siedlung dabei. Wie ist das Projekt damals entstanden?

Für die Autofreie Siedlung hat sich 1994 eine Bürgerinitiative gegründet. In Zusammenarbeit mit Stadt und Parteien erging 1998 der Ratsbeschluss, der die rechtlichen Voraussetzungen für die Siedlung schaffte. Bis die ersten Bewohner einzogen, dauerte es aber bis 2006. Von denen, die von Anfang an dabei waren, zogen aber nur wenige ein - zwölf Jahre sind ja auch eine lange Zeit.

Wie viel ist von den einstigen Ideen für die Siedlung übrig geblieben?

Ein Großteil ist verwirklicht worden, einige Dinge eher nicht. Was in Erfüllung gegangen ist: Die Autofreie Siedlung ist wie ein Dorf in der Stadt, eine große bewohnte Fußgängerzone, in der sich alle gefahrfrei aufhalten können - bis hin zu den Kindern und Senioren. Kinder spielen bei uns massenhaft auf den Wegen. Das Leben findet auf der Straße statt, es gibt auch mal Musik vor den Häusern. Oder man stellt die Stühle heraus und frühstückt draußen. Der Zusammenhalt ist stark: Wir haben etwa urbanes Gärtnern, Feste und Flohmärkte sowie unsere Mobilitätsstation, in der man sich auch Dinge des täglichen Bedarfs ausleihen kann - und unser Café mit Bücherei.

Was ist weniger geglückt?

Was nicht den Vorstellungen von damals entspricht ist, dass 20 Prozent der Haushalte ein Auto besitzen dürfen. Die Klausel hat dazu geführt, dass man am Siedlungs-Eingang direkt auf ein Parkhaus trifft. Dort gibt es zwar Besucher- und Carsharing-, aber auch 80 Bewohner-Stellplätze. Die komplette Autofreiheit wurde so aufgeweicht, es war aber politisch so gewollt. Das hat auch dazu geführt, dass Leute einzogen, die sich nicht an die Regeln hielten und etwa in Nachbarvierteln parkten; ein großes Ärgernis.

Was aber sicher geholfen hat, ist das seit drei Jahren bestehende Anwohner-Parken im Umkreis.

Ja, das war sehr wichtig: Es ist nicht mehr ohne weiteres möglich, heimlich in Nachbarvierteln zu parken. Wir hoffen nun, dass noch einige Leute ihr Auto abschaffen. Hier gibt es Angebote, die das leichter machen - von der Bahnanbindung, der Fahrrad-Infrastruktur mit eigenen Tiefgaragen über Carsharing zur Mobilitätsstation. Allgemein aber steht die große Mehrheit der Bewohner zum Konzept und lebt ohne eigenen Pkw: das macht die Qualität der Siedlung aus....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta