Bewerberinnen mussten sich ausziehen: Recruiter prüften künftige Flugbegleiterinnen auf Narben, Muttermale und Tattoos

Männliche Bewerber wurden bei einer Recruiting-Veranstaltung für Kuwait Airways in Spanien abgewiesen – Bewerberinnen hingegen auf Narben und Muttermale überprüft. - Copyright: Robert Smith/MI News/NurPhoto via Getty Images
Männliche Bewerber wurden bei einer Recruiting-Veranstaltung für Kuwait Airways in Spanien abgewiesen – Bewerberinnen hingegen auf Narben und Muttermale überprüft. - Copyright: Robert Smith/MI News/NurPhoto via Getty Images

Frauen, die Flugbegleiterinnen bei Kuwait Airways werden wollten, wurden nach Angaben der spanischen Zeitung "El Diario" aufgefordert, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen, damit die Recruiter ihre Körper inspizieren konnten. Eine 23-Jährige, von "El Diario" lediglich bei ihrem Vornamen Mariana genannt, erzählte der Zeitung, dass sie aufgefordert worden sei, sich bis auf ihren BH, ihren Rock und ihre Strumpfhose auszuziehen, während eine Recruiterin Kommentare in ein Notizbuch schrieb. "Ich fühlte mich wie ein Tier im Zoo", sagte sie rückblickend über ihre Erfahrung.

Der Vorfall ereignete sich demnach im November in einem Hotel in Madrid, Spanien, während einer Recruiting-Veranstaltung, die Meccti organisiert hatte – eine Agentur, die sich selbst als die größte Recruiting-Agentur für Flugbegleiter bezeichnet. Drei Quellen erklärten "El Diario", dass der Interviewprozess von Anfang an unangenehm gewesen sei.

Bewerberinnen gefragt, ob sie für den Job abnehmen würden

Bei einer ersten Inspektion hätten die Recruiter Frauen mit Brillen, Zahnspangen, sichtbaren Narben oder Leberflecken abgewiesen – ebenso Frauen, die sie für übergewichtig hielten. Die Recruiter hätten einige gefragt, ob sie für den Job abnehmen würden, und andere, ob sie bereit wären, "mehr zu essen". Die Recruiter hätten eine Bewerberin abgelehnt, nachdem Kommentare fielen, dass ihnen "ihre Haut oder ihr Lächeln nicht gefiel", so erzählte es Mariana.

Die Frau erzählte "El Diario" auch, dass nur drei der etwa 60 Teilnehmer der Veranstaltung männlich gewesen seien. Die Recruiter hätten sie dann mit dem Hinweis abgewiesen, dass die Fluggesellschaft nur kuwaitische Männer einstelle.

Frauen mussten sich vor Recruiterin ausziehen

Später hätten die Recruiter die engere Auswahl der Bewerberinnen gebeten, einzeln in einen Raum zu gehen. Dort habe eine Recruiterin sie dann aufgefordert, sich auszuziehen. 23-jährige Flugbegleiterin aus Rumänien, von "El Diario" bei ihrem Vornamen Bianca genannt, sagte der Zeitung: "Das erste Mädchen, das hineinging, kam weinend wieder heraus."

Sie erzählte den anderen Bewerberinnen, dass sie aufgefordert worden sei, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen. "Die anderen kamen heraus und sagten das Gleiche. Ich konnte es kaum fassen. Ich bin ausgeflippt – aber sie haben nicht übertrieben", sagte Bianca.

Als Bianca den Raum betrat, habe die Recruiterin sie aufgefordert, ihr Kleid hochzuziehen. "Ich zog es ein wenig hoch, bis knapp unter mein Knie, und sie zog es bis zu meinem Höschen hoch. Mein Kleid hatte hinten einen Reißverschluss, und sie bat mich, es bis zur Taille herunterzuziehen, sodass ich nur mit meinem BH dastand." Die Recruiterin habe Bianca gesagt, dass sie nach "Narben, Muttermalen und Tätowierungen" suche.

Maria, eine 19-jährige Studentin, sagte der spanischen Tageszeitung: "Zuerst habe ich meine Bluse ausgezogen und meine Hose angelassen – und dann umgekehrt." Maria erzählte "El Diario", dass die Recruiterin "mich von oben bis unten betrachtete" und "sich bückte, um mich von den Knöcheln anzuschauen".

Bewerber sollten „angemessenes Gewicht“ und „angemessene Größe“ haben

In der Anzeige von Meccti für die Einstellungsveranstaltung hieß es, dass die Bewerber mindestens 1,70 Meter groß sein sollten – mit einem "angemessenen Gewicht und einer angemessenen Größe" – und ein "ausgezeichnetes Gesamtbild" abgeben sollten.

Das spanische Arbeitsministerium hat eine Untersuchung des Einstellungsverfahrens von Meccti eingeleitet. Joaquín Pérez Rey, der spanische Staatssekretär für Beschäftigung, bezeichnete das mutmaßliche Verhalten der Anwerber als "untragbares Verhalten, das die Würde und die Grundrechte dieser Frauen verletzt". Kuwait Airways und Meccti haben nicht sofort auf Anfragen von Insider reagiert.

Auf Twitter hat Kuwait Airways darauf verwiesen, dass die Airline seit fünf Jahren dieselbe Personalvermittlungsagentur nutze, mit der auch 90 Prozent der anderen Airlines der Region zusammenarbeiteten. Ein solcher Vorfall sei bisher noch nicht vorgekommen und man könne Vorfälle, die Personen demütigen oder degradieren, nicht billigen. Und weiter: Der Vorfall werde untersucht.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.