Bewerben wir uns bald nur noch per App?


Netzwerken, Shoppen, Flugtickets bestellen, per WhatsApp Bilder und Nachrichten verschicken, bargeldlos bezahlen: Nichts geht mehr ohne unsere mobilen Alleskönner. Fast jeder Erwachsene in Deutschland besitzt heutzutage ein Smartphone. Das hat unser Kommunikations- und Konsumverhalten radikal verändert, denn in der mobilen Welt läuft alles schneller. Laut einer Studie der Uni Bonn haben wir alle sieben Minuten unser Handy in der Hand - und verbringen in Summe drei Stunden täglich damit.

Kein Wunder, dass auch auf Online-Jobbörsen ein Großteil des Traffics heute mobil stattfindet, also per Smartphone und Tablet. Oder suchen Sie noch ganz klassisch in gedruckten Zeitungsanzeigen nach einem neuen Job? Besonders spannend ist, wie all das die Erwartungshaltung der Kandidaten verändert, denn Bewerber sind im Netz ja nicht nur Bewerber, sondern gleichzeitig auch Mobile-Commerce-Kunden. Wer sich also einmal an die bequeme One-Click-Bestellung mit einer Lieferung innerhalb von 24 Stunden gewöhnt hat, wird sich als Bewerber nur ungerne auf mehrwöchige Reaktionszeiten der Arbeitgeber einlassen.


Was denken Bewerber aktuell über die mobile Bewerbung? Wie gehen Unternehmen mit dem Trend um? Welche Erfahrungen machen Fachkräfte? Wo liegen Stolpersteine? Vor allem aber: Was ist jetzt zu tun? Damit beschäftigt sich die „Mobile Recruiting Studie 2017“, die das Portal meinestadt.de in Zusammenarbeit mit der Hochschule RheinMain durchgeführt hat und die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die Ergebnisse rütteln auf und zeigen, dass Unternehmen fast jeden zweiten Bewerber verprellen. Ein weiteres Ergebnis: Das mobile Zeitalter verändert das Recruiting von Fachkräften fundamental, denn „mobile macht ungeduldig“.

Wer im Kampf um die besten Talente nicht den Kürzeren ziehen will, muss daher dringend auf das veränderte Nutzungsverhalten reagieren und auch Formate wie das klassische Anschreiben überdenken. Denn: Das „Internet“, so heißt es in der Studie, verlegt sich ohne Zweifel zunehmend ins Mobile, was wiederum Auswirkungen auf die Art und Weise hat, wie sich Kandidaten bewerben und wie Unternehmen diese online für sich gewinnen können.

Die gute Nachricht: Lediglich eine Minderheit (6,9 Prozent) der befragten HR-Verantwortlichen ist der Meinung, dass die mobile Bewerbung nur ein vorübergehender Hype ist, während 69,4 Prozent davon überzeugt sind, dass Bewerbungen über Handys oder Tablets in Zukunft immer wichtiger werden. Ohne mobile Bewerbungsmöglichkeiten, so 45,8 Prozent der Personaler, werden Unternehmen langfristig Schwierigkeiten haben, neue Mitarbeiter zu finden. Die schlechte Nachricht: Die Praxis in den Personalabteilungen der Unternehmen hinkt dieser grundlegenden Erkenntnis noch gewaltig hinterher.


Die Sicht der Personaler


So haben 43,2 Prozent der befragten Unternehmen ihren Online-Karriere-Auftritt nach wie vor in keiner Weise mobil optimiert. Dort, wo die Erkenntnis angekommen ist, hat das HR-Management immerhin schon in die mobile Optimierung von Stellenanzeigen und der Karrierewebsite investiert, aber selbst hier ist laut Studie nur eine Minderheit auf der Höhe der Zeit. Der Bewerbungsprozess ist aktuell nicht einmal bei einem Drittel der Unternehmen mobilfähig.

Auf die Frage, ob das Unternehmen mobile Bewerbungsmöglichkeiten anbietet, gab knapp ein Viertel Nein an, da sich ihrer Ansicht nach kein Bewerber über ein mobiles Endgerät bewerben würde. Weitere 19,5 Prozent bieten ebenfalls kein mobiles Bewerbungsangebot an, sind jedoch offen gegenüber mobilen Bewerbungen. 15,6 Prozent der Befragten bieten mobile Bewerbungsmöglichkeiten in ihrem Unternehmen an. Weitere 11,7 Prozent gaben an, selbstentwickelte Lösungen einzusetzen. 6,5 Prozent sind davon überzeugt, haben jedoch Probleme bei der technischen Umsetzung.


Bernd Schmitz, Leiter Personalmarketing der Bayer AG, äußerte kürzlich in einem Gespräch mit der FAZ, er sei überzeugt, dass mobile Bewerbungen zunehmen werden: „Wir haben immer mehr Kandidaten, die sagen, sie möchten den gesamten Bewerbungsprozess mobil erledigen.“ Viele hätten schon gar kein Laptop mehr. Ende des Jahres will Bayer eine App herausbringen, mit der Bewerber entweder direkt ihr soziales Netzwerk verlinken können oder ihre Unterlagen aus der Cloud dem Unternehmen einmalig bereitstellen.

Als einen der Hauptgründe, warum noch keine Handy- oder Tablet-Bewerbung angeboten wird, nennen 37,1 Prozent der Befragten, dass sie sich schlicht noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben. Ein Fünftel gibt an, noch genug Bewerbungen über nicht-mobile Kanäle zu bekommen, während es bei 14,3 Prozent an technischen Kenntnissen fehlt. Und manchmal liegt es auch einfach daran, dass es „von oben“ nicht gewollt ist: So prallt bei 11,4 Prozent der Wunsch nach mobilen Bewerbungsmöglichkeiten am Nein der Geschäftsführung ab.

Am meisten verbreitet ist übrigens die mobile Bewerbung via E-Mails (76,7 Prozent). Über ein Drittel bietet potenziellen Kandidaten mobil optimierte Bewerbungsformulare und weniger als ein Fünftel die One-Click-Bewerbung (mittels Datenübernahme aus einem sozialen Netzwerk) als Bewerbungsform an. Lediglich 16,3 Prozent bieten den potenziellen Kandidaten eine mobile Bewerbung über eine App an.

Von Vorteil sind mobile Bewerbungsmöglichkeiten nicht nur für junge Menschen und Berufseinsteiger mit kurzem Lebenslauf. „Es eignet sich für alle Zielgruppen“, so ein befragter Personaler, „da inzwischen fast jeder ein Smartphone oder Tablet besitzt und nutzt. Zudem möchten sich viele genauso wie beim Onlineshopping mit einem Klick bewerben können, indem sie zum Beispiel ihr Xing-Profil anhängen.“


Die Sicht der Kandidaten


Und wie suchen die befragten Fachkräfte mit Berufsausbildung aktuell am liebsten nach einem neuen Job? Die wichtigsten Geräte für die Jobsuche stellen mittlerweile Smartphones dar, die 76,1 Prozent der Befragten nutzen. Sie haben PCs und Laptops als Werkzeuge der Wahl abgelöst, die auf dem zweiten Rang mit 69,9 Prozent folgen. Tablets sind mit 28,5 Prozent auch relativ stark vertreten.

Zu einem ähnlichen Ergebnis bei Studenten und jungen Absolventen kommt auch die Plattform Absolventa.de in ihrer Studie „Generation Mobile“, die in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München entstanden ist. Demnach nutzen schon 43 Prozent der Befragten ihr Smartphone zur Jobsuche, welches damit für die Jobsuche bereits genauso so oft genutzt wird wie der stationäre PC.


„Diese Tatsache sollte allerdings nicht dahingehend interpretiert werden, dass die Jobsuche heute vorwiegend in Bus und Bahn auf dem Weg zur Arbeit, im Café oder in der Pause beim Noch-Arbeitgeber stattfindet“, so die Studienautoren von meinestadt.de. Stattdessen suchen Fachkräfte vor allem zu Hause nach neuen beruflichen Möglichkeiten. Auf die Frage nach dem Ort der Jobsuche gaben 90,3 Prozent „zu Hause“ an, rund die Hälfte der Teilnehmer sucht unterwegs und 18,0 Prozent schielen beim Noch-Arbeitgeber schon einmal auf neue Jobangebote. Das Smartphone ist also aktuell nicht nur das Mittel der Wahl für die „mobile Jobsuche“, wenn man darunter die Suche „on the go“ versteht. Fachkräfte fahnden heute durchaus in den eigenen vier Wänden mit mobilen Endgeräten nach Jobs.

Modernes Recruiting besteht aber nicht nur darin, Anzeigendesigns für mobile Endgeräte zu optimieren. „Arbeitgeber müssen ihre Stellenangebote auf das Informationsbedürfnis des Bewerbers in verschiedenen Nutzungssituationen ausrichten – ob zu Hause oder unterwegs. Stellenanzeigen, die in Ruhesituationen gelesen werden, müssen andere Anforderungen erfüllen als in Situationen, bei denen ein schneller Überblick gefragt ist“, erklärt HR-Experte Wolfgang Jäger von der Hochschule RheinMain. Stellenanzeigen sollten deshalb so gestaltet sein, dass alle relevanten Informationen auf den ersten Blick direkt für den Bewerber erkennbar sind. Weiterführende Informationen zum Stellenangebot, zum Arbeitgeber oder zur Unternehmenskultur sind erst im zweiten Schritt für Recherchen in Ruhesituationen relevant und können vom Bewerber bei Bedarf aufgerufen werden.


Sind mobile Bewerbungen seriös?


Und noch etwas ist wichtig: Auf die Frage hin, wie schnell die Kandidaten eine Rückmeldung vom Unternehmen erwarten, ob es mit der Bewerbung weitergeht, entscheiden sich 69,4 Prozent für die Antwortoption „innerhalb von einer Woche.“ 12,2 Prozent erwarten sogar am Tag der Bewerbung oder am nächsten Tag eine Rückmeldung, während es für 12,9 Prozent okay wäre, innerhalb von einem Monat etwas zu hören.

Wie erwähnt, setzt bislang nur eine Minderheit der Unternehmen Angebote zur mobilen Bewerbung ein. Falls mobile Angebote vorhanden sind, zeigen sich die befragten Jobsucher mit diesen recht zufrieden. 61,6 Prozent der Kandidaten geben an, dass Angebote der bisherigen mobilen Stellensuche, wie zum Beispiel mobile Stellenanzeigen,
„zufriedenstellend“ waren, 14,4 Prozent schätzten sie sogar als „sehr zufriedenstellend“ ein. Knapp ein Fünftel fanden die Angebote „weniger zufriedenstellend“ und lediglich 2,8 Prozent als „gar nicht zufriedenstellend“.

Die grundsätzliche Bereitschaft, sich mobil zu bewerben, ist groß: 73,0 Prozent der Befragten würden sich mit einem Smartphone oder Tablet bewerben. Eine große Mehrheit der Fachkräfte von 65,8 Prozent erwartet von Unternehmen heutzutage die Möglichkeit zur mobilen Bewerbung.


Die Skeptiker unter den Befragten, also alle, die sich grundsätzlich nicht mobil bewerben würden, führen dafür vor allem drei Gründe an. Einer der drei Hauptargumente für die Ablehnung einer mobilen Bewerbung ist die Unübersichtlich- und Umständlichkeit (67,0 Prozent), die sich unter anderem aus den relativ kleinen Bildschirmen und Tastaturen ergibt. Die Hälfte der Befragten hat Bedenken, dass eine mobil erstellte Bewerbung weniger seriös wirkt. 43,0 Prozent glauben, ihre Stärken in einem „richtigen Anschreiben“ besser darstellen zu können.

Derzeit sind also einige Bewerber noch skeptisch, weil sie an einem mobilen Gerät eine vollständige, klassische Bewerbung sowie die damit verbundene umfangreiche Schreibarbeit abbilden müssen – etwa die Eingabe von Daten aus dem Lebenslauf und das Verfassen eines Anschreibens – was sich als schlecht vereinbar mit den Möglichkeiten erweist, die Smartphones heute bieten.

Abhilfe könnten da mobilgerechte Bewerbungsformen wie die Bewerbung per App, ein mobil optimiertes Formular oder die Kurzbewerbung schaffen. HR-Experte Jäger: „Diese Formen werden den Erfahrungen der von uns befragten Bewerber zufolge aber derzeit nur von einer Minderheit der Arbeitgeber angeboten.“ Während 90,0 Prozent der Jobsucher die Erfahrung machen, dass ihnen die Bewerbung per E-Mail angeboten wird, erhielt nur die Hälfte der Befragten die Möglichkeit, ein mobil optimiertes Bewerbungsformular zu nutzen. Lediglich ein Viertel bekam eine One-Click-Bewerbung zu Gesicht und nur 16,0 Prozent konnten sich per App bewerben.


Wenn Kandidaten ihre Bewerbung abbrechen


Äußerst interessant im Zusammenhang mit Kandidaten-Erwartungen sind die Antworten auf die Frage, ob die Bewerber schon einmal eine Bewerbung abgebrochen haben: Das bejahten 46,6 Prozent der Bewerber. Unternehmen verlieren also fast die Hälfte der Bewerber, weil sie nur unzureichend auf das Zeitalter der mobilen Bewerbung vorbereitet sind. Neben dem Grund, dass Bewerber nicht alle für die Bewerbung notwendigen Informationen auf dem Smartphone parat hatten, gibt gut ein Viertel als Grund des Abbruchs an, dass die direkte Bewerbung per Smartphone nicht möglich war – und mehr als jeder Zehnte hat schon einmal eine Bewerbung abgebrochen, weil die Stellenanzeige oder Karriereseite auf dem Smartphone „furchtbar“ aussah.

Diese Zahlen sind im Hinblick auf den Fachkräfteengpass bei vielen nicht akademischen Positionen besonders erschreckend. Längst führen Lokomotivführer, Spediteure und Altenpfleger das Negativranking der Profile mit den längsten Vakanzdauern in Deutschland an. Unternehmen tun sich schwer, geeignete Kandidaten zu finden und verprellen im gleichen Atemzug knapp die Hälfte der Bewerber, da ihr Angebot nicht mobil optimiert ist.


Zum Vergleich: Auf Unternehmensseite geben 43,0 Prozent der Personaler an, dass ihr Online-Karriere-Auftritt nicht mobil optimiert ist. Unternehmen haben diesbezüglich noch ihre Hausaufgaben zu erledigen. Bewerber springen jedoch nicht nur ab, wenn sie sich nicht über ihr Smartphone bewerben können. Auch die einfache Bedienbarkeit und die gute Darstellung einer Stellenanzeige auf dem Smartphone spielen eine wesentliche Rolle. Im Hinblick auf die Tatsache, dass Kandidaten nicht alle Informationen auf ihrem Smartphone zur Verfügung haben, gilt es zu überdenken, welche Dokumente wirklich relevant sind für den Bewerbungsprozess.
Benötigt man für die Position eines Kraftfahrers wirklich ein Anschreiben? Oder reichen im ersten Schritt einige relevante Informationen, wie beispielsweise der Besitz eines Führerscheins, Sprachkenntnisse, der Wohnort usw. Welche Informationen werden wirklich für den Erstkontakt benötigt?


Fazit: Schluss mit altbackenen Prozessen


Es gibt also viel zu tun, aber auch viel zu gewinnen, fasst Personal-Experte Jäger zusammen: „Mit gut gemachten mobilen Bewerbungsprozessen erreichen Unternehmen besser ihre Zielgruppen unter den Fachkräften mit Berufsausbildung, gewinnen mehr potenzielle Kandidaten und tun etwas für ihr Image – als Arbeitgeber und Unternehmen. Nicht nur Unternehmen in Branchen mit hoher natürlicher Affinität zum Digitalen oder mit vielen jungen Bewerbern müssen sich fragen, ob sie sich altbackene Prozesse noch lange leisten wollen und können. Denn um dem Fachkräftemangel zukünftig die Stirn zu bieten, müssen Unternehmen auf das veränderte Nutzungsverhalten ihrer Zielgruppe eingehen und einfache Kontakt- und Bewerbungsmöglichkeiten für Fachkräfte bieten.“

Über die Studie

Im Mai und Juni 2017 hat meinestadt.de zusammen mit Wolfgang Jäger von der Hochschule RheinMain Nutzer und HR-Verantwortliche zu Aspekten der Jobsuche und der mobilen Bewerbung befragt. Im Rahmen der Studie haben 1.520 Fachkräfte im Alter zwischen 18 und 65 Auskunft darüber gegeben, wie sie nach Jobs suchen und welche Erwartungen sie an den Bewerbungsprozess haben. Die meisten Befragten stammen aus den Branchen Logistik, Handwerk, Handel und Gesundheitswesen.

107 HR-Verantwortliche aus verschiedenen Branchen haben von ihren Erfahrungen mit mobilen Bewerbungsprozessen berichtet. Studienleiter Jäger gehört zu den führenden Forschern im Bereich Personalwesen, seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Optimierung personalwirtschaftlicher und kommunikativer Prozesse.


KONTEXT

Zehn Thesen zur Generation Y

These 1

Bei der Diskussion um Generationenvielfalt in der Arbeitswelt geht es nicht um Jung oder Alt, sondern um eine moderne Geisteshaltung - abseits von Effizienzstreben und Massenproduktion. Eine Haltung, die zu einer neuen Realität passt, in der die Welt immer volatiler, unsicherer, komplexer und ambivalenter wird.

These 2

Die Basis moderner Denkmuster besteht in der Erkenntnis, dass die Arbeitswelt heute anders tickt als noch vor 20 oder 30 Jahren. Unser deutsches Erfolgsmodell trägt nicht ewig weiter.

These 3

Es sind die unterschiedlichen Wertesysteme zu Arbeit und Führung, die aufeinander prallen, nicht die Menschen unterschiedlicher Generationen.

These 4

Lebenszeit ist viel zu kostbar, um 40 Stunden pro Woche für Aufgaben zu vergeuden, auf die man keinen Bock hat.

These 5

Die Effizienzzitrone deutscher Unternehmen ist ausgepresst! Wir brauchen einen Musterwechsel. Die GenY sucht ihn im World Wide Web.

These 6

Wir wurden zu lange zu einseitig auf die linke Gehirnhälfte getrimmt: Verstand, Zahlen, Daten, Fakten. Nun gilt es, die rechte zu aktivieren und mit ihr Kreativität, Emotionalität und Intuition.

These 7

Das deutsche Uni-System krankt und produziert Versager der modernen Arbeitswelt.

These 8

Viele Chefs der alten Führungsschule haben nicht systematisch gelernt, Menschen zu führen. Das erklärt vieles"¦

These 9

Unternehmen sollten sich schleunigst auf die Machtverschiebung hin zum Bewerbermarkt einstellen. Fachkräftemangel lässt bald grüßen.

These 10

Multigrafen, on demand, digitale Transformation, Kulturwandel: Genau darum geht es heute.

Quelle

Steffi Burkhart, "Die spinnen, die Jungen. Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y", Gabal, ISBN: 978-3-86936-691-3

KONTEXT

Tipps für den Jobwechsel

Aktiv werden, statt frustriert sein

Lassen Sie sich nicht frustrieren. Im Gegensatz zu manch Anderen haben Sie das Glück, noch einen festen Job zu haben. Werden Sie aktiv, nutzen Sie die Zeit lieber, die Fühler nach Alternativen auszustrecken und Businesskontakte aufzubauen.

Den Jobwechsel gut abwägen

Bevor Sie das Handtuch werfen und den Jobwechsel ansteuern, hinterfragen Sie bitte alle Pro- und Contra-Punkte dieser Entscheidung. Haben Sie schon einen neuen Job in Aussicht bzw. wirklich sicher? Wunderbar! Zeichnet sich da noch so ganz und gar keine Alternative ab, harren Sie lieber noch ein wenig aus und nutzen Sie die Zeit dazu, aus gesicherter Position heraus auf Jobsuche zu gehen.

Seien Sie Stratege

Auch wenn Sie innerlich bereits gekündigt haben, lassen Sie sich bitte nicht dazu verleiten, im Team schlechte Stimmung zu verbreiten, den Chef durch den Kakao zu ziehen, nur noch das Notwendigste zu tun oder sich wie auch immer geartet zum Unternehmensfeind Nr. 1 zu machen.

Bewerben Sie sich aus sicherer Position heraus

Bewerben aus gesicherter Position heraus macht nicht nur aus finanzieller Sicht wesentlich entspannter, sondern bringt auch bessere Jobaussichten. Jeder Arbeitssuchende wird Ihnen bestätigen, dass es wesentlich schwerer ist, einen neuen Job zu finden, wenn man bereits ohne Anstellung ist. Gehen Sie deshalb nicht erst auf Jobsuche, wenn Sie bereits gekündigt haben, sondern fangen Sie damit bereits an, wenn Ihnen die ersten Kündigungsgedanken kommen.

Nutzen Sie Ihren Feierabend und das Wochenende - nicht die Arbeitszeit - gezielt dazu, sonst stehen Sie am Ende doch schneller auf der Straße, als gewünscht. Gleiches gilt natürlich, wenn Sie sich selbständig machen möchten. Starten Sie damit aus gesicherter Position heraus und wagen Sie den Absprung erst, wenn ein gewisses finanzielles Polster und andere Sicherheiten vorhanden sind.

Steigern Sie Ihren Marktwert

Hat man sich erst einmal dazu entschlossen, den Job zu wechseln, neigt man dazu, träge zu werden und den Joballtag damit zu verbringen, die Zeit totzuschlagen. Seien Sie klüger. Bilden Sie sich aktiv weiter und vertiefen Sie Ihr Wissen. Das erweitert nicht nur Ihre Fachkenntnisse, sondern erhöht zudem Ihren Marktwert. Natürlich gilt auch hier: Bitte nicht während der Arbeitszeit!

Knüpfen Sie ein Netzwerk von guten Kontakten

Nutzen Sie die Zeit im gesicherten Job dazu, aus Ihrer jetzigen Position heraus Kontakte zu knüpfen. An viele offene Stellen kommt man heutzutage über Vitamin B, also gute Beziehungen. Wer da die richtigen Leute kennt und durchschimmern lässt, dass er sich gerade beruflich neuorientiert, kann schneller zu einem neuen Job kommen, als geplant.

Zeigen Sie Präsenz

Nehmen Sie an fachrelevanten Veranstaltungen, regionalen und überregionalen Netzwerktreffen, Karriere- und Existenzgründermessen etc. teil oder tummeln Sie sich in Online Netzwerken wie z.B. Xing. Dabei sind auch private Aktivitäten förderlich. Wer weiß, vielleicht hat der eine oder andere Bekannte ja einen guten Tipp für eine offene Stelle. Wenn Sie eine eigene Firma gründen möchten, bauen Sie schon jetzt Kontakte zu potenziellen Kunden auf.

Luft anhalten und durch

Auch wenn es manchmal schwer fällt - reißen Sie sich am Riemen, atmen Sie beim nächsten Zoff mit den Kollegen lieber einmal mehr durch, anstatt laut zu werden und stehen Sie innerlich lächelnd über den Dingen. Schließlich haben Sie doch noch Größeres vor!

Quelle: www.careerbuilder.de

www.careerbuilder.de

KONTEXT

14 Tipps für einen erfolgreichen Start

Hintergrundwissen aneignen

Vorab sollten möglichst viele Informationen über die neue Firma eingeholt werden, zum Beispiel per Internetrecherche. Wer in ein inhabergeführtes Unternehmen kommt, sollte vor seinem ersten Arbeitstag schon einmal ein Bild des Inhabers gesehen haben - sonst könnte es peinlich werden, wenn man ihn am Kaffeeautomaten nach seinem Namen fragt.

Beobachten

Unsicherheit darüber, wie man sich den anderen gegenüber verhalten soll, ist am Anfang ganz normal. Welche Umgangsformen herrschen in der neuen Firma? Welche internen Regeln gibt es? Schon im Vorstellungsgespräch und später dann vor Ort ist es hilfreich, die anderen genau zu beobachten und sich an dem Verhalten der anderen zu orientieren.

Vorstellungsrunde vorbereiten

Egal, ob der Chef Sie durch die Abteilungen führt oder Sie sich vor dem Team selbst vorstellen: Überlegen Sie sich eine kurze Einleitung, das alle wichtigen Informationen zu Ihrer Person, Ihrer bisherigen Laufbahn und Ihrem neuen Aufgabenbereich enthält. Ein Kuchen ist nie verkehrt - und vergessen Sie auf keinen Fall, auch den Chef dazu einzuladen.

Die richtige Kleidung

Informieren Sie sich noch vor dem ersten Arbeitstag, welche Kleidung in der Branche üblich ist. Der Faktor Kleidung ist enorm wichtig, denn das richtige Outfit drückt Zugehörigkeit aus.

Zu Fehlern stehen

Natürlich sollte man den gleichen Fehler nicht dreimal hintereinander machen, doch sind Fehler gerade am Anfang alles andere als ungewöhnlich. Versuchen Sie nie, einen Fehler zu verheimlichen sondern fragen Sie stattdessen nach, wie Sie ihn beim nächsten Mal vermeiden können.

Schlüsselpersonen identifizieren

Die ersten Wochen dienen auch dazu, die Personen zu identifizieren, die für einen selbst am wichtigsten sind. Das können neben dem direkten Vorgesetzten auch andere Mitarbeiter und Kollegen sein.

Nicht sofort nach Urlaub fragen

Es gibt einige Dinge, die in den ersten Tagen tabu sind: Dazu gehört unter anderem die Frage nach dem nächsten Urlaub. Ebenso sollten Sie es vermeiden, unpünktlich zur Arbeit oder zu Terminen zu erscheinen oder sich zu früh in den Feierabend zu verabschieden.

Die Ressourcen kennen

Erkundigen Sie sich zu Beginn, auf wen Sie zugreifen können und wer wann informiert werden muss.

Den richtigen Zeitpunkt abwarten

Am Anfang ergeben sich sicherlich viele Fragen. Doch stören Sie Kollegen oder Vorgesetzte nicht während eines Telefongesprächs oder wenn er oder sie offensichtlich in Eile ist, sondern warten Sie einen passenden Moment ab.

Arbeitsstile

Tauschen Sie sich mit Kollegen über bevorzugte Arbeitsstile aus. Möchte jemand zum Beispiel lieber persönlich, per Telefon oder per E-Mail informiert werden?

Zwischenmenschliche Kontakte forcieren

Warten Sie nicht darauf, dass die Kollegen Sie zur Kaffeepause abholen, sondern gehen Sie selbst auf die anderen zu. Haben Sie eine Frage an den Chef, gehen Sie kurz vor dem Mittagessen zu ihm und anschließend gemeinsam in die Kantine.

Genau zuhören

Geben Sie sich stets Mühe, genau zuzuhören, was das Gegenüber mag. Merken Sie sich dieses Detail und greifen Sie es an gegebener Stelle wieder auf - das zeigt nicht nur, dass Sie aufmerksam zuhören, sondern drückt auch Wertschätzung aus.

Nicht über den alten Job lästern

Bei Nachfragen nach dem alten Job sollten Sie stets sachlich bleiben. Über die alten Kollegen oder den Chef herziehen, ist tabu.

Mit Kritik zurückhalten

Halten Sie sich zunächst an die Vorgaben, die man Ihnen macht, auch wenn diese Ihnen in manchen Fällen weniger sinnvoll erscheinen sollten. Wenn Sie sich eingearbeitet und das Unternehmen in Ruhe kennen gelernt haben, können Sie immer noch Verbesserungsvorschläge machen.

KONTEXT

Arbeitszeugnis: Kennen Sie die Bedeutung folgender Floskeln?

Für die Belange der Belegschaft hat er stets Einfühlungsvermögen bewiesen.

Der Mitarbeiter suchte sexuelle Kontakte im Kollegenkreis.

Sie zeigte Verständnis für ihre Arbeit.

Mangelhafte Leistungsbeurteilung

Er hat mit seiner geselligen Art zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen.

Der Mitarbeiter hat ein Alkoholproblem.

Sie hat sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten eingesetzt.

Mangelhafte Leistung

Er ist tüchtig und weiß sich zu verkaufen.

Unangenehmer Mitarbeiter, Wichtigtuer

Er hat seine Aufgaben ordnungsgemäß erledigt.

Bürokrat, ohne Initiative

Sie erledigte ihre Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse.

Mangelhafte Leistung

Wegen seiner Pünktlichkeit war er stets ein Vorbild.

In jeder Hinsicht eine Niete.

Sie war sehr tüchtig und in der Lage, ihre eigene Meinung zu vertreten.

Laut Urteil LAG Hamm (Az 4Sa 630/98) unzulässig, da doppelbödig.

Ihm wurde die Gelegenheit zu Fortbildungsmaßnahmen geboten.

Mitarbeiter hat die Fortbildungsmaßnahmen nicht genutzt.

Quelle: Wirtschaftswoche

KONTEXT

Tipps für den ersten Satz im Bewerbungsanschreiben

Zuverlässigkeit

Sehr geehrter Herr XX,Sie suchen zur Verstärkung Ihres Teams einen kooperativen, zuverlässigen und aufgeschlossenen Mitarbeiter? Dann sind Sie jetzt fündig geworden!

(Quelle der Beispiele: Kienbaum)

Gute Eigenschaften

Sehr geehrte Frau XX,mit Engagement, Kommunikationsstärke und unternehmerischem Denken möchte ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt für die weltweit führende Personal- und Managementberatung Kienbaum am Standort Düsseldorf arbeiten und Beratungsprojekte mit Branchen- und Beratungskompetenz verantworten.

Leidenschaft

Sehr geehrte Frau XX,suchen Sie eine Person, die mit Leidenschaft und Tatendrang erfolgreich als auch selbständig Projekte steuert, abwickelt und dabei mit anspruchsvollen Kunden auf Augenhöhe kommunizieren kann? Gerne möchte ich diese Person sein und mein ganzes Wissen und Engagement in Ihrem Unternehmen einbringen.

Gemeinsamer Fokus

Sehr geehrte Frau XX,mit großem Interesse habe ich festgestellt, dass Sie Verstärkung im Bereich Business Technology benötigen. Somit teilen wir nicht nur diesen Fokus, sondern auch die große Leidenschaft den Kunden bei der digitalen Transformation kompetent zu beraten und zu unterstützen.

Herausforderungen meistern

Sehr geehrte Frau XX,Herausforderungen bei Projekten verschiedenster Branchen zu meistern, Probleme erkennen und eine optimale Lösung zu finden - diese Aspekte reizen mich besonders an dem Beruf des Unternehmensberaters.

Lösungen umsetzen

Sehr geehrte Frau XX,individuelle Bedürfnisse erkennen und gemeinsam maßgeschneiderte Strategien und Lösungen umsetzen - so stelle ich mir meinen Berufseinstieg als Junior-Berater vor.

Worthülsen vermeiden

Sehr geehrter Herr XX,Sie suchen einen entscheidungsfreudigen und versierten Mitarbeiter, der Worthülsen vermeidet und mit Inhalten überzeugt? Das bin ich!

(eigenes Beispiel)

Oder ganz mutig

Sehr geehrter Herr XX,von mir zu Hause bis zu Ihnen sind es zu Fuß genau 15 Minuten. Das bedeutet: Während meine Kollegen noch im Stau stehen, könnte ich morgens schon der erste Mitarbeiter in der Firma sein.

(eigenes Beispiel)