Bewegende Oscar-Rede: Darum bat Gewinnerin Frances McDormand alle nominierten Frauen, aufzustehen

Frances McDormand hielt eine bewegende Dankesrede bei der 90. Oscar-Verleihung. (Bild: AP Photo)


Die Schauspielerin Frances McDormand wurde bei der 90. Verleihung der Oscars für ihre toughe Rolle im Drama „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ mit einem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. In ihrer Dankesrede setzte sie ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung in der Filmbranche.

Nachdem Laudatorin Jennifer Lawrence die Siegerin verkündet hatte, nahm McDormand ihren Preis vor Euphorie zitternd auf der Bühne des Dolby Theatres in Los Angeles entgegen. „Okay, also ich hyperventiliere ein wenig“, begann die 60-Jährige ihre Rede. „Wenn ich umfalle, hebt mich auf“, sagte sie noch, um dann einen ernsteren Ton anzuschlagen, „denn ich hab Einiges zu sagen.“

Schnell brachte sie auf den Punkt, was ihr auf dem Herzen lag. Nach ihrer Danksagung erklärte McDormand dem Publikum, dass sie sich sehr geehrt fühle, setzte dabei ihren Oscar auf dem Boden ab und fügte hinzu: „Ich wünsche mir, dass alle weiblichen Nominierten in jeder Kategorie heute Nacht in diesem Raum mit mir aufstehen.“ Dabei richtete sie sich direkt an ihre berühmte Kollegin Meryl Streep. „Meryl, wenn Du es tust, machen es auch alle anderen – die Filmemacherinnen, die Produzentinnen, die Regisseurinnen, die Autorinnen, die Kameraleute, die Komponistinnen, die Songwriterinnen, die Designerinnen. Kommt schon!“, ermutigte sie ihre Kolleginnen im Publikum, um zu zeigen, wie weit es diese nominierten Frauen in der Filmbranche geschafft haben. „Lady Bird”-Hauptdarstellerin Saoirse Ronan, “I, Tonya”-Star Margot Robbie, „Die Verlegerin”-Darstellerin Meryl Streep und „Shape of Water”-Hauptdarstellerin Sally Hawkins standen von ihren Plätzen auf und umarmten sich.

„Okay, schauen Sie sich um“, forderte McDormand vom Oscar-Publikum, „schauen Sie sich um, meine Damen und Herren, weil wir alle Geschichten zu erzählen haben und Projekte, die wir finanzieren müssen. Reden Sie heute Abend nicht bei den Partys mit uns darüber. Laden Sie uns in ein paar Tagen in Ihr Büro ein, oder Sie können zu uns kommen, je nachdem, was Ihnen am besten passt, und wir können Ihnen alles darüber erzählen“, bat die Schauspielerin und setzte zum finalen Satz an: „Ich habe heute Abend zwei Worte für Sie, meine Damen und Herren, ‘Inclusion Riders‘“. Daraufhin schnappte sich McDormand ihren Oscar und verließ die Bühne.

Gewinnerin Frances McDormand auf der Oscar-Bühne. (Bild: AP Photo)

Was sind „Inclusion Riders“?

Frances McDormands letzter Satz war eine klare Kampfansage an Hollywoods Filmemacher und ihre veralteten Vertragsregeln. Die Oscar-Gewinnerin wollte damit verdeutlichen, dass gerade Mitschaffende in Hollywood, die zur A-Liga der Branche gehören, besagte „Inclusion Riders“ in ihren Verträgen fordern sollten.

Diese Inklusionsparagrafen sind Zusätze in Verträgen von Filmproduktionen, die sowohl Regisseure als auch Schauspieler unterzeichnen sollen, damit zugesichert ist, dass Gleichberechtigung am Filmset herrscht. Dazu gehört unter anderem, dass 50 Prozent der Mitarbeiter am Filmset Frauen sein sollten. Eine Regel, die in Hollywood leider immer noch nicht zum Alltag gehört. Umso wichtiger ist es, dass die Schauspieler, die in Hollywood etwas zu sagen haben, diese Klausel für ihre Kollegen und für die Gleichberechtigung in der Filmbranche vehement einfordern. Eine solche Zusatzklausel ermöglicht es Schauspielerinnen außerdem, bei fehlender Diversität von ihrem Vertrag zurückzutreten, ohne dafür haftbar gemacht werden zu können.

Der Begriff „Inclusion Rider“ wurde maßgeblich von Stacy Smith geprägt. Die Gründerin der „Annenberg Inclusion Initiative“ der University of Southern California stellte gemeinsam mit ihrem Team fest, dass Cast und Crew der meisten Produktionen der US-Filmbranche nicht der amerikanischen Bevölkerung entsprechen und forderte bei einem TED Talk 2016 erstmals öffentlich dazu auf, diesem Missstand mithilfe der Zusatzklauseln entgegenzuwirken.