Bewaffnete Angreifer attackieren Geheimdienstgebäude in Kabul

Sicherheitskräfte riegeln den Tatort ab

Mutmaßliche Dschihadisten haben am Montag ein Ausbildungszentrum des afghanischen Geheimdienstes in Kabul gestürmt. Die Bewaffneten seien am Morgen in ein im Bau befindliches Gebäude eingedrungen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Nach Schusswechseln wurden laut Polizei zwei Angreifer getötet, es seien zwei Polizisten verletzt worden. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich.

Die Kämpfe zwischen den Angreifern und der Polizei in der afghanischen Hauptstadt dauerten mehrere Stunden. Die Straßen rund um den Tatort wurden abgeriegelt, dutzende Polizisten und Geheimdienstbeamte hinderten die Öffentlichkeit am Zugang zu der Gegend. Dann gab die Polizei Entwarnung: Der Angriff sei "beendet", die zwei Angreifer seien getötet worden.

Die IS-Miliz nahm den Angriff über ihr Sprachrohr Amaq für sich in Anspruch. Auch die Extremisten sprachen von zwei Angreifern.

Das Trainingszentrum des Geheimdienstes war bereits im September attackiert worden. Damals ließen die Angreifer ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug vor dem Haupteingang des Gebäudekomplexes detonieren. Drei Menschen wurden laut Innenministerium verletzt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen ist das Ausbildungszentrum eine Pflichtstation für alle Geheimdienstagenten in Afghanistan.

Die IS-Miliz und die radikalislamischen Taliban hatten ihre Angriffe auf Sicherheitskräfte und Moscheen in der Hauptstadt in den vergangenen Monaten intensiviert. Kabul gilt inzwischen als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in dem Land.

Bei einem Anschlag im Kabuler Diplomatenviertel Ende Mai waren etwa 150 Menschen getötet und 400 weitere verletzt worden. Im November wurden bei einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt, zu dem sich der IS bekannte, 14 Menschen getötet. Im Oktober wurden bei mehreren Taliban-Angriffen insgesamt rund 150 Menschen getötet worden. Eine US-Beobachtungsstelle sprach zuletzt von "schockierend hohen" Opferzahlen unter den afghanischen Sicherheitskräften.

Der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan war Ende 2014 offiziell beendet und durch die Beratungs- und Ausbildungsmission "Resolute Support" ersetzt worden. Nur wenige ausländische Kampfeinheiten verblieben im Land, aber die einheimischen Sicherheitskräfte bekommen die Lage nicht in den Griff. US-Präsident Donald Trump kündigte im August an, das Truppenkontingent in Afghanistan aufzustocken.