Oxfam klagt an: Deutsche Supermarktriesen beuten südafrikanische Arbeiterinnen aus

Arbeiterinnen werden in Südafrika giftigen Pestiziden ausgesetzt und leiden unter Hungerlöhnen. (Bild: AFP)

Eine neue Oxfam-Studie beleuchtet die Arbeitsbedingungen von Frauen im südafrikanischen Weinanbau – und kommt zu erschreckenden Ergebnissen.  Die Frauen werden demnach mit Hungerlöhnen abgespeist, Gesundheitsschutz wird ihnen versagt. Lesen Sie hier, was Oxfam den deutschen Supermarktriesen vorwirft.

Deutsche Supermärkte wie Edeka, Rewe und Aldi tragen laut Oxfam maßgeblich zur Ausbeutung im südafrikanischen Weinanbau bei. Das ist das Ergebnis der Studie „Billig verkauft – teuer bezahlt“ der Entwicklungsorganisation.

Ihr konkreter Vorwurf: Der Preisdruck, den deutsche Unternehmen gegenüber ihren Lieferanten ausübten, schlage sich in Hungerlöhnen, mangelnder gewerkschaftlicher Vertretung und nicht zuletzt im gesundheitsgefährdenden Einsatz von Pestiziden nieder. „Die Supermärkte diktieren ruinöse Preise, diesen Preisdruck geben die Produzenten nach unten weiter: an die Arbeiterinnen, die auf den Plantagen schuften”, sagt Studienautorin Franziska Humbert, Oxfam-Expertin für soziale Unternehmensverantwortung.

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Zwei Drittel der von Oxfam und Women on Farms Project befragten Frauen gaben an, keine Schutzkleidung zu tragen, da ihnen diese nicht – wie arbeitsrechtlich festgelegt – zur Verfügung gestellt wird, bei den Saisonarbeiterinnen waren es sogar 73 Prozent.

„Sie werden diskriminiert und mit Hungerlöhnen abgespeist, riskieren ihre Gesundheit, weil sie giftigen Pestiziden ausgesetzt sind, oft ohne jegliche Schutzbekleidung. Und sie können sich nur schwer zur Wehr setzen, da ihnen verboten wird, an Gewerkschaftstreffen teilzunehmen und Gewerkschafter die Plantagen nicht betreten dürfen”, heißt es vonseiten der Organisation.

Mitschuld an diesen Bedingungen ist laut Oxfam der Preisdruck, den deutsche Supermarktketten auf die südafrikanischen Exporteure und Produzenten ausüben. In Deutschland teilen sich Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) über 80 Prozent des Umsatzes im Weinmarkt. Seit 2000 seien demnach die Exportpreise von südafrikanischem Wein nach Deutschland um über 80 Prozent gefallen, die Produktionskosten im gleichen Zeitraum jedoch um das Doppelte gestiegen.

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Nun fordert die Entwicklungsorganisation die Supermarktketten auf, menschenwürdige Arbeit in Südafrika zu gewährleisten. Dabei sieht Oxfam auch die Bundesregierung in der Pflicht, die Einhaltung zu überwachen. „Die Supermarktketten sind das Nadelöhr, durch das Produzenten ihre Ware auf den deutschen Markt bringen müssen. Sie dürfen sich also nicht aus der Verantwortung stehlen: Wer sagt, wo es langgeht, muss auch für die Folgen geradestehen“, so Humbert.