Betrug beim Online-Shopping: Beschwerden über Fake-Shops haben sich 2020 versechsfacht - so könnt ihr euch schützen

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Online-Shopping (Symbolbild)
Online-Shopping (Symbolbild)

Mal geht es um Spielekonsolen, mal um Fährräder oder Schuhe: In der Facebook-Gruppe „Erfahrungen mit Fakeshops“ finden sich zahlreiche Beispiele von Nutzerinnen und Nutzern, die beim Einkaufen im Internet offenbar auf Betrüger hereingefallen sind. So warnte eine Nutzerin Ende März, mit Verweis auf die Webseite eines angeblichen Fahrrad-Shops: „Leider 700 Euro futsch.“

So wie ihr geht es gerade vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland. Mit der Corona-Krise hat das Online-Shopping einen weiteren Schub erhalten. Das zeigen auch die Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland: Demnach sind die Umsätze mit Waren im E-Commerce von 72,6 Milliarden Euro in 2019 auf 83,3 Milliarden Euro im Jahr 2020 gestiegen. Damit steigt auch die Gefahr, Opfer von Betrug beim Shopping im Internet zu werden.

Verbraucherzentrale: Beschwerden haben sich 2020 versechsfacht

Nach Recherchen von Business Insider haben die Beschwerden und Strafanzeigen im Zusammenhang mit Fake-Shops im Internet im vergangenen Jahr stark zugenommen. So teilte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) auf Anfrage von Business Insider mit, dass sich die Anzahl der Beschwerden über Fake-Shops bei den Verbraucherzentralen vom Jahr 2019 zu 2020 versechsfacht haben. „Wir haben eine deutliche Veränderung bei den Verbraucherbeschwerden bemerkt. Der Bezug zu Corona liegt auf der Hand, vermutlich liegt es am veränderten Einkaufsverhalten der Verbraucher, aber wir können das nicht belegen“, sagte Carola Elbrecht vom VZBV. Doch: In den Jahren zuvor seien die Zahlen auf einem Level gewesen. „Den Sprung gab es erst im Jahr 2020.“

Auch das bayerische Landeskriminalamt (LKA) teilte auf Anfrage von Business Insider mit, dass sich die Anzeigen zu Fake-Shops von 2019 zu 2020 beinahe versechsfacht haben. Gab es 2019 noch circa 720 Anzeigen zu Fake-Shops in Bayern, waren es 2020 circa 4270 Anzeigen. Die Auswertung zeige den aktuellen Erfassungsstand zum Zeitpunkt der Abfrage. „Gleichwohl lassen sich anhand der jeweiligen Ergebnisse Tendenzen feststellen und zueinander in ein Verhältnis setzen.“ Es sei jedoch zu berücksichtigen, „dass zum Kalenderjahr 2020 eine Umstellung der Auswerteparameter erfolgte. Dies hatte eine signifikante Steigerung der Fallzahlen zur Folge“.

Laut LKA Nordrhein-Westfalen werden Straftaten mit Fake-Shops und Tathandlung in Deutschland in der polizeilichen Kriminalstatistik als „Warenbetrug“ erfasst. Eine Differenzierung des Warenbetrugs nach Fällen mit Fake-Shops sei nicht möglich, allerdings konnte eine Aufschlüsselung in Verbindung mit dem „Tatmittel Internet“ erfolgen. Demnach kam es 2020 zu rund 20.150 bekannt gewordenen Fällen. Im Jahr zuvor waren es noch 17.690 Fälle.

Wie erkennt ihr Fake-Shops? Und wie schützt ihr euch?

Die Gefahr, Opfer eines Fake-Shops zu werden, ist laut den Zahlen real. Doch was genau sind eigentlich Fake-Shops? Und wie könnt ihr sie erkennen und euch schützen?

Die Verbraucherzentrale hat die zentralen Merkmale eines Fake-Shops zusammengefasst. Demnach seien Fake-Shops zunächst nur schwer zu erkennen und auf den ersten Blick durchaus seriös. Doch nach geleisteter Vorauszahlung „wird nicht selten minderwertige Ware zu einem überhöhten Preis verschickt, mitunter wird das Produkt auch gar nicht geliefert. Oft täuschen die Händler sogar Lieferschwierigkeiten vor und vertrösten Betroffene, um diese daran zu hindern, weitere Schritte einzuleiten“.

„Wenn man einen Webshop nicht kennt, sollte man recherchieren, ob es im Internet Bewertungen über diesen Shop gibt. Wir wissen, auch Bewertungen können manipuliert sein, aber tendenziell können diese als erstes Indiz für seriöse Shops dienen“, sagte Carola Elbrecht vom VZBV zu Business Insider.

Die Verbraucherzentrale nennt weitere Anhaltspunkte, auf die ihr achten könnt:

  • Auffällige Internetadresse: Aufpassen solltet ihr zum Beispiel, wenn die Adresse nicht zum Inhalt der Seite passt

  • (Un-)Sichere Zahlungsweise: Vorsicht, wenn nur Vorkasse angeboten wird

  • Auffallend günstiger Preis: Ist das Produkt ungewöhnlich günstig, solltet ihr misstrauisch werden

  • Falsche Gütesiegel: Ihr könnt die Echtheit der Gütesiegel überprüfen, indem ihr auf diese klickt. Bei einem seriösen Shop sollte ein Link zu einem Zertifikat des Siegel-Betreibers hinterlegt sein

  • AGB: Sollten die AGB in schlechtem Deutsch verfasst sein, rät die Verbraucherzentrale dazu, besser nicht zu bestellen

  • Impressum: Ein Impressum ist Pflicht. Daraus muss die Anschrift, ein Vertretungsberechtigter und eine E-Mail-Adresse hervorgehen. Gegebenenfalls auch die Nummer aus dem Handelsregister. Mit diesen Angaben könnt ihr weiter recherchieren

"Bank so schnell wie möglich kontaktieren"

Wer erst nach der Bestellung feststellt, offenbar Opfer eines Fake-Shops geworden zu sein, der sollte, sofern er schon Geld überwiesen hat, „seine Bank so schnell wie möglich kontaktieren, um die Zahlung zu stoppen“, rät die Verbraucherzentrale. Sämtliche Belege sollten gesammelt werden, etwa der „Kaufvertrag, Bestellbestätigung, E-Mails und ein Screenshot des Angebots“. Da es sich um Betrug handelt, sollten Betroffene Strafanzeige bei der Polizei stellen.

Einen aktuellen Trend beschreibt Carola Elbrecht vom VZBV im Gespräch mit Business Insider: „Uns fällt seit einiger Zeit auf, dass Verbraucher Probleme haben, wenn sie im Rahmen ihres Widerrufs Ware zurücksenden. Verbraucher schildern, wie ihnen Unternehmen vorwerfen, die Ware unvollständig zurückgesendet zu haben, teilweise sei die Ware auch nicht angekommen. Das ist für den Verbraucher im Nachhinein sehr schwer zu beweisen.“

Fotos und Videos können bei Rücksendung helfen

Die Verbraucherzentrale rät deshalb dazu, schon vor der Bestellung zu prüfen, wer im Falle eines Widerrufs die Kosten für die Rücksendung trägt und wohin die Ware zurückgesendet werden soll. Auch sollte man das Paket fotografieren und Videos vom Verpacken aufnehmen – am besten in Anwesenheit einer weiteren Person, die als Zeuge agieren kann.

Zeit ist ein wichtiger Faktor. Die Shops werden häufig schnell wieder vom Netz genommen. „Aber bis dahin haben sich die Betreiber eine goldene Nase verdient und machen später unter einer anderen Domain weiter, das rechnet sich für die Betreiber“, so Elbrecht vom VZBV.

„Keine Ostergeschenke für die Kinder, ich könnte kotzen.“

Auch der angebliche Fahrrad-Shop der offenbar betrogenen Facebook-Nutzerin ist heute nicht mehr online. Auf „Watchlist Internet“, einer Informationsplattform zu Internet-Betrug, wurde am 31. März dieses Jahres vor dem Shop gewarnt. Der Shop biete günstige Fahrräder an, die Webseite sehe auf den ersten Blick professionell und vertrauenswürdig aus. Doch das Unternehmen, wie im Impressum angegeben, existiere nicht. Zu spät für die Facebook-Nutzerin, deren Beitrag auf den 29. März datiert. Ihre Bilanz: „Keine Ostergeschenke für die Kinder, ich könnte kotzen.“