Betriebsratschef besorgt wegen Umbauplänen bei T-Systems

Telekom-Betriebsratschef Josef Bednarski zeigt sich wegen der Umbaupläne bei T-Systems besorgt. Foto: Federico Gambarini

Die Verarbeitung von Datenströmen wird immer wichtiger, Stichwort «Industrie 4.0». Gute Geschäfte also für die Telekom-Großkundensparte T-Systems, könnte man meinen. Aber der Bereich schwächelt, ein neuer Chef schlägt einen anderen Kurs ein - zum Unmut des Betriebsrats.

Bonn (dpa) - Beim geplanten Umbau der Telekom-Großkundensparte T-Systems hat der Betriebsrat Widerstand angekündigt. Die vom Vorstand erwogene Bildung einer neuen Gesellschaft sei nicht hinnehmbar.

Schließlich wäre dies sehr wahrscheinlich der erste Schritt hin zu einem Verkauf, sagte Telekom-Betriebsratschef Josef Bednarski der Deutschen Presse-Agentur in Bonn. «Die Gründung einer zweiten GmbH muss vom Tisch.» Der Konzernbereich hat 37 000 Mitarbeiter, davon knapp die Hälfte in Deutschland. Die Sparte steckt seit langem in der Verlustzone fest, der Umsatz schrumpft.

T-Systems entstand zur Jahrtausendwende. Die Idee dahinter: Klassische Industriekonzerne beauftragen die Telekom-Tochter mit IT-Diensten, weil sie selbst keine ausreichenden Kenntnisse für die Verarbeitung der kontinuierlich steigenden Datenmengen haben.

Doch der Bedarf der Kunden hat sich gewandelt, ihre Anforderungen steigen - das Geschäft wird kleinteiliger und anspruchsvoller. Dadurch verlor T-Systems Großaufträge, zuletzt von Thyssenkrupp. Andere T-Systems-Teilsparten hingegen, zum Beispiel «Security» mit Softwarelösungen für Firmenkunden zum Schutz vor Hackern, laufen gut.

Anfang Januar startete mit Adel Al-Saleh ein neuer Chef bei T-Systems. Nur wenige Tage im Amt, verkündete er Änderungspläne. Das eher konventionelle Outsourcing-Geschäft könnte von aufstrebenden Geschäftszweigen, etwa der «Security», getrennt werden. Entschieden sei das aber noch nicht, betonte ein Firmensprecher. Nach einer genauen Analyse könnte dies 2019 erfolgen. Die Mitarbeiter würden eingebunden, so hätten tausend Beschäftigte online Ideen eingebracht.

Der Gedanke hinter den Umbauplänen: Die mögliche Aufteilung auf 13 Einzelbereiche in zwei verschiedenen Firmen innerhalb des Telekom-Konzerns würde zu mehr Transparenz führen. Dadurch wiederum könnte klar werden, wie genau es um die einzelnen Sektoren steht. «Wenn ein Portfolio keinen Erfolg hat, müsste man über Alternativen nachdenken und handeln - mit der neuen Struktur ginge der Entscheidungsfindungsprozess schneller», erklärte ein Firmensprecher.

Arbeitnehmervertreter Bednarski hat dennoch ein ungutes Gefühl. Er deutet die mögliche Bildung einer zweiten GmbH als Vorbereitung für einen Verkauf - und damit womöglich für niedrigere Bezahlung und schlechtere Arbeitsbedingungen der Belegschaft. Der Betriebsrat werde Widerstand leisten gegen diese Gründung: «Wir werden uns keinem Diktat des Vorstands beugen.» Er räumt zwar ein, dass es bei T-Systems aufgrund des geänderten Marktes Veränderungsbedarf gebe. Das hätten auch Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat thematisiert und die Entwicklung «innovativer neuer Geschäftsfelder» angemahnt.

Für bessere Geschäfte brauche man aber keine zwei verschiedenen GmbH im Konzern, meint Bednarski. Erst wenn Al-Saleh die Firmengründungspläne wieder zurücknehme, sei der Betriebsrat zu Gesprächen bereit. Das harsche Vorgehen des neuen T-Systems-Chefs habe Verunsicherung in der Belegschaft ausgelöst. Auch andere Arbeitnehmervertreter sind besorgt: Verdi warnt, eine zweite Firma könnte eine Art «Bad Bank» zur Bündelung schlechter Geschäfte werden.

Bednarski erinnert an 2007. Damals habe die Führung die Ausgliederung der Serviceeinheiten mit 60 000 Beschäftigten und deren schlechtere Bezahlung in ähnlicher Weise durchsetzen wollen: «Damals gab es zwölf Wochen Streik - manche Narben aus dieser Zeit gibt es bis heute.»