Bester deutscher Schauspieler 2018: Oliver Masucci

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo Kino
Oliver Masucci spielt in “Werk ohne Autor” einen Künstler, der an Joseph Beuys angelehnt ist (Bild: The Walt Disney Company)

Seit der Bestseller-Verfilmung “Er ist wieder da” gehört Oliver Masucci zu den erfolgreichsten Schauspielern Deutschlands. Auch dieses Jahr führte weder im Theater noch in Kino und Fernsehen ein Weg an dem Charakterdarsteller vorbei. Weshalb er für uns der beste deutsche Schauspieler 2018 ist.

So schnell kann das gehen mit der Karriere! Oder sollte man im Fall von Oliver Masucci eher sagen: So langsam kann das gehen? Auf den Film- und Theaterschauspieler treffen irgendwie beide Behauptungen zu. Masucci steht seit Mitte der 1990er Jahren auf Theaterbühnen und vor den Kameras. Lange war er vor allem in der Theaterwelt bekannt. Auch der eine oder andere Fan gepflegter Fernsehunterhaltung hörte hier und da schon mal seinen Namen. Das breite Publikum wurde auf ihn aber erst 2015 aufmerksam, als er in der Gesellschaftssatire “Er ist wieder da” gespenstisch gut den Wiedergänger Adolf Hitler gab. Seit dem gehört er zu den am gesuchtesten Charakterdarstellern Deutschlands. Dieses Jahr war er in gleich in mehreren prestigeträchtigen Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen, weshalb er für uns Deutschlands Schauspieler 2018 ist.

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten

Bevor Masucci mit “Er ist wieder da” allgegenwärtig wurde, war er längst ein renommierter Bühnendarsteller. Nach seiner Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste Berlin stand der 1968 in Stuttgart geborene Mime auf den Brettern deutscher, österreichischer und Schweizer Schauspielhäusern. Mit seiner Darstellung des Stanley Kowalski in der Inszenierung von Tennessee Williams’ “Endstation Sehnsucht” am Schauspielhaus Basel wurde er sogar mit Marlon Brando verglichen, der 60 Jahre zuvor mit der Rolle weltberühmt wurde. Es blieb nicht der letzte Auftritt Masuccis in einem Bühnenklassiker. Im Laufe seiner Theaterkarriere sah man ihn in Stücken wie William Shakespeares “Was ihr wollt” und “Antonius und Cleopatra “, Aischylos’ “Die Perser”, “Heilige Johanna der Schlachthöfe” von Bertolt Brecht und Heinrich von Kleists “Amphytrion”.

Oliver Masucci bei der Premiere von “Werk ohne Autor” bei den Filmfestspielen von Venedig (Bild: The Walt Disney Company)

Parallel zu seinen Bühnenarbeiten war Masucci gelegentlich auch vor Fernsehkameras zu sehen. Seine Kinokarriere lief – vor allem seit seinem Engagement am Wiener Burgtheater im Jahr 2009 – auf Sparflamme. Das änderte sich mit der Aufsehen erregenden Verfilmung von Timur Vermes’ Bestsellerroman “Er ist wieder da”. Die Satire hält uns Deutschen einen Spiegel vor. Ihre Botschaft lässt sich auf die ernüchternde Aussage herunterbrechen: Sollte Hitler heute tatsächlich auf deutschen Straßen auftauchen, es gäbe so manchen unter uns, der ihn begeistert begrüßen würde. Die beklemmende Wirkung von David Wnendts Film verdankt sich nicht nur der halbdokumentarischen “Borat”-Ästhetik, sondern auch dem eindringlichen Spiel des Hauptdarstellers. Das entging auch dem einen oder anderen Preisgremium nicht. Masucci wurde für seine Leistung für den Deutschen Filmpreis nominiert und mit einem Bambi ausgezeichnet.

Der Mann für bissige Satiren

Seit dem ging es mit der Schauspielkarriere Masuccis stetig bergauf. Als Schauspieler ist er maßgeblich beteiligt an der hohen Welle, die deutsche Fernsehserien in letzter Zeit geschlagen haben. Er spielt tragende Rollen sowohl in der Netflix-Produktion “Dark” als auch in der ebenso gelobten Gangsterserie “4 Block” des Pay-TV-Senders TNT. Auch im Kino sieht man den Schauspieler mit den markanten Gesichtszügen seither regelmäßig. Masucci gehörte zur Reihe der hervorragenden Darsteller, die dem stellenweise allzu plakativ und pathetisch geratenen Künstlerdrama “Werk ohne Autor” wenigstens etwas Profil geben konnten. Im selben, also in diesem Jahr wirkte er mit Oskar Roehlers “HERRliche Zeiten” in einer weiteren Gesellschaftssatire mit. Er spielt darin einen Arzt, der mit seiner depressiven Frau im gemeinsamen Haushalt zwei Sklaven beschäftigt. Dieser selbstverliebte, eitle und machtgeile Claus Müller-Todt ist im Grunde kein schlechter Mensch, er wäre aber der erste, der vor Hitler – sollte er eines Tages wieder da sein – in die Knie gehen würde.

Oliver Masucci (in der Mitte) und Katja Riemann mit ihrem Sklaven Samuel Finzi in Oskar Roehlers “HERRliche Zeiten” (Bild: Concorde Filmverleih)