"Bestandsaufnahme Gurlitt" in Bern und Bonn

Unter dem Titel “Bestandsaufnahme Gurlitt” präsentieren die Bonner Kunsthalle und das Kunstmuseum Bern erstmals Werke aus der umstrittenen Sammlung des Hildebrand Gurlitt

Die Bonner Ausstellung trägt den Untertitel “Der NS-Kunstraubund die Folgen” und zeigt Werke etwa von Cranach, Dürer, Monet, Manet und Degas. Anhand von Biografien verfolgter jüdischer Sammler sowie Briefen und Geschäftsbüchern wird Gurlitts zwiespältige Rolle als NS-Kunsthändler aufgearbeitet.

In Bern liegt der Schwerpunkt auf 150 einst als “entartet” verfemten Werken, mit heute eindeutig geklärten Besitzverhältnissen, wie die Direktorin Nina Zimmer betont. “Um ganz sicher zu sein, haben wir nur ein Drittel der Sammlung für die Ausstellung ausgesucht, Werke, von denen wir hundertprozentig sicher sind, dass sie nicht geraubt wurden. Die anderen zwei Drittel warten auf eine letzte Klärung von Details. Wir hegen bislang jedoch keinen Verdacht auf Raubkunst in dieser Werkgruppe.”

Sechs Werke aus dem Bestand wurden bisher als Raubkunst identifiziert. In der Sammlung ist damit weit weniger Raubkunst enthalten, als bisher vermutet. Dies bestätigt auch die Leiterin des “Projektes Provenienzrecherche Gurlitt”, Andrea Baresel-Brand. Bei bisher 112 Arbeiten bestehe ein Raubkunstverdacht. “Es bleibt nicht aus, dass wir Lücken haben”, sagt sie. Mitunter sei die Forschung auch “in Sackgassen gelangt”. Ende des Jahres läuft das vom Bund finanzierte Forschungsprojekt aus.

Die Sammlung von rund 1500 Kunstwerken war vor fünf Jahren bei Hildebrand Gurlitts Sohn Cornelius in München und Salzburg beschlagnahmt worden. Cornelius Gurlitt starb 2014 und bestimmte das Berner Kunstmuseum zum Erben aller von seinem Vater zusammengetragenen Kunstwerke.

Nun ist ein Teil davon zu sehen: in Bern bis zum 4., in Bonn bis zum 11. März.

Im Herbst 2018 soll die Doppelausstellung im Berliner Gropiusbau zu einer Schau zusammengeführt werden. Der Kunstfund Gurlitt soll dann mit erhofften neuen Forschungsergebnissen präsentiert werden.