Rallye Polen fliegt aus WRC-Kalender

Die 74. Rallye Polen war die vorerst letzte im Rahmen der WRC


Was im Umfeld der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) bereits als offenes Geheimnis galt, wurde durch Promoter Oliver Ciesla nun erstmals von einem hochrangigen Vertreter der WRC offiziell bestätigt: Die Rallye Polen wird 2018 aus dem Kalender der Rallye-WM herausfallen. Stattdessen wird die WRC in nächsten Jahr zum ersten Mal seit 2010 wieder in der Türkei fahren. "Leider verlieren wir Polen - einen wichtigen Markt, der in den vergangenen Jahren eine gewaltige Entwicklung gemacht hat", so Ciesla gegenüber 'autosport.com'.

"Aber aus Sicherheitsgründen hat die FIA entschieden, im nächsten Jahr nicht mehr dorthin zu gehen", so der WRC-Promoter weiter. Nach Sicherheitsverstößen bei früheren Ausgaben stand die Rallye Polen unter verschärfter Beobachtung durch den Automobil-Weltverband FIA. Doch auch 2017 war es zu Zwischenfällen gekommen. So war ein Feuerwehrauto während einer laufenden Prüfung in entgegengesetzter Richtung auf die Strecke gefahren, eine Wertungsprüfung musste aus Sicherheitsgründen sogar abgesagt werden.

"Um es aber klar zu sagen: Für diese Sicherheitsverstöße waren nicht die Organisatoren verantwortlich, sondern undisziplinierte Zuschauer", bricht Ciesla eine Lanze für die lokalen Veranstaler. "Dennoch mussten wir im Sinne der Sicherheit handeln."

Erste Saisonhälfte bleibt 2018 unverändert

Ersetzt wird die Rallye Polen durch einen Lauf in der Türkei, wo die WRC zuletzt im Jahr 2010 zu Gast war - vorausgesetzt eine Inspektion der FIA ergibt kein negatives Votum. "Dort findet Anfang Oktober eine Rallye statt, die in Frage kommen könnte. Das ist eine Kandidaten-Rallye, bei der die FIA schauen kann, ob diese Veranstaltung den Anforderungen der WRC entspricht", hatte Hyundai-Teamchef Michel Nandan Anfang der Woche im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' gesagt.

Unterdessen wurden bei einer Sitzung der WRC-Kommission die erste Hälfte des WRC-Kalenders 2018 festgelegt. "Die ersten sechs Veranstaltungen in Monte-Carlo, Schweden, Mexiko, Argentinien, Korsika und Portugal stehen fest", sagt Nandan. "Für Italien steht das Datum noch nicht fest, anschließend ist noch alles offen." Insgesamt wird der Kalender bis Anfang Juni aber in etwa dem der laufenden Saison entsprechen.

Dann droht aber eine Lücke von gut sechs Wochen, da der Lauf in der Türkei nicht wie die Rallye Polen Ende Juni, sondern voraussichtlich im September zwischen der Rallye Deutschland und der Rallye Spanien stattfinden wird. Eine Rallye in Kroatien, über die auch diskutiert wurde, wird 2018 noch nicht stattfinden, denn der in der WRC-Kommission besprochene Kalender umfasst nur 13 Rallyes.

Kroatien scheitert am Termin, Neuseeland am Geld

"Über zwei weiter Veranstaltungen wird noch diskutiert: Kroatien und Neuseeland", so WRC-Promoter Ciesla. "Kroatien erscheint grundsätzlich machbar, allerdings konnten wir die zweite Saisonhälfte nicht derart umstrukturieren, dass wir das noch rein quetschen könnten."

Im Falle von Neuseeland, einer allseits sehr beliebten Rallye, scheitert es an den Kosten. "Bei den Beratungen mit den Teams wurde klar, dass die Kosten für eine 14. Rallye dort nicht budgetiert sind und es daher keine Unterstützung dafür gibt", sagt Ciesla.

Grundsätzlich wäre aber zumindest Hyundai von einem zusätzlichen WM-Lauf außerhalb von Europa angetan. "Eine weitere Rallye in Asien oder Amerika wäre in unserem Interesse. Es geht darum, die Marke Hyundai zu vermarkten, und das sollte weltweit passieren", sagt Teamchef Nandan. Allerdings gibt auch er das Argument der Kosten zu bedenken. "Es ist einfach zu sagen, wir wollen mehr Rallyes, aber am Ende sind es immer die gleichen Leute, die bezahlen müssen. Wenn man mehr Rallyes haben will, sollte man eine in Europa streichen", fordert er.

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