Besserer Kauf: BB Biotech oder Berkshire Hathaway

Tom Seiz, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

BB Biotech  (WKN: A0NFN3) und Berkshire Hathaway  (WKN: A0YJQ2) sind zwei Beteiligungsgesellschaften mit einem völlig unterschiedlichen Anlagehorizont. Während BB Biotech ausschließlich in Biotechs investiert, kann man im Portfolio von Berkshire Hathaway Aktien von so ziemlich jeder Branche – außer dem Biotechnologiesektor – finden. Dabei haben beide Gesellschaften dasselbe Ziel, nämlich ihren Vergleichsindex zu schlagen.

Welche der beiden Beteiligungsgesellschaften ist aktuell der besser aufgestellte Outperformance-Kandidat?

Wettbewerbsvorteile

BB Biotech besitzt als Minderheitsbeteiligungsgesellschaft keine üblichen Wettbewerbsvorteile wie zum Beispiel die Größe. Vielmehr ergibt sich der Wettbewerbsvorteil von BB Biotech durch das Expertenwissen seiner Mitarbeiter. Dabei ist dieses Expertenwissen auch dringend notwendig, da der Biotech-Sektor – insbesondere für Privatanleger – sehr gefährlich sein kann.

Schließlich verbrennen alle Biotechs in ihrer Anfangsphase sehr viel Geld, und dieses Geld kann nur mit einem sehr erfolgreichen Medikament wieder reingeholt und verdient werden. Misslingt jedoch die Genehmigung eines Blockbuster-Medikaments oder ist es einem anderen Marktteilnehmer gelungen, ein genauso wirksames Medikament schneller zu entwickeln, droht rasch die Pleite des Biotech-Unternehmens. Wobei es BB Biotech in der Vergangenheit sehr gut gelungen ist dieses Pleiterisiko mit einem ausgewogenen Portfolio einzudämmen und gleichzeitig hohe Renditen zu erzielen.

Berkshire Hathaway betreibt im Gegensatz zu BB Biotech einen relativ großen operativen Geschäftsbereich, da im Laufe der Zeit viele Beteiligungsunternehmen komplett gekauft worden sind. Diese Beteiligungsunternehmen sind in unterschiedlichen Branchen tätig, beispielsweise BSNF in der Transportindustrie, See’s Candies in der Süßwarenindustrie oder auch GEICO in der Versicherungsbranche. Wobei gerade letztgenannte Beteiligung sowie die vielen anderen Versicherungsbeteiligungen das Rückgrat von Berkshire Hathaway bilden. Schließlich nehmen die Versicherungen Prämien ein, die erst viele Jahr später – im Schadensfall – wieder ausgeschüttet werden müssen. Bis dahin investiert Berkshire Hathaway die Versicherungsprämien in aussichtsreiche Beteiligungen und erzielt so eine herausragende Rendite.

Dieser Anlagevorteil aus den Versicherungsbeteiligungen und die herausragende Fähigkeit des Managements, bestehend aus Warren Buffett und Charlie Munger, in die richtigen Unternehmen zu investieren, um starke Renditen zu erwirtschaften, bilden die Wettbewerbsvorteile von Berkshire Hathaway. Dabei haben die Investmentlegenden die zuletzt genannte Fähigkeit während der letzten 50 Jahre beeindruckend unter Beweis gestellt. Nicht umsonst ist der Aktienkurs von Berkshire Hathaway von unter 100 US-Dollar auf fast 300.000 US-Dollar (Kurs vom 20.12.2017) angestiegen.

Werttreiber

BB Biotech:
Bei Beteiligungsgesellschaften, die Minderheitsbeteiligungen anstreben wie BB-Biotech, ist der Anlageerfolg der alles entscheidende Werttreiber. Dabei ist es aber für Aktionäre auch sehr wichtig, dass sie sehr stark von diesem Anlageerfolg profitieren. Dazu ist eine geringe Kostenquote wichtig, da hohe Anlagekosten große Teile des Anlageerfolgs auffressen können und Aktionäre so eben nicht stark, sondern eher schwach vom Anlageerfolg profitieren würden. Doch auch der Investitionsgrad einer Beteiligungsgesellschaft ist von großer Bedeutung, da Beteiligungsgesellschaften für jeden nicht-investierten Euro umso mehr Rendite mit ihren investierten Euros erzielen müssen.

Jahr 2012 2013 2014 2015 2016
Anlagekosten 1,69 % 1,02 % 1,14 % 1,13 % 1,28 %
Investitionsgrad 109,0 % 104,5 % 104,6 % 101,0 % 109,9 %

Quelle: BB Biotech Geschäftsbericht 2016

Die Anlagekosten von BB Biotech betrugen in den letzten fünf Jahren zwischen 1,02 % – 1,69 %. Damit ist ein Investment in BB Biotech Aktien, besonders im Vergleich zu günstigen ETFs, nicht gerade günstig. Aber in einem Spezialgebiet wie der Biotechnologie, ist dieser Wert für das Spezialwissen der Anlageexperten durchaus gerechtfertigt. Und bei einer Investitionsquote von über 100 % in allen der letzten fünf Jahren können Aktionäre sogar mit einer Rendite auf das eingesetzte Fremdkapital rechnen.

Berkshire Hathaway:
Wie oben bereits erwähnt ist Berkshire Hathaway nicht nur an Minderheitsbeteiligungen interessiert, sondern besitzt über 80 Mehrheitsbeteiligungen. Die Erträge aus diesen Beteiligungen und aus den Minderheitsbeteiligungen bilden die Werttreiber von Berkshire Hathaway. Dabei ist der Umsatzanteil des operativen Geschäftsbereichs sehr viel höher als der Umsatzanteil des Investmentbereichs. Wobei der Investmentbereich eine höhere Profitabilität als der operative Geschäftsbereich aufweist.

Doch auch der operative Geschäftsbereich könnte profitabler werden. Zum einen durch die Bildung einer attraktiven Berkshire Hathaway Marke im Energie- und Versicherungssektor, die es Berkshire Hathaway erlauben sollte, höhere Preise durchzusetzen. Und zum anderen durch strategische Übernahmen von Mehrheitsbeteiligungen, die Synergien zu den bereits vorhandenen Mehrheitsbeteiligungen aufweisen. Durch Ausnutzung von diesen Synergien sollte letztendlich die Kostenquote sinken, wodurch die Marge steigen sollte.

Bewertung

Minderheitsbeteiligungsgesellschaften wie BB Biotech haben keinen operativen Geschäftsbetrieb. Dementsprechend ergibt eine Berechnung der üblichen umsatz- und gewinnabhängigen Kennzahlen für BB Biotech wenig Sinn. Viel mehr eignet sich der Wert des Net-Asset-Value (NAV) – also der Beteiligungswert – im Vergleich zur Marktkapitalisierung als Bewertungsgröße. Hierbei wird die Marktkapitalisierung durch den NAV geteilt. Dabei deuten Zahlen unter 1 auf eine Unterbewertung und Zahlen über 1 auf eine Überbewertung hin.

Die Marktkapitalisierung von BB Biotech beträgt zum 20.12.2017 3,66 Mrd. Schweizer Franken, während das NAV von BB Biotech zum Ende des 3. Quartals 3.691,6 Mio. Schweizer Franken betrug.  Damit ergibt sich ein NAV von 1,0, womit der Wert des Anlagevermögens genau dem Börsenwert entspricht.

Mehrheitsbeteiligungsgesellschaften wie Berkshire Hathaway hingegen haben zwar einen operativen Geschäftsbereich, dennoch wäre es auch hier besser jede einzelne Beteiligung gesondert zu bewerten. Wobei alle Beteiligungswerte zusammen dem NAV entsprechen würden. Dessen Berechnung ist aber sehr aufwendig, weswegen ich auf das leichter zu berechnende Kurs-Buchwertverhältnis (KBV) zurückgreifen werde.

Bei Berkshire Hathaway beträgt die Marktkapitalisierung zum 20.12.2017 ganze 491,6 Mrd. US-Dollar, während der Buchwert im 3. Quartal 2017 308,278 Mrd. US-Dollar betrug. Damit ergibt sich ein Buchwertaufschlag von 1,57 bzw.    57 %. Um fair zu sein ist ein Hauptgrund für diese Differenz, dass die stillen Reserven von komplett übernommenen Beteiligungen nicht im Buchwert enthalten sind.

Dennoch ist 1,57 ein hoher Wert, der zusätzlich zu den stillen Reserven auch eine Bewertungsprämie für die hohen Erträge aus dem operativen Geschäftsbereich sowie die herausragenden Fähigkeiten des Managements beinhalten dürfte.

Fazit

Beide Beteiligungsgesellschaften haben ihre Vor- und Nachteile. Wobei jeweils die Vorteile bei weitem überwiegen, weswegen meiner Meinung nach ein Kauf von beiden Aktien für Investoren profitabel sein sollte. Dennoch muss ich mich für eine Aktie entscheiden und wähle BB Biotech, da ich von einem großen Wachstumspotenzial im Biotechsektor überzeugt bin und ich die hohe Dividendenrendite von rund 4,2 % (Kurs vom 20.12.2017) sehr attraktiv finde.

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Tom Seiz besitzt keine erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway (B-Aktien).

Motley Fool Deutschland 2017