Was ist der bessere Kauf? Pfizer vs. Johnson & Johnson

Motley Fool Investmentanalyst

Da 2017 nur noch ein Monat verbleibt, ist es ziemlich klar, welcher große Pharmakonzern von Pfizer (WKN:852009) und Johnson & Johnson (WKN:853260) in diesem Jahr die bessere Wahl war. Der Aktienkurs von J&J ist um mehr als 20 % gestiegen, während die Pfizer-Aktie nur um etwas mehr als die Hälfte gestiegen ist.

Investieren ist wie Autofahren. Es ist viel wichtiger, nach vorne zu schauen, als sich auf Vergangenes zu konzentrieren. Welche dieser Aktien ist für die Anleger in den kommenden Jahren die bessere Wahl? Hier ist ein Vergleich von Pfizer und Johnson & Johnson in drei Kategorien.

Wachstum

Mehrere Faktoren treiben das Wachstum der Pharmaunternehmen an. Natürlich sind die Aussichten für aktuelle Produkte, die sich bereits auf dem Markt befinden, sehr wichtig. Die Pipelines der Unternehmen spielen bei der Bestimmung, wie viel Wachstum erzielt werden kann, ebenfalls eine entscheidende Rolle. Übernahmen und Lizenzverträge abzuschließen ist ein weiterer entscheidender Faktor.

Die einfachste dieser Faktoren, den man beim Vergleich von Pfizer und J&J heranziehen kann, sind aktuelle Produkte. Für Pfizer gibt es gute und schlechte Nachrichten. Das innovative Gesundheitssegment des Unternehmens steigerte den Umsatz um fast 11 %, angeführt von den Blockbuster-Medikamenten Eliquis, Ibrance und Lyrica. Allerdings dämpft dieses Segment Pfizers Gesamtumsatzwachstum aufgrund rückläufiger Verkäufe von Arzneimitteln, die ihre Exklusivität verloren haben.

Johnson & Johnson hat seine eigenen Herausforderungen, wobei die Verkäufe für sein umsatzstärkstes Medikament Remicade aufgrund der Konkurrenz durch Biosimilars (einschließlich Pfizers Inflectra) rückläufig sind. Auch das Consumer-Segment von J&J verzeichnet ein verhaltenes Umsatzwachstum. Insgesamt ist das Umsatzwachstum von J&J in diesem Jahr jedoch stärker als das von Pfizer, was zu einem großen Teil auf getätigte Übernahmen zurückzuführen ist.

Beide Unternehmen verfügen über solide Pipelines. Pfizer erwartet die Zulassung von zehn Medikamenten (einige davon für neue Indikationen für bereits zugelassene Medikamente). Das Unternehmen verfügt außerdem über 28 Programme in der Spätphase. J&J hat noch mehr Programme in Studien im Spätstadium und wartet auf die Zulassung von acht Medikamenten in den USA (einschließlich neuer Indikationen). Anfang des Jahres hat das Marktforschungsunternehmen EvaluatePharma die Pipeline von J&J als die fünftbeste unter den großen Pharmaunternehmen eingestuft, während Pfizer nicht in die Liste aufgenommen wurde.

Für beide Unternehmen waren Übernahmen wichtig. Pfizer kaufte  im vergangenen Jahr Anacor und Medivation, während J&J 2017 Actelion übernahm. Beide Unternehmen dürften auch durch weitere Übernahmen zu mehr Wachstum beitragen. Zum 1. Oktober 2017 verfügte Pfizer über liquide Mittel und kurzfristige Anlagen in Höhe von 16,9 Milliarden US-Dollar, während J&J 16,2 Milliarden US-Dollar hatte.

Welches Unternehmen hat den generellen Vorteil, wenn es um Wachstumsperspektiven geht? Meiner Ansicht nach gewinnt Johnson & Johnson in dieser Kategorie.

Einkommen

Anders sieht es mit dem Einkommen aus. J&J hat sicherlich die beeindruckendere Erfolgsbilanz. Der Gesundheitsriese hat seine Dividende 55 Jahre in Folge erhöht. Pfizer hat auch viele Dividendenerhöhungen vorgenommen, aber die Wirtschaftskrise von 2008-2009 hat den großen Arzneimittelhersteller veranlasst, seine Dividende zu kürzen.

Allerdings ist die Dividendenrendite von Pfizer mit knapp 3,6 % deutlich höher als die von J&J mit knapp 2,4 %. Während J&J seine Dividende in den letzten Jahren etwas schneller erhöht hat als Pfizer, konnte das Unternehmen Pfizer nicht einholen. Meiner Meinung nach verfügt Pfizer über den klaren Vorteil, für die Aktionäre stetige Erträge zu erwirtschaften.

Wert

Die Pfizer-Aktie wird derzeit mit etwas mehr als dem 13-fachen des erwarteten Gewinns gehandelt. Das ist deutlich weniger als J&Js erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 18. Für Investoren, die es vorziehen, Bewertungskennzahlen auf Basis des Unternehmenswertes zu verwenden, sieht Pfizer auch günstiger aus als J&J.

Aber wie sieht es mit der Berücksichtigung von Wachstumsperspektiven aus? Obwohl das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis in der Regel eher bei wachstumsstarken Aktien angewendet wird, können wir damit die Bewertungen dieser beiden großen Pharmaunternehmen vergleichen. Auch hier hat Pfizer die Nase vorn, mit einem Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis von 2,34 gegenüber 2,73 bei J&J. Ich betrachte Pfizer als das bessere Geschäft dieser beiden Aktien.

Der bessere Kauf

Pfizer hat gegenüber Johnson & Johnson in zwei von drei Kategorien die Nase vorn. Es ist eindeutig die preiswertere der beiden Aktien. Pfizer hat auch die attraktivere Dividende, obwohl J&J in der Vergangenheit auf eine große Zahl von Dividendenerhöhungen verzeichnet hat.

Aber machen die Wachstumsperspektiven J&J zur besseren Wahl? Nicht in meinen Augen. Ich erwarte, dass Pfizer noch ein paar weitere Übernahmen tätigt, um sein Wachstumspotenzial zu verbessern. Inzwischen bietet das Unternehmen enorme Dividendenrenditen. Für mich ist Pfizer leicht im Vorteil, aber beide Aktien sind für die Investoren, die langfristig Gewinne erzielen wollen, eine großartige Wahl.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Johnson & Johnson.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 01.12.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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