Der bessere Kauf: Celgene oder BB Biotech?

Dr. Stefan Graupner, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Will man an der Börse richtig Geld verdienen, sollte man Biotech-Aktien immer mit berücksichtigen. Denn diese entwickeln sich dank fast exponentieller Zunahme an medizinischem Wissen fundamental positiv weiter, so dass revolutionäre Entwicklungen fast wie am Fließband entstehen. Ohne ins volle Risiko zu gehen, bieten sowohl Celgene (WKN:881244) als auch BB Biotech (WKN:A0NFN3) interessante Möglichkeiten.

Was macht Celgene?

Die amerikanische Celgene ist eins der weltweit erfolgreichsten Biotech-Unternehmen überhaupt. Kürzlich jedoch wurde für GED-0301 (Mongersen) die Phase III-Studie gegen Morbus Crohn abgebrochen, da der primäre Endpunkt nicht erreichbar schien.

Solche Rückschläge sind in der Pharmaforschung normal, und man muss wissen, dass dies bei ca. 35 % aller in Entwicklung befindlicher Medikamente in Klinischer Phase III passiert. Umso wichtiger ist bei guten Biotech-Unternehmen eine prall gefüllte Pipeline, die solche Fehlschläge kompensiert.

Celgene wäre nicht da wo sie ist, wenn es nicht viele weitere Kandidaten mit Blockbusterpotenzial (Jahresumsatz >1 Mrd. US-Dollar) gäbe. Viel wichtiger wird die erwartete Zulassung für Ozanimod sein, das sich in finaler Klinischer Phase gegen Multiple Sklerose (MS) sowie Colitis ulcerosa befindet.

Interessant ist auch, dass Ozanimod sehr gute Daten gegen Morbus Crohn in Phase II lieferte, so dass ein Spitzenumsatz für alle drei Indikationen von sechs Mrd. US-Dollar realistisch erscheint. Ende 2017 soll schon der Zulassungsantrag für Ozanimod gegen MS eingereicht werden, so dass das Medikament schon 2018 vermarktet werden könnte.

Für 2017 erwartet Celgene einen Umsatz von 13 Mrd. US-Dollar, der eine Steigerung von 16 % gegenüber dem Vorjahr bedeuten würde. Flaggschiff ist und bleibt Revlimid gegen Blutkrebs mit ca. 8 Mrd. US-Dollar Umsatz.

Ein weiterer Kandidat in der Pipeline ist Luspatercept, das in zwei späten Studien gegen Myelodysplastisches Syndrom sowie Beta-Thalassämie geprüft wird. Eine Zulassung wird für 2019 angestrebt mit Umsatzpotenzial von mehreren Mrd. US-Dollar pro Jahr.

Ein anderer Wirkstoff, Marizomib, hat die seltene Eigenschaft, die Blut-Hirn-Schranke überwinden zu können. Die Blut-Hirn-Schranke schützt das Gehirn vor im Blut zirkulierenden Krankheitserregern, Toxinen und Botenstoffen.

Leider können auch die meisten Medikamente diese natürliche Hürde nicht nehmen, so dass Marizomib gerade beim Kampf gegen Glioblastome einen echten Fortschritt bedeuten würde. Aber das ist bei weitem noch nicht alles, denn Celgene hat mehr als fünf weitere potenzielle Blockbuster in der Pipeline.

Dazu kommen unzählige Partnerschaften wie mit Bluebird Bio und Juno Therapeutics, die Celgene zum führenden Anbieter von CAR-T-Therapien machen könnte. Und was ist mit Gilead Sciences, die Kite Pharma übernommen hat und Novartis? Diese haben jeweils eine erste zugelassene Therapie im Markt, aber dennoch viele Probleme.

Dagegen hat Bluebird Bio mit bb2121 in Klinischer Phase I von 100 % Wirksamkeit bei Patienten mit Multiplem Myelom berichtet. Das nennt man effektiv, und genau deshalb ist die Zelltherapie die neue medizinische Revolution. Für Celgene bedeutet dies potenzielle Multimilliarden US-Dollar Umsätze.

Auch Juno Therapeutics konnte mit JCAR017, das übrigens ähnlich wie Yescarta von Kite (jetzt Gilead) arbeitet, sehr gute Resultate präsentieren. Nur 2 % von insgesamt 44 Patienten hatten einen Zytokinsturm, und nur 18 % zeigten Anzeichen von Neurotoxizität.

Bei Kite (Gilead) waren es zum Vergleich 13 % für Zytokinstürme und 28 % für Neurotoxizität, d. h. das Sicherheitsprofil scheint für JCAR017 deutlich besser zu sein, so dass ein signifikanter Wettbewerbsvorteil für die Kombination Juno/Celgene vorliegen dürfte. Schon 2018 soll der Zulassungsantrag eingereicht werden.

Was macht BB Biotech?

BB Biotech ist kein Biotech-Unternehmen, sondern eine auf Biotech spezialisierte und börsennotierte Unternehmensbeteiligungsgesellschaft. Dabei investiert BB Biotech vorwiegend in US-amerikanische Biotech-Aktien, deren Anzahl und Qualität weltweit immer noch dominieren.

Größte Beteiligungen sind Celgene, Incyte und Ionis Pharmaceuticals im zweistelligen Prozentbereich, gefolgt von Gilead Sciences, Vertex Pharmaceuticals und einigen anderen.

Während Celgene wie berichtet nachgab, konnte Vertex positive Nachrichten für gleich drei Dreifachtherapien bei Mukoviszidose-Patienten melden. Die Daten deuten darauf hin, dass sich dadurch weitaus mehr Mukoviszidose-Patienten als bisher erfolgreich behandeln lassen werden.

Die von Gilead übernommene Kite Pharma hat von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für Yescarta zur Behandlung des großzelligen B-Zell-Lymphoms erhalten. Nach Novartis ist dies die erst zweite Zulassung für eine CAR-T-Immuntherapie überhaupt.

Ionis hat nicht nur eine einzigartige Plattformtechnologie mit praller Pipeline, sondern war auch beim Börsengang der Tochter Akcea erfolgreich. Seit der Notierung im Juli konnte Akcea in der Spitze satte 285 % zulegen, wobei Ionis mit gut 68 % noch immer Mehrheitsaktionär ist. Der Wert von Akcea hat sich damit in den vergangenen Monaten nahezu verdreifacht.

Incyte entwickelt mit der amerikanischen Merck zusammen den Wirkstoff Epacadostat in Kombination mit dem Checkpoint-Inhibitor Keytruda in den verschiedensten Indikationen. Bisherige Daten sehen mehr als vielversprechend aus, so dass Morgan Stanley unverändert beim Votum „Overweight” mit einem Zielkurs von 142 US-Dollar bleibt.

Fazit

Der Kursverlust bei Celgene am 20. Oktober ist zwar dem Scheitern von GED-0301 geschuldet, doch scheint der Abschlag übertrieben und daher eine echte Einstiegschance bei dieser ohnehin günstig bewerteten Aktie. Die Zukunftsaussichten bleiben nach wie vor mit ca. 20 % Wachstum pro Jahr über die nächsten Jahre grandios.

BB Biotech ist zwar eher etwas für konservative Anleger, allerdings schlägt die Aktie stetig den NASDAQ Biotechnology Index und schüttet eine Dividende um die fünf Prozent aus. In den letzten fünf Jahren hat das Papier um ca. 250 % zugelegt, was den ca. 220 % von Celgene und den ca. 300 % von Amazon im selben Zeitraum in nichts nachsteht. Daher Chapeau für das BB Biotech-Team.

Stefan Graupner besitzt Aktien von Celgene. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool  besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, Bluebird Bio, Celgene, Gilead Sciences und Ionis Pharmaceuticals. The Motley Fool empfiehlt Juno Therapeutics und Vertex Pharmaceuticals.

Motley Fool Deutschland 2017