Bessere EM-Tipps: Ein Leitfaden für wettende Investoren

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WM 2014 Fan-Trikot

Die Vorrunde ist vorbei, jetzt geht es mit den Achtelfinalspielen der Fußball-Europameisterschaft ans Eingemachte. Viele Fußballfans steigern den Spaß, indem sie ein paar Wetten eingehen. Ja selbst der eine oder andere Foolishe Anleger, der normalerweise vor allem auf langfristige Investitionen in aussichtsreiche Aktien setzt, riskiert dabei seinen Einsatz. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange ein paar Grundregeln beachtet werden. Lies hier, wie man Prinzipien des guten Investierens auf Sportwetten übertragen kann.

Auf was Investoren auf keinen Fall wetten sollten

Nicht von ungefähr zählen Sportwetten zu den Glücksspielen, genauso wie Poker, Roulette und Lotto. Dort gilt in der Regel, dass auf lange Sicht nur die Bank gewinnt.

Zwar gibt es theoretisch Strategien, mit denen man zu 100 % gewinnt. Zum Beispiel, indem man beim Setzen auf Rot jedes Mal seinen Einsatz verdoppelt, bis man gewinnt. Aber in der Praxis fährt man mit solch einem Ansatz an die Wand, weil man schon beim zehnten Mal den tausendfachen Einsatz stellen muss. Da stößt jeder irgendwann an seine Grenzen.

Wie man es also dreht und wendet: Wenn man sein Glück völlig dem Zufall überlässt, gewinnt die Bank bzw. der Wettanbieter. Deshalb würde ich reine Glückswetten unbedingt vermeiden. Dazu gehören Prognosen wie
– in welcher Minute das nächste Tor fällt,
– ob die nächste Aktion eine gelbe Karte oder doch ein Eckball sein wird,
– oder ob das erste Tor per Eigentor oder Strafstoß fällt.

Selbst bei der genauen Vorhersage des Ergebnisses unterwirft man sich zu sehr dem Zufall. Unzählige Situationen werden minutenlang vom VAR untersucht, um festzustellen, ob ein Abseits, Handspiel oder ein Foul vorlag. Ein Millimeter macht dann den Unterschied zwischen 4:1 und 3:1 aus, zwischen Gewinn oder Verlust. Trotz der richtigen Prognose eines klaren Sieges geht man als Verlierer vom Platz.

Wie man sich bei Sportwetten einen Vorteil verschafft

Am ehesten kann man seine Expertise beim Ergebnistipp noch einbringen, wenn man ein 0:0 erwartet. (Ansonsten bieten sich z. B. Wetten auf eine Mindestanzahl von Toren an, wo man bei verschiedenen Ergebnissen gewinnen kann – Hauptsache torreich.)

Vielleicht wissen wir aus den vorherigen Spielen, dass die Stürmer auf beiden Seiten Ladehemmungen haben und die Abwehr jeweils gut organisiert ist. Wenn der Gesamtheit der anderen Tipper diese Erkenntnis nicht im gleichen Ausmaß bewusst ist, dann könnte die Quote hoch genug für ein aussichtsreiches Chancen-Risiko-Verhältnis sein.

An dieser Stelle funktionieren Sportwetten ähnlich wie die Börse. Bei Aktien ist es ebenfalls eine gute Strategie, auf dem Kurszettel diejenigen herauszufiltern, die von Mr. Market unterschätzt werden. Solche Aktien haben zwar keine Quoten, aber dafür attraktive Kennzahlen, wie zum Beispiel ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis, das die guten Geschäftsaussichten nicht widerspiegelt.

Zum Beispiel war vor Deutschland gegen Ungarn auffällig, dass nach dem begeisternden Portugal-Spiel alle auf Deutschland setzen wollten. Entsprechend stürzten die Quoten in den Keller, während diejenigen auf Ungarn erstaunlich hoch wirkten. In solchen Situationen kann man die unter Investoren bekannte Contrarian-Strategie einsetzen. Damit gewinnt man zwar nicht häufiger, aber gegebenenfalls mehr.

Dazu gehört dann auch, dass man nicht alle Eier in einen Korb legt, sondern diversifiziert. Wenn wir im Turnierverlauf auf zehn Contrarian-Chancen mit Quote 6 setzen, dann genügt es schon, wenn wir zumindest zweimal richtig liegen. Aus 100 Euro werden dann 120 oder vielleicht sogar 180 Euro.

Das gleiche Prinzip gilt, wenn wir in spannende Wachstumsaktien investieren. Dort wollen wir nicht nur auf zwei oder drei Unternehmen setzen, sondern besser auf 20 oder 30, um sicherzustellen, dass es ein paar große langfristige Gewinner in unser Portfolio schaffen.

Diese Fallen sollte man beim Wetten vermeiden

Auch wenn es Parallelen zwischen dem richtigen Investieren und dem ambitionierten Wetten gibt, sollten wir die Grenzen nicht verwischen. Wetten hat mit Vermögensaufbau nichts zu tun. Entsprechend sollte der Einsatz von Anfang an begrenzt sein.

Es ist auch wichtig, dass man die eine oder andere Psychofalle umschifft. Was verloren ist, ist verloren. Zu versuchen, es später über höhere Einsätze wieder hereinzuholen, ist ein Rezept für Desaster. Andersherum ist es auch ratsam, nach Gewinnen nicht leichtsinnig und undiszipliniert zu agieren, nach dem Motto „jetzt habe ich mir ein paar Spaßwetten verdient“.

Wer mit einer Investorenmentalität an das Wetten herangeht, der sollte diese auch über das gesamte Turnier hinweg durchhalten. Jedem Einsatz muss eine klare Strategie zugrunde liegen, sozusagen eine Investitionsthese. Am besten ist dabei, wenn man einen Wettpartner hat, der diese Investitionsthese hinterfragt und gleichzeitig alternative Strategien entwickelt.

So ergibt sich ein Prozess, der ähnlich ist wie die Suche nach der attraktivsten Investitionsgelegenheit an der Börse.

Der Artikel Bessere EM-Tipps: Ein Leitfaden für wettende Investoren ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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