Bessere Aussichten für die HSH Nordbank

Lange galt die HSH Nordbank als das größte Risiko für das deutsche Finanzsystem. Den Verkauf an Finanzinvestoren wissen nun auch die Ratingagenturen zu schätzen.


Einen Tag nach Bekanntgabe der Verkaufspläne für die HSH Nordbank reagieren die Ratingagenturen auf den Deal, mit dem in letzter Sekunde eine Abwicklung der Landesbank vermieden wurde. Die Experten von Moody’s glauben, dass der Deal zu einer besseren Bonitätsnote für das Geldhaus führen könnte und haben die HSH deshalb auf ihre Beobachtungsliste für eine Heraufstufung des Ratings gesetzt.

Der geplante Verkauf habe das Potenzial das Finanzprofil der HSH deutlich zu verbessern. Die Bonitätswächter gehen davon aus, dass die neuen Eigentümer die Risiken noch einmal deutlich abbauen und dass sie die Bank vereinfachen werden. Derzeit bewertet Moody’s die Bonität der HSH mit Baa3.

Am Mittwoch hatten die Mehrheitseigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein den Deal bei einer gemeinsamen Kabinettssitzung in Kiel besiegelt. Damit wird erstmals in Deutschland eine Landesbank privatisiert: Die in der Finanzkrise in schwere Not geratene HSH soll 15 Jahre nach ihrer Gründung an ein Konsortium um die US-Finanzinvestoren Cerberus und J.C. Flowers verkauft werden.

Für 94,9 Prozent der Anteile zahlen sie eine Milliarde Euro. Dem Verkauf muss allerdings noch die EU zustimmen. Im Gegenzug für die Genehmigung von milliardenschweren Beihilfen hatte Brüssel gefordert, dass die Bank bis Ende Februar 2018 verkauft wird, ansonsten hätte die Abwicklung gedroht.



Neben einer ganzen Reihe von positiven Effekten durch die Übernahme sieht Moody’s allerdings auch ein Risiko: Die Einlagensicherung. Spätestens zwei Jahre nach der Privatisierung muss die HSH Nordbank aus dem Haftungsverbund der Sparkassen ausscheiden, um Vollmitglied beim Einlagensicherungssystem des privaten Bankenverbands zu werden ist allerdings eine Übergangsfrist von drei Jahren vorgesehen.

Es muss also eine Lücke von einem Jahr überbrückt werden. Jede der drei deutschen Bankenfamilien – die öffentlich-rechtlichen, die genossenschaftlichen und die privaten Banken – unterhält einen eigenen Feuerwehrfonds, der Spareinlagen von Kunden über das gesetzliche Minimum von 100.000 Euro hinaus vor Bankpleiten absichert.

Bis auf wenige Ausnahmen bieten praktisch alle Banken in Deutschland einen Schutz, der weit über diese 100.000 Euro hinausgeht. Wer außen vor bleibt, muss damit rechnen, dass Investoren von ihm wegen der höheren Unsicherheit höhere Zinsen für Einlagen fordern.

Monika Heinold, die Finanzministerin von Schleswig Holstein, betonte, dass die erfolgreiche Verlängerung im Einlagensicherungssystem der Sparkassen eine der Voraussetzungen für den Abschluss des HSH-Verkaufs ist. Dazu habe es bereits konstruktive Gespräche mit dem Sparkassenpräsidenten Helmut Schleweis gegeben: „Wir waren uns einig, dass es sinnvoll ist, eine gute Lösung zu finden“, sagte Heinold.


Der Deutsche Sparkassen und Giroverband (DSGV) habe bestätigt, dass seine Gremien rechtzeitig genug über eine Verlängerung entscheiden würden, um den Verkauf der HSH an die Finanzinvestoren möglich zu machen. „Wir brauchen aber noch mehr als dieses Schreiben“, betonte die Ministerin. „Wir benötigen die Zusage“ des DSGV“ für einen nahtlosen Übergang ins Sicherungssystem der privaten Banken.

Die Bonitätswächter von Moody’s gehen jedenfalls davon aus, dass der positive Effekt auf das Rating durch die geplante Privatisierung größer ausfallen wird, als die negative Wirkung durch das Ausscheiden aus dem Haftungsverbund der Sparkassen.