Besser als Ovechkin und Crosby - Draisaitls unfassbare Werte

Patrick Hauser

Ein Deutscher dominiert die stärkste Eishockey-Liga der Welt.

Mit vier Toren und einer Vorlage beim 8:3-Sieg seiner Edmonton Oilers gegen die Nashville Predators sammelte Leon Draisaitl seine Scorerpunkte 103 bis 107 in dieser NHL-Saison.

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"Ich muss da nicht um den heißen Brei herumreden. Wenn du vier Tore machst, fühlst du dich gut. Fühlst dich gut für dich selbst, für deine Teamkollegen. Sie haben es mir heute sehr leicht gemacht", sagte Draisaitl nach der Partie.


Der Stürmer führt damit die NHL-Scorerliste mit stolzen 13 Punkten Vorsprung auf seinen Teamkollegen Connor McDavid (94) an. (NHL: Ergebnisse und Spielplan)

Kein Wunder, dass SPORT1-Experte Rick Goldmann begeistert ist: "Was Leon für Eishockey-Deutschland in der NHL macht, ist eine unglaubliche PR-Arbeit. Wenn vor fünf Jahren jemand gesagt hätte, dass der mit Abstand beste Scorer der NHL Deutscher ist, hätte jeder Eishockey-Fan gesagt, der spinnt. Jetzt ist es so. Das ist eine brutal starke persönliche Leistung."

Draisaitl mit unglaublicher Bilanz

Der 24-Jährige hat damit bereits 16 Spiele vor Ende der Hauptrunde seine ohnehin schon großartige Vorjahressaison überboten, an deren Ende er auf 105 Punkte kam.

"Besonders stark einzuschätzen ist der Vergleich zu sich selbst. Er hat es jetzt schon geschafft, die Punktausbeute vom vergangenen Jahr auszubauen. Er führt die Scorerwertung an, das ist ein unglaublicher persönlicher Erfolg", sagte Goldmann im Gespräch mit SPORT1.

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Draisaitl dürfte - wenn keine Verletzung dazwischen kommt - als erster Deutscher die Art Ross Trophy für den besten Punktejäger der Saison erhalten. Auch für die Hart Memorial Trophy, die der wertvollste Spieler (MVP) der regulären Saison bekommt, ist Draisaitl mittlerweile Favorit.

Durch seinen Viererpack gegen Nashville hat die Nummer drei beim NHL-Draft 2014 erstmals in seiner Profikarriere mehr Scorerpunkte als Spiele in seiner Statistik stehen: In 417 Spielen war er nun 419 Mal an einem Tor beteiligt.


Draisaitl überbietet mit seiner Ausbeute sogar die größten NHL-Stars der letzten 20 Jahre. Statistisch gesehen steuert er auf etwa 133 Punkte bis zum Saisonende zu, das erreichte kein einziger noch aktiver NHL-Spieler. Der Russe Nikita Kucherov hat mit 128 Punkten den besten Wert.

Besser als Crosby und Ovechkin

Kanadas Olympiasieger Sidney Crosby schaffte vor 13 Jahren 120 Punkte, Russlands Superstar Alexander Ovechkin ein Jahr später 112. Die schwedische Legende Peter Forsberg (106 Punkte im Jahr 2003) hat Draisaitl bereits überholt.

Mehr als Draisaitls prognostizierte 133 Punkte holten zuletzt in der Saison 1995/96 die NHL-Legenden Mario Lemieux und Jaromir Jagr mit 161 bzw. 149 Punkten. Wayne Gretzky kam in seiner besten Saison 1985/86 sogar auf unglaubliche 215 Punkte.


"Ich sage es schon seit Jahren: Leon ist ein wunderbarer Spieler. Es ist schön, dass er endlich auch die Anerkennung bekommt", sagte Teamkollege McDavid, der 2018 (108 Punkte) und 2017 (100) bester Scorer der Liga war. (SERVICE: NHL-Tabelle)

Die Mega-Saison Draisaitls läuft in Deutschland aber weitgehend unter dem Radar. Obwohl seine Leistungen an die Glanzzeiten eines Dirk Nowitzki in der NBA erinnern, kommt sein Bekanntheitsgrad nicht im Ansatz an den früheren Star der Dallas Mavericks heran.

Goldmann: Draisaitl hätte mehr Aufmerksamkeit verdient

Für Goldmann hat dies mehrere Gründe: "Es dauert eine Zeit lang, bis ein in Amerika spielender Sportler in Deutschland aktiv in der Presse auftaucht. Bei Nowitzki hatte die Aufmerksamkeit auch mit der Nationalmannschaft und internationalen Erfolgen zu tun", erklärt der SPORT1-Experte.

"Er hatte auch einen sehr großen Werbepartner (die Direktbank ING, Anm. d. Red.), der ihn in der Werbung omnipräsent gemacht hat. Leon ist in dieser Beziehung noch nicht so weit. Von der Leistung her ist es definitiv so, dass er mehr Aufmerksamkeit verdient hätte."


Dies könnte Draisaitl durch eine erfolgreiche Playoff-Teilnahme schaffen, auch bei Nowitzki ging der Hype in Deutschland erst mit seiner Teilnahme an den NBA-Finals 2006 richtig los.

Draisaitl träumt vom Stanley Cup

Mit den Oilers ist Draisaitl als Fünfter im Westen aktuell zumindest auf gutem Wege, zum erst zweiten Mal in seinen sechs NHL-Jahren wieder die Postseason zu erreichen.

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Und trotz der persönlichen Bestmarken - der große Traum des Deutschen ist der Gewinn des Stanley Cups. Dies gelang mit Uwe Krupp (1996), Dennis Seidenberg (2011), Tom Kühnhackl (2016 und 2017) sowie Philipp Grubauer (2018) immerhin vier Deutschen.


Nummer fünf dürfte in dieser Saison schwierig werden, denn der Vorsprung der Oilers auf Rang neun beträgt nur magere sechs Punkte. Aber wer weiß - wenn die Oilers erst einmal in den Playoffs sind, ist mit so einem überragenden Duo wie Draisaitl und McDavid viel möglich.

Dann wäre Draisaitl sicher auch die Aufmerksamkeit in Deutschland gewiss.