Besitzt Axon Enterprise ein 200-Mio.-US-Dollar-Risiko?

Axon Enterprise (WKN: A2DPZU) hat wieder einmal gezeigt, was ein starkes Geschäftsmodell leisten kann. Im Rahmen der Quartalsberichtssaison gab es erneut ein wirklich solides Wachstum. Auch Profitabilität ist weiterhin möglich. Das reichte aus, dass die Aktie wieder geklettert ist und die Korrekturverluste weitgehend herausgeholt hat.

Besonders bemerkenswert ist, dass das Management von Axon Enterprise sich als überaus visionär zeigt. Ein kleiner Abriss: Zunächst wollte man an Drohnen arbeiten, die quasi überall für Sicherheit sorgen. Gleichzeitig verkündete man jüngst das Moonshot-Ziel, die Anzahl der tödlichen Schüsse vonseiten der Sicherheitsbehörden bis zum Jahre 2033 um die Hälfte reduzieren zu wollen.

Wenn wir die Quartalszahlen ein wenig näher beleuchten, so fällt uns jedoch auf: Ein Risiko ist durchaus vorhanden. Und es ist mit tendenziell 200 Mio. US-Dollar nicht gerade unwesentlich.

Axon Enterprise: Kontext zu den 200 Mio. US-Dollar

Eine winzige Information im Rahmen der Quartalszahlen zu Axon Enterprise hat mich aufhorchen lassen: Das Management resümierte, dass man in den ersten drei Quartalen des Jahres 2022 Bookings in Höhe von 200 Mio. US-Dollar von US-amerikanischen Bundesbehörden verzeichnen konnte. Natürlich zeigt das, dass die Produkte insbesondere bei diesem Großkunden ankommen. Wir haben in den vergangenen Jahren selbst gesehen, dass unter anderem der Grenzschutz, die DEA und weitere Behörden auf die Sicherheitslösungen aufgesattelt sind. Doch birgt das eben ein gewisses Risiko.

Die Kundenstruktur von Axon Enterprise scheint damit in Teilen sehr konzentriert. US-Bundesbehörden machen einen nicht unerheblichen Löwenanteil an den Umsätzen aus. Im Rahmen einer langfristigen Partnerschaft ist es gewiss nicht unwahrscheinlich, dass dieses Risiko niemals zu einem Belastungsfaktor wird. Nein, sondern eher eine Chance für weiteres Wachstum. Aber seien wir einmal bewusst pessimistisch.

Rein hypothetisch: Die Taser und Bodycams von Axon Enterprise fallen im Einsatz bei den Behörden einmal negativ auf, es kommt zum Pressewirbel. Oder es gibt einen neuen Partner für die US-Behörden und man kann sich nicht auf eine Verlängerung der Beziehungen einigen: Es bestünde das Risiko, dass sich die entsprechenden Behörden direkt distanzieren.

Natürlich ist es auch falsch, alle US-Bundesbehörden über einen Kamm zu scheren, sie haben eigene Entscheidungsträger. Käme es jedoch in einem Fall dazu, dass es eine gewisse Distanzierung gäbe, bräche ein sehr wesentlicher Umsatzpool weg. Ein Klumpenrisiko besteht daher in diesen 200 Mio. US-Dollar, die doch irgendwo einen gemeinsamen Nenner haben.

Nicht überbewerten, sondern kennen

Das Risiko heißt nicht, dass Axon Enterprise kein Kauf mehr ist oder dass sich die Investitionsthese auf irgendeine Weise verändert hat. Nein, es ist lediglich etwas, das man auf dem Schirm haben sollte: US-Behörden sind ein großer, sehr wesentlicher Kunde für das US-Sicherheitsunternehmen.

Ohne Zweifel ist das auch eine Chance. Je mehr Behörden mit den Lösungen zufrieden sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Behörden sich diese Lösungen zunutze machen. Trotzdem: Konzentration ist immer etwas, das man aus vielen möglichen Perspektiven durchleuchten sollte. Das ist einzig und allein mein Fazit zu dieser Kennzahl.

Der Artikel Besitzt Axon Enterprise ein 200-Mio.-US-Dollar-Risiko? ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Vincent besitzt Aktien von Axon Enterprise. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Axon Enterprise.

Motley Fool Deutschland 2022