"Nicht akzeptabel!" Heldt hat genug vom Videobeweis

Johannes Fischer
Horst Heldt steht bei Hannover 96 vor dem Absprung

Hannover 96 hat sich rund 24 Stunden nach der 2:3-Heimpleite gegen RB Leipzig mit einer Beschwerde-E-Mail an den DFB und die DFL gewandt und eine Abschaffung des Videobeweises gefordert.

Dies bestätigte 96-Sportdirektor Horst Heldt bei SPORT1. "Bis vor kurzem waren wir klarer Verfechter des Videobeweises, auch wenn wir einige Male klar benachteiligt wurden. Jetzt rücken wir von der Position ab. Es geht um die Willkür. In diesem momentanen Zustand ist es nicht akzeptabel", echauffierte sich Heldt.

Das Fass zum Überlaufen brachte aus 96-Sicht die Entscheidung des Schiedsrichter-Gespanns um Referee Guido Winkmann, der den vermeintlichen 3:3-Ausgleich der Gastgeber gegen Leipzig durch Niclas Füllkrug in der 82. Minute nach Studium der TV-Bilder zurücknahm.

"Da fängt der Zorn an"

"Es steht eindeutig in den Statuten des DFB, wann der Video-Assistent sich einschalten darf - und wann nicht. Nämlich nur bei klaren und eindeutigen Fehlentscheidungen", erinnert Heldt. "Jetzt sind wir glaube ich alle einer Meinung, dass diese Szene nicht unter dieses Kriterium fällt. Unabhängig, dass die Kalibrierung nur beim Fernsehen zugelassen ist, und nicht in Köln - ist es eben nicht eindeutig. Und da fängt die Ungerechtigkeit und der Zorn an."


In der Mail, der auch Video-Mitschnitte beigefügt sind, fordern die Niedersachsen die beiden Verbände dazu auf, zu insgesamt zehn Situationen aus der Partie vom Samstagnachmittag Stellung zu beziehen. "Wegen der Häufigkeit der offensichtlichen Fehlentscheidungen in diesem Spiel haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen", erklärt Heldt.

Neben Füllkrugs aberkanntem Treffer seien auch den ersten beiden Gegentoren Fehler der Unparteiischen vorangegangen.

"Vor dem 0:1 ahndet der Linienrichter eine klare Abseitssituation von Timo Werner, der Schiedsrichter sieht es nicht und lässt weiterspielen. Statt des berechtigten Freistoßes für uns und eines geordneten Neuaufbaus kriegen wir am eigenen Sechzehner nur einen Einwurf - und eineinhalb Minuten später fällt das erste Gegentor."

"Nicht mehr zu akzeptieren"

Auch das 0:2 sei durch eine irreguläre Position, dieses Mal von Jean-Kevin Augustin, eingeleitet worden. Dabei stößt Heldt vor allem die nicht einheitliche, und deshalb aus seiner Sicht nicht nachvollziehbare Auslegung und Anwendung des Videobeweises, bitter auf.

"Eineinhalb Stunden nach unserem Spiel rennt Lewandowski aus einer Abseitsstellung heraus alleine aufs Tor zu. Der Treffer wird gegeben, es gibt keinen Hinweis aus Köln, es wird nicht kontrolliert. Das geht nicht. Ich kann mich nicht einmal einmischen - und einmal nicht. Dadurch dass es klar formuliert ist, ist das nicht in Ordnung."

Sein Fazit: "Mit unserem Spiel gegen Leipzig und der Partie in München wurde der Höhepunkt der Ungerechtigkeit erreicht."

Dabei hatte sich Heldt bereits kurz nach Spielende in Rage geredet. "Es ist einfach scheiße, verstehen Sie? Am letzten Spieltag kriegen wir in Dortmund ein reguläres Tor aberkannt - und heute war das meiner Meinung nach mindestens gleiche Höhe. Das ist ärgerlich und nervt kolossal", schimpfte er bei Sky.

Nun also will Heldt von DFB und DFL Anworten. "In anderen Thematiken werden die Vereine zu Stellungnahmen aufgefordert - jetzt erwarte ich vom DFB das Gleiche. Das ist so nicht mehr zu akzeptieren, dafür geht es um zu viel."