Beschäftigte von United Airlines lassen sich angesichts drohender Kündigung impfen

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Impfung gegen das Coronavirus (AFP/Tobias Schwarz)

Wer sich nicht impfen lässt, muss gehen: Angesichts einer drohenden Kündigung entscheiden sich offenbar viele Beschäftigte der US-Fluggesellschaft United Airlines doch für eine Corona-Schutzimpfung. Das Unternehmen teilte mit, es werde weniger Angestellte entlassen als bisher angekündigt - die Zahl sinke von 593 auf 320. In Deutschland forderten die Amtsärzte am Freitag eine Ausweitung der 3G-Regeln auf alle Berufe mit Kundenkontakt.

United mit insgesamt 67.000 Beschäftigten hatte Anfang August angekündigt, dass es von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Inland die Impfung erwarte und die Beschäftigten dies auch nachweisen müssten. Am Dienstag erklärte das Unternehmen, wer bislang nicht geimpft sei, werde entlassen.

Nun seien 99,5 Prozent der Beschäftigten gegen das Corona-Virus geimpft; Ausnahmen gibt es aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen, wie United am Donnerstag mitteilte.

Auch der US-Fleischproduzent Tyson Foods hatte im August die Impfpflicht verkündet - mittlerweile hätten mehr als 100.000 Beschäftigte oder 91 Prozent der Belegschaft mindestens eine Impfung erhalten, teilte das Unternehmen mit. "Wir glauben, dass die Impfung das Effektivste ist, was unsere Teammitglieder machen können, um sich selbst, ihre Familien und die Gemeinden zu schützen, wo wir arbeiten." Tyson zahlt zudem 200 Dollar (173 Euro) Belohnung für eine Impfung und gibt dafür bis zu vier Stunden frei.

Der Telekommunikationskonzern AT&T kündigte an, dass alle in der Gewerkschaft CWA organisierten Angestellten bis zum 1. Februar geimpft sein müssten, "es sei denn, sie haben eine gültige Ausnahmegenehmigung". Angestellte in Führungspositionen müssen sich bereits bis zum 11. Oktober impfen lassen.

Auch andere US-Firmen wie Chevron, Microsoft und Morgan Stanley haben bereits Impfvorschriften für alle oder einen Teil ihrer Mitarbeiter bekanntgegeben. Die US-Regierung von Präsident Joe Biden plant eine Regelung, wonach Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern dafür sorgen müssen, dass ihre Mitarbeiter geimpft werden oder sich wöchentlich testen lassen. Führende Politiker der Republikanischen Partei lehnen den Plan Bidens als staatliche Zwangsmaßnahme rundweg ab.

In Deutschland bleiben die 3G-Regeln für Arbeitnehmer in der Diskussion. Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die Ausweitung der 3G-Regel - geimpft, getestet oder genesen - sei flächendeckend für alle Bereiche mit Kundenkontakt notwendig.

Verbunden werden müsse dies mit einer Auskunftspflicht für die Beschäftigten oder einem Informationsrecht für Arbeitgeber. Es nutze wenig, wenn beispielsweise Restaurantgäste eine Impfung, Genesung oder einen negativen Corona-Test nachweisen müssten, "aber der Arbeitgeber sein Gaststättenpersonal nicht danach fragen darf", sagte Teichert.

Eine Ausweitung der 3G-Regeln mit einer entsprechenden Auskunftspflicht auf Arbeitnehmer mit Kundenkontakt sei "prinzipiell denkbar", sagte der Arbeitsrechtler Volker Görzel der Nachrichtenagentur AFP. "Aktuell ist das noch nicht erlaubt, hierfür müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen geändert werden".

Ausgenommen seien bereits besonders "sensible Bereiche", beispielsweise in der Pflege. Sind Arbeitnehmer in solchen Berufen nicht geimpft, nicht getestet oder verweigern die Auskunft, können sie von ihrem Arbeitgeber zumindest aus dem Dienst entfernt werden. Gekündigt werden können sie nicht, sagte Görzel.

Mit Blick auf eine Impfpflicht sei die Rechtslage in Deutschland im Vergleich zu den USA "grundlegend" anders: "In Deutschland darf man nicht kündigen, weil ein Arbeitnehmer nicht geimpft ist", sagte der Arbeitsrechtler.

fho/ilo

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