Berühmtes Affen-Selfie wird für Fotografen zur Katastrophe

Dieses tierische Selfie des Affen Naruto ging um die Welt. (Bild: INTERTOPICS/Photoshot)

Das Selfie des grinsenden Affen Naruto zählt zu den berühmtesten Tierfotos der Welt. Für den Fotografen David Slater bedeutete es allerdings den Ruin – denn das Foto ist ein Selfie des Affen und somit gab es einen Streit um die Urheberschaft.

2011 drückt ein indonesischer Schopfmakake, der bis über beide Ohren zu grinsen scheint, selbst auf den Auslöser einer Kamera, die Fotos gehen um die Welt. Für den Tierfotografen, dessen Kamera der Affe benutzte, wohl der größte denkbare Coup – möchte man zumindest denken. In der Realität sah die Situation für David Slater aber ganz anders aus. „Ich wünschte, ich hätte die verdammten Fotos nie gemacht. Sie haben mich finanziell und emotional ruiniert”, erzählte Slater in einem Telefoninterview der „Süddeutschen Zeitung“.
Geld bekam Slater nie für das Foto. Zahlreiche Websites – darunter auch Wikimedia Commons, eine öffentliche und für jeden zugängliche Bilderdatenbank – veröffentlichten das Bild des Affen, ohne bei Slater anzufragen.

Das Selfie selbst hatte zwar der Affe Naruto geschossen, Slater selbst war aber überzeugt, dass die Urheberschaft ihm zustünde und verklagte dementsprechend Wikimedia Commons. Die Klage scheiterte, der Richter entschied, dass weder er noch das Tier Rechte an diesem Foto besäßen. Somit war das Foto öffentliches Gut und durfte nun offiziell von jedem veröffentlicht und benutzt werden. Eine Situation, die der Fotograf gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ als “verheerend“ bezeichnete.

Tierfotograf David Slater während der Arbeit mit den Tieren. (Bild: INTERTOPICS/Photoshot)

2015 folgte dann der nächste Schlag für den Fotografen: Die Tierschutzorganisation „Peta“ verklagte ihn – und zwar im Namen des Affen. Die Organisation forderte die Urheberschaft für Naruto und das Geld, dass Slater mit dem Bild verdient hat, soll in Umwelt- und Artenschutz investiert werden. Der Gerichtsstreit zieht sich bis heute, in mehreren Prozessen wurde die Forderung Petas abgelehnt. Derzeit wird der Fall an einem Gericht in San Francisco verhandelt. Der Fotograf selbst blieb der Verhandlung fern – laut eigenen Angaben konnte er sich aufgrund des jahrelangen Rechtsstreits das Flugticket mittlerweile nicht mehr leisten.

„Fakt ist doch, dass ich die Intelligenz hinter diesem Foto bin“, argumentiert Slater. „Ich habe mich ihnen für einige Tage angeschlossen, um sie aus der Nähe fotografieren zu können.“ Als er das Vertrauen der Tiere hatte, habe er alles vorbereitet, der Affe nur noch auf den Auslöser gedrückt.

Peta wird vielerorts dafür kritisiert, den Prozess nur aus Propagandazwecken zu führen – schließlich handelt es sich bei Naruto um ein Tier, das in einem Reservat unter sicheren Lebensbedingungen lebe.

Slater selbst hat der Fotografie den Rücken gekehrt und arbeitet mittlerweile als Tennislehrer. Mit einem Happy End rechnet er laut eigenen Angaben nicht mehr.

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